Missbrauch in der katholischen Kirche:„In den Dörfern wussten sie doch, was los war“

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Richard Kick ist Sprecher des unabhängigen Betroffenenbeirates in der Erzdiözese München und Freising. Das Gremium veranstaltet eine Radtour zu Orten des Missbrauchs im Südosten des Bistums. (Foto: Stephan Rumpf)

Was haben Pfarrgemeinden in der Erzdiözese München und Freising mitbekommen, wenn ihr Priester Kinder sexuell missbraucht hat? Antworten auf diese Frage erhofft sich Richard Kick bei einer Radtour des unabhängigen Betroffenenbeirates. Sie führt ihn durch den Südosten des Bistums – eine Region mit besonders hoher Täterort-Dichte.

Interview von Andrea Schlaier

„Seit der Romfahrt sind wir in der Öffentlichkeit angekommen“, sagt Richard Kick. Der Sprecher des unabhängigen Betroffenenbeirates in der Erzdiözese München und Freising spielt auf die Pilger-Radtour im Mai vergangenen Jahres zu Papst Franziskus an. Eine Gruppe von Menschen, die in der katholischen Kirche sexualisierten Missbrauch erlebt hat, war unter großer medialer Aufmerksamkeit in den Vatikan gefahren, um gemeinsam mit Unterstützern ihr Anliegen und ihre Kritik an der Aufarbeitung vorzutragen. Beides thematisierten die Radelnden auch unterwegs bei ihren Stopps an Bischofssitzen. „Seitdem haben sich etwa 100 weitere Betroffene gemeldet“, sagt Kick. Am 16. Juni bricht die Gruppe mit dem Sonntagsgeläut um 9.45 Uhr am Domplatz nun erneut auf – diesmal in den Südosten der Erzdiözese. Der selbstbewusste Titel der siebentägigen Tour: „Here we are.“

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