Miss Promilla Das Bier-Diplom

Wie auf der Wiesn Alkoholwerte ermittelt werden.

Wo andere Leute erst einmal einen Schreck bekommen, hatte Nikolaus von Taysen eine Geschäftsidee: in der Verkehrskontrolle. Als der damals 18-Jährige von der Polizei herausgewunken wurde und in ein Röhrchen blasen musste, überlegte er, wie praktisch es doch wäre, den Promillestand zu wissen, bevor sich eine Streife dafür interessierte. Und wie lukrativ es wäre, die Tests dort zu verkaufen, wo viele Menschen viel Alkohol trinken. Auf dem Oktoberfest, beispielsweise.

Heute ist von Taysen 29 Jahre alt, hat sein BWL-Studium beendet und ist seit sechs Jahren zusammen mit zwei Schulfreunden Geschäftsführer von "Promilla". 25 Mädchen gehen für ihn auf die Wiesn, ausgerüstet mit Dirndln und Alkoholmessgeräten. 4,50 Euro kostet ein Mal blasen, dazu gibt's eine Urkunde, das "Bier-Diplom". Johanna Paskuda, 20, ist eine der Testerinnen - blonde Haare, blaue Augen, Typ Werbebroschüre. Sie sagt: "Seit ich laufen kann, gehe ich aufs Oktoberfest." Die positive Grundeinstellung ist wichtig - bei den "Promillas" zählt schließlich nicht nur das Aussehen, sondern auch das Nervenkostüm. Wenn Johanna in rotem Dirndl, gestärkter Bluse und Promilla-Schärpe im Löwenbräu-Zelt umhergeht, machen ihr die betrunkenen Männer offenbar nichts aus. Geduldig erklärt sie, wie der Test funktioniert, lässt sich mit Kegelvereinsmitgliedern fotografieren und schiebt Hände fort, die am Dirndl zerren. Und wenn ein Australier mit Serviettenresten im Gesicht die "lovely German lady" nach ihrem Namen fragt, antwortet sie freundlich: "I am Promilla."

Das Testgerät ist das gleiche Modell, das auch die Polizei benutzt, und das weckt mitunter den Kampfgeist. Per, ein Däne, nimmt noch einen tiefen Schluck aus dem Krug, bevor er in das Mundstück bläst. Und da der Alkoholgehalt im Atem gemessen wird, erhält er von Johanna eine Urkunde mit dem galaktischen Ergebnis von 3,48 Promille. Für die Mädchen lohnt sich der Job, sie bekommen pro Test 1,50 Euro plus Trinkgeld. Da kommen pro Stunde rund 40 Euro zusammen. Und auch für Nikolaus von Taysen bleibt genug übrig: Von den Einnahmen konnte er sein Studium finanzieren.

Ob er schon mal daran gedacht habe, Männer mit Alkoholmessgeräten über das Oktoberfest laufen zu lassen? "Ich habe es versucht", sagt der Promilla-Chef, "aber Frauen wollen einfach nicht dafür bezahlen".