Wenn Miriam Hanika diesen Freitag ihr neues Album „*innenleben“ in der Black Box der Fat Cat am Rosenheimer Platz live präsentiert, wird sie dabei von zahlreichen Szenestars des Münchner Musiklebens unterstützt. Begleitet von Größen wie dem viel beschäftigten Schlagzeuger und Komponisten Simon Popp, der nicht minder umtriebigen Cellistin Elisa von Wallis, dem slowakischen Bassisten Peter Cuder oder der türkischen Harfenistin Melis Çom wächst Hanikas poetische Musik zur kammermusikalischen Popmusik.
Diese darf dann auch mal wie der Soundtrack zur besungenen Geschichte klingen, derweil sie ein andermal in einen musikalischen Diskurs mit der Lyrik von Hanika tritt.
Zu Recht wurden Hanikas Texte im WDR bereits mit denen von Erich Kästner und Mascha Kaléko verglichen. Dass ihre Texte tatsächlich auch ohne Musik funktionieren, bewies Hanika mit der im Eigenverlag veröffentlichten Textsammlung „Worte ohne Lieder“. Im Gegenzug demonstrierte Hanika im vergangenen Jahr mit ihrem vierten auf Konstantin Weckers Label Sturm und Klang erschienenem Solo-Album „Schilflieder“, dass die von ihr komponierte und arrangierte Musik auch ohne Worte eine schon mehr ver- als be-zaubernde Lyrik entfalten kann.
Es ist nur folgerichtig, wenn das ebenfalls preisgekürte Dandelion Quintett, eine Holzbläserformation, in der auch Hanika auf der Oboe und dem Englischhorn mitwirkt, nun auch ihre Kompositionen spielt, und zwar live ebenso wie auf dem neuen Album, das erstmals auf Hanikas eigenem Label „Louise“ erschienen ist.
Damit ist die im Musikstudium zur Orchestermusikerin ausgebildete Oboistin endgültig zum Unternehmen herangereift, das Künstlerin, Managerin und Labelbetreiberin in einer Person vereint. „Keine der vielen Vorlesungen, die ich besucht hatte, hat mich auf ein Leben in der freien Szene vorbereitet“, sagt Hanika, die allerdings einräumt: „Ich glaube aber, dass die betriebswirtschaftliche Seite eines Musikers mittlerweile auch im Studium vorkommt. Ich dagegen musste alleine lernen, zu verhandeln. Ich toure ja auch mit einem kleinen Ensemble deutschlandweit. Da ist es dann wichtig, dass am Ende jeder auf seine Kosten kommt, die anderen Musiker ebenso wie ich, und natürlich auch die Veranstalter. Die haben es heutzutage ja auch nicht leicht.“
Trotzdem bedauert sie es nicht, die einst eingeschlagene Karriere als Orchestermusikerin mit gesichertem Einkommen aufgegeben zu haben. „Meine ursprüngliche Idee, ich könne dann ja noch nebenbei meine eigenen Sachen machen, habe ich sehr schnell aufgegeben. Orchestermusiker ist echt ein Knochenjob, vor allem, wenn man sich erst noch das gesamte Repertoire aneignen muss. Darum habe ich dann beschlossen, dass mir meine eigenen Stücke dann doch wichtiger sind.“
Unterstützt wurde sie dabei anfangs auch vom Liedermacher Konstantin Wecker, der Hanikas erste Alben auf seinem Label veröffentlicht hatte und mit dem Hanika gelegentlich auch gemeinsam musizierte. Wichtig ist diese Phase ihrer musikalischen Entwicklung vor allem, weil sie dabei zwei Labelkolleginnen kennenlernte, die einmal, als Wecker krankheitsbedingt einem gemeinsamen Konzert fernblieb, dieses dann zu dritt meisterten.
Das wiederum führte nicht nur zu einem gemeinsamen, ebenfalls bei Sturm und Klang erschienenen Album von Miriam Hanika, Sarah Straub und Tamara Banez, sondern zu einer steten Zusammenarbeit der ansonsten recht unterschiedlichen Künstlerinnen, die sich auch nächstes Jahr wieder auf einer weiteren gemeinsamen Tour mit den jeweiligen Songs der anderen auseinandersetzen wollen.
Wahrscheinlich liegt darin auch die Stärke in Hanikas künstlerischem Schaffen, sich konsequent selbst zu behaupten und zugleich trotzdem die Welt der anderen mitzudenken und zuzulassen. Solches Musizieren als Selbstbehauptung im Gemeinschaftswerk also lebt beispielhaft vor, wie man Veränderungen zulassen kann, ohne sich darin zu verlieren.
Miriam Hanika & das Poesie Orchester, Black Box in der Fat Cat, CD-Präsentation *innenleben, Freitag, 28. November, 20 Uhr

