Süddeutsche Zeitung

Cocktailbar Westend "Minibar":Hawaiiparty mit dem Westender

Die Macher der "Minibar" haben wenig Platz, doch trotzdem haben sie es innerhalb eines Jahres zur beliebten Partylocation im Westend geschafft. Sogar ein spezielles Bier haben sie für ihre Gäste.

Die Würfel sind gefallen. Diese schicksalhaften Worte werden dem römischen Kaiser und Feldherren Julius Cäsar zugesprochen, als ihm seinerzeit am Rubikon auf seltsame Weise die Entscheidung zum Angriff abgenommen worden war. Für den Hotelkaufmann Hannes Michel und den Hörfunkjournalisten Gregor Sander waren die Würfel auch auf seltsame Weise gefallen, als sie sich vor ein paar Jahren im Winter zufällig auf der Straße trafen. Man kam ins Gespräch. Beide waren beruflich Einzelkämpfer und unterwegs zu neuen Ufern. Sie entschieden schließlich, gemeinsam eine Pension zu eröffnen, doch für die passende Immobilie bekamen sie nicht den Zuschlag.

Völlig frustriert radelte Sander danach durchs Westend vorbei an einer seit Jahren leerstehenden Immobilie in der Ligsalz-/Ecke Westendstraße. Mit dem kleinen Raumwürfel hatte bislang keiner etwas anzufangen gewusst. Das unternehmungslustige Duo griff zu und machte daraus kurzerhand die Minibar - einen kleinen Ort für Privatpartys, für Sportevents, für Filmabende oder auch Kunstausstellungen.

Das erfordert viel Flexibilität, denn den beiden Barmännern stehen lediglich 23 Quadratmeter zur Verfügung. Aber es funktioniert - dank des Prinzips Würfel. Die viereckige geometrische Figur ist das Funktionsprinzip der Minibar: der Raum selbst, die Sitze, die Tische, die Gläser, die Getränkekarten - alles ist quadratisch und kann damit schnell gestapelt oder anders angeordnet werden. Sogar die Bar selbst besteht aus drei Teilen auf Rollen, die nach Gusto herumgeschoben werden können.

"Das passt alles perfekt", schwärmt Sander. Denn die Erfahrung zeigt, dass 45 Leute in den Laden passen - gerade so viele, wie ihre Gäste üblichweise einladen wollen. Die sind laut Sander "weder Snob noch Assi". In der Minibar feiert die Münchner Mittelschicht Geburtstage, Hochzeiten und die wohl sehr beliebten Mottopartys. Unlängst beispielsweise feierte eine Gruppe von Damen aus Sachsen eine Hawaiiparty, aber es gab auch schon eine "Fitnessparty", bei der die Gäste die mit Alkohol versetzten isotonischen Getränke an den eigens aufgestellten Steppern gleich wieder ausschwitzen konnten. Das Minibar-Team versucht dabei, jeden Wunsch möglich zu machen. "Wir leben von den Partys", sagt Sander.

Im Juni feierte der Laden sein einjähriges Bestehen. Bilanz: "Es läuft echt gut." Bis zu fünf Anfragen für Partys hat das Minibar-Team jeden Tag. Überdies wurden sie in diesem Jahr vom Stadtmagazin Prinz zur "Top Location" erklärt. Und auch im Viertel ist die Minibar angekommen. Sie ist Teil des Netzwerks aus diversen Läden und Lokalen, die sich gegenseitig unter die Arme greifen.

"Eine Hand wäscht die andere", sagt Sander, der sich auf der Schwanthalerhöhe mittlerweile ganz zu Hause fühlt. Am Donnerstag findet in der Minibar immer ein "Heimatabend" für Freunde und Nachbarn statt. Dann gibt es auch ein nach dem Viertel benanntes naturtrübes Kellerbier, das allerdings aus der kleinen Hinterhofbrauerei in Untergiesing stammt. Auf dem Etikett des "Westenders" reckt ein Hirsch sein Geweih. Eine Reminiszenz an die vielen Geweihe in der Pension, die ihnen damals durch die Lappen gegangen ist.

Hannes Michel hat mit diesem Traum zumindest noch nicht abgeschlossen. Und Sander hat noch viel vor, er plant einen Kickersalon zu eröffnen. So wie es aussieht, werden die Würfel bald wieder rollen.

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Quelle:
SZ vom 16.08.2011/wib
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