Wie geht es weiter mit der Kinderstadt?Mini-München 2026 finanziell gesichert

Lesezeit: 2 Min.

Wie jede richtige Stadt hat Mini-München auch Bürgermeisterinnen. Hier die beiden Vertreterinnen 2024.
Wie jede richtige Stadt hat Mini-München auch Bürgermeisterinnen. Hier die beiden Vertreterinnen 2024. Catherina Hess

Seit Jahrzehnten regieren in Mini-München die Kinder. Doch wegen der angespannten Haushaltslage war die Zukunft unsicher. Nun zeichnet sich eine Lösung ab. Bleibt noch die Standortsuche.

Von Noah Westermayer

Nach längerer Unsicherheit zeichnet sich bei der Finanzierung des Vorzeigeprojekts Mini-München eine Wende ab: Die Kämmerei signalisiert Zustimmung zur Finanzierung der Kinderstadt für das kommende Jahr, wie die städtischen Haushaltsplaner der SZ mitteilten. Wenn die Gesamtkosten des Projekts auf dem Niveau des Vorjahres blieben, werde man einem entsprechenden Budgetvorschlag des zuständigen Sozialreferats nicht im Wege stehen. Zwar suche man angesichts der klammen Haushaltslage mittlerweile überall nach Sparmöglichkeiten, doch die Summe für Mini-München könne gefunden werden, heißt es.

Das Sozialreferat konnte den Vorstoß zunächst nicht kommentieren und das Gesamtbudget des Referats müsste ohnehin politisch beschlossen werden, wie der ganze Haushalt der Stadt. Doch die finanziellen Voraussetzungen dafür, dass die kleine Stadt im nächsten Sommer ihre Tore öffnen kann, dürften damit in greifbare Nähe gerückt sein.

Seit 1979 übernehmen bei Mini München Sieben- bis Fünfzehnjährige für ein paar Wochen im Sommer die Geschicke ihrer Modellstadt. Sie wählen eine Regierung im Schulalter, führen Haushaltsberatungen in einer Spielwährung und organisieren den Verkehr mit Schubkarren. Und manches, wie Gesandtschaften zu anderen Kinderstädten, bleibt sogar das ganze Jahr über präsent. Die Stadt selbst entsteht alle zwei Jahre für wenige Sommerwochen – sofern die Erwachsenen es ermöglichen. Und zuletzt schien genau das unsicher.

Angesichts der angespannten Kassenlage stand die Finanzierung auf der Kippe. Die Fraktion Grüne/Rosa Liste hatte sogar vorgeschlagen, verbliebene Mittel aus dem Budget für das Champions-League-Finale für Mini-München umzuwidmen.

Mit dem nun von der Kämmerei ins Spiel gebrachten Vorschlag könnte dieser Umweg hinfällig werden. Denn der Stadtrat könnte den Haushalt für die Spielstadt regulär beschließen. Dass er das tun wird, ist wahrscheinlich: Die beiden Koalitionsfraktionen Grüne/Rosa Liste und SPD hatten das Projekt jedenfalls einhellig als wichtiges Anliegen bezeichnet.

Bliebe das Standortproblem: Seit dem Verlust der früheren Event-Arena im Olympiapark im Jahr 2012 muss jedes Mal aufs Neue eine passende Fläche gefunden werden. „Man darf sich die Spielstadt als Programm ohne Ort vorstellen“, fasst der Betreiberverein Kultur & Spielraum die Situation zusammen. Es sei vergleichbar mit einem Theater ohne Bühne.

Als die Event-Arena damals wegfiel, habe man die Problematik vielleicht nicht völlig überblickt, sagt Margit Maschek-Grüneisl vom Verein Kultur & Spielraum, der Mini-München im Auftrag der Stadt ausrichtet. Denn die ständige Suche nach Zwischenlösungen ist aufwendig. Ausstattung, Erreichbarkeit, Barrierefreiheit, Sicherheit – die Vorgaben seien hoch und zuletzt deutlich gestiegen. Bis zu 2000 Kinder besuchen Mini-München täglich, entsprechend groß sei der Platzbedarf.

Alle Beteiligten wünschten sich eine dauerhafte oder zumindest längerfristige Lösung, so der Verein. Seit Jahren prüfe man mögliche Standorte – bisher ohne Erfolg. Aktuell geht es jedoch vor allem darum, überhaupt einen Ort für das nächste Jahr zu finden. Denn beim 2024 genutzten Standort wurden bereits einige Teile anderweitig vermietet.

Stattdessen Immobilien wie Schulen zu nutzen, wie von der Politik vorgeschlagen, wäre möglich, heißt es beim Verein. Infrage kämen etwa größere Schulzentren. Doch auch die stünden in den Ferien nicht völlig leer, da diese Zeit für Sanierungen, Sportangebote und Reinigungen genutzt werde. Dazu kämen enge Zeitfenster: Der Schulbetrieb brauche einen Nachlauf, Mini-München etwa zwei Wochen für den Aufbau. Die Herausforderung sei „also vor allem zeitlicher Natur“, so der Verein. Ob und welche Flächen sich finden lassen, ist noch offen. Das Referat für Bildung und Sport prüfe gerade Optionen.

Für das kommende Jahr müssen jedenfalls schon bald die Weichen gestellt werden. „Die Entscheidung, wie es weitergeht, muss jetzt im Sommer fallen“, sagt Maschek-Grüneisl vom Betreiberverein. Nur so könnten die Planungen rechtzeitig Mitte September beginnen. Man sei aber sehr zuversichtlich, eine Lösung zu finden. Für die Kinder der kleinen Republik bleibt also die Hoffnung, dass ihre Demokratie im kommenden Sommer gerettet wird – durch die Entscheidungen der Großen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Zwischen G8 und G9
:Der ganz besondere Abi-Jahrgang

Ein Jahr ohne Abitur in München? Nicht ganz. Aber vieles ist dieses Mal anders als sonst, der Grund dafür ist die Umstellung von G8 auf G9. Es gibt weniger Abiturienten – doch mit auffallend großen Leistungsunterschieden.

SZ PlusVon Kathrin Aldenhoff und Maximilian Hossner

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: