Die Bavaria Studios im Süden Münchens – wo sonst für die große Leinwand produziert wird – haben an diesem Wochenende einen neuen Anstrich bekommen: Pink, Limettengrün und Dunkelblau, den Farben des SZ-Live-Events Mindpop. Dank des „Festivals für kluge Gedanken“ – so steht es auf dem großen Holzbogen, der den Eingang zum Festivalgelände umrahmt. Hier wird Journalismus quer durch alle Ressorts zur Live-Erfahrung. Die Journalistinnen Natalie Amiri und Shahrzad Eden Osterer sprechen über Zukunftspotenziale im Nahen Osten. Datenjournalismus wird bei einem interaktiven Vortrag zu den Beliebtheitswerten von Dark Romance und Romantasy erlebbar, und SZ-Journalistin Jana Stegemann diskutiert mit Creatorin Gizem Çelik, Psychologin Alica Schellhorn sowie Lea Dakowski und Lina Kempenich (Podcast-Hosts von „Juice“) darüber, warum wir alle so auf Gossip stehen.


An beiden Tagen besuchen jeweils an die 1000 Menschen das Festival, darunter auch Katharina, 43 Jahre alt. Sie hat sich genau überlegt, welche Vorträge und Interviews sie am meisten interessieren. Der erste Punkt auf ihrer Festival-Tagesordnung am Freitag ist das Interview mit Tobias Krell, bekannt als Checker Tobi.

Tobias Krell moderiert seit 13 Jahren die Kinderwissenssendung „Checker Tobi“ im Kika. In der Sendung befasst er sich mit Themen wie Straßenverkehr, Weihnachten oder Skifahren und erklärt sie ganzheitlich und kindgerecht. Beim Ski-Check geht es entsprechend nicht nur um „Schuss“ und „Pizza fahren“, sondern auch um das Thema Klimakrise.
Auf dem folgenden Panel sprechen Moderatorin Saimah Jiwa (SZ), Autorin Isabel Abedi, Content Creatorin Thi, Schul- und Rassismusforscher Karim Fereidooni und Model, Musikerin und Aktivistin Queen Lizzy. Zum einen tauschen sie sich über persönliche Erfahrungen mit Rassismus aus, zum anderen wird die wissenschaftliche Perspektive diskutiert. So zeigt Fereidooni die Gleichzeitigkeit von rassistischen und rassismuskritischen Einstellungen in unserer Gesellschaft auf.
Politische Themen interessieren den Mindpop-Besucher Lorenz, 22, besonders. Er war schon auf mehreren SZ-Live-Veranstaltungen und findet es spannend, Einblicke in die Arbeit von Journalisten sowie von Forschern und Wissenschaftlern zu bekommen. Ihm gefällt auch, dass auf dem Mindpop „quer durch die Bank“ so einiges geboten ist.

Deshalb hat er bei „Picasso on a budget“ mit Content Creator Carlo Sommer selbst zu Stift und Papier gegriffen. Bei der „Do It Yourself“-Session arbeitet das Publikum zusammen: In jeweils fünf Minuten werden Kopf, Oberkörper, Beine und Schuhe gemalt. Aber das macht nicht jeder für sich. Immer wenn der Gong ertönt, reicht man das Blatt weiter und wird vom Werk des Nachbarn inspiriert.
Beim Häkel-Workshop können sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in kurzer Zeit ein kleines Kunstwerk schaffen. Hannah Krajinovic, die Gründerin des „Do It Yourself“-Studios „Lost in Perfection“ in München, leitet die Gäste im Raum in einer Stunde vom Wollknäuel zum Schlüsselanhänger.

Am Samstag prägen True-Crime-Veranstaltungen das Festival. Beim Live-Podcast zum Fall „White Tiger“ über das Online-Netzwerk, das Kinder mit Chatnachrichten angelockt haben soll, berichten die SZ-Journalisten Benedikt Warmbrunn, Lina Verschwele und Antonia Franz von ihrer Recherche und erklären, wie man sich und sein Umfeld schützen kann.
Linn Schütze (Podcast-Host von „Mord auf Ex“ und „Die Jägerin“) und Kriminologin Gina Rosa Wollinger stehen Rede und Antwort zu ethisch-moralischen Fragen von True Crime: Nach welchen Kriterien wählt man die Geschichten der Opfer aus? Wie geht man mit der Problematik von sekundärer Viktimisierung, also erneuter Opferwerdung, um? Und auch: Wie spricht man mit den Angehörigen?

Mit dem Impulsvortrag von SZ-Journalistin Sina-Maria Schweikle wandert der Blick schließlich ins Ausland. Die Redakteurin für Außen- und Verteidigungspolitik erzählt in ihrem „Travel Slam“ von Reisen mit Außenminister Johann Wadephul, erklärt, was Hintergrundgespräche sind und lässt viel Raum für Fragen. Daraufhin schießen direkt die Hände nach oben. Wie sie den Außenministerwechsel von Annalena Baerbock zu Johann Wadephul wahrgenommen habe, fragt ein Zuhörer. Wie kollegial die Atmosphäre zwischen den Journalisten aus den verschiedenen Medienhäusern bei den Reisen sei, möchte jemand anderes wissen. Und wie Schweikle Ausgleich zum Job findet.

Besucherin Sophia, 29, ist vom Festival positiv überrascht: „Ich hatte eigentlich nur ein Ticket für Freitag und fand es so cool, dass ich mir für den Samstag noch ein Ticket geholt habe.“ Besonders die Rassismus-Awareness-Podiumsdiskussion und ein Vortrag zur Bedeutung des Zyklus für Arbeit und Sport hätten sie inspiriert. Zusammen mit zwei Freunden verlässt sie gerade das Studio 2, in dem am Samstagabend der letzte Programmpunkt des Festivals stattgefunden hat: Comedienne Maria Clara Groppler hat ein Kurzprogramm aus ihrer Show „Mehrjungfrau“ gegeben.

Auch Ben, 28, hat der Mix aus ernsten politischen Themen zum Nachdenken und den witzigen, leichten Themen gefallen. „Und jetzt noch so ein lockerer Abschluss: Das hat das Ganze schön abgerundet.“

