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Computerspiele:"Gaming ist in erster Linie Unterhaltung"

Johannes Roth, 32, gründete 2011 gemeinsam mit Kommilitonen die Firma "Mimimi". Seitdem ist er als Geschäftsführer tätig. Zuvor absolvierte er ein Bachelorstudium in Game Design an der Mediadesign Hochschule München.

(Foto: Mimimi Games)

Bestes Spiel, bestes Studio: Johannes Roth hat mit seiner Firma in zwei Kategorien den Deutschen Computerspielpreis gewonnen. Ein Gespräch über Arbeitsbelastung und den Anspruch von Computerspielen.

Interview von Linus Freymark

Der Münchner Spieleentwickler "Mimimi" hat in zwei Kategorien den Deutschen Computerspielpreis gewonnen. Firmengründer Johannes Roth spricht zu diesem Anlass über die Entwicklungen in der Gaming-Branche - und welche Rolle der deutsche Markt im internationalen Vergleich spielt.

SZ: Herr Roth, Ihre Firma "Mimimi" hat am Dienstagabend den Deutschen Computerspielpreis verliehen bekommen. Wie feiert man so eine Auszeichnung denn während der Pandemie?

Johannes Roth: Leider nur vor der Webcam. Wir haben den Livestream der Preisverleihung zusammen mit dem Team verfolgt. Das ist natürlich nicht so schön wie zusammen zu feiern - aber das kann man ja nachholen.

Neben der Auszeichnung für das beste Spiel wurden Sie auch als bestes Studio geehrt. Was war dafür ausschlaggebend?

Wir haben eine recht klare Haltung etwa zu Überstunden, die wir nach Möglichkeit vermeiden wollen. Unserer Branche wird oft vorgehalten, dass eine massive Anzahl an Überstunden anfällt, gerade wenn ein Projekt abgeschlossen werden muss.

Ist es bei Ihnen nicht so?

Wir versuchen eine Balance zu halten und unseren Anspruch an die Spiele mit den persönlichen Bedürfnissen unserer Angestellten zu vereinen. Ein schönes Spiel? Ja gerne - aber nicht zu Lasten der Freizeit unserer Mitarbeiter.

Ist die hohe Arbeitsbelastung in der Gaming-Industrie denn so ein großes Problem?

Wenn sich die Leute freiwillig dazu entscheiden, viel zu arbeiten, weil sie sich einfach sehr für die Spieleentwicklung interessieren, kann man das ja machen. Ich bin aber der Meinung, dass jemand, der ausreichend Zeit für Hobbys und Privatleben hat, kreativ bessere Leistungen bringt als jemand, der von morgens bis abends vor dem Bildschirm sitzt. Das ist schon ein Problem in unserer Branche, gerade bei großen Produktionsfirmen. In den vergangenen Jahren hat sich da aber einiges zum Positiven verändert.

Die Auszeichnung für das beste Spiel haben Sie für "Desperados III" bekommen. Darin steuert man einen Kopfgeldjäger, die Geschichte dahinter ist im Prinzip eine klassische Western-Story. Was ist das Besondere an diesem Spiel?

Dadurch, dass "Desperados III" ein Echtzeit-Taktikspiel ist, muss man sehr strategisch vorgehen. Man hat nur ein kleines Team und eine große Anzahl an Gegnern. Um die zu überwältigen, muss man kreativ werden. Durch die taktischen Elemente wird das Game ziemlich anspruchsvoll für die Spieler.

Würden Sie sagen, dass Sie mit der Gestaltung von "Desperados III" in einem generellen Trend innerhalb der Gaming-Branche liegen?

Gerade der Western hat in den vergangenen Jahren eine Wiederbelebung in den Medien erfahren. Allerdings wird die Zeit meistens in einer sehr düsteren, fast schon depressiven Art dargestellt. Die Zeiten der Glorifizierung vom tapferen Cowboy sind vorbei. Wir haben uns an den klassischen Geschichten orientiert. Bei uns geht es humorvoller zu. Trotzdem gibt es auch ernste Themen. Aber gerade jetzt während Corona braucht es meiner Meinung nach wieder mehr positive Anstöße. Wir haben ja nicht den Anspruch, in unseren Spielen eine historische Problematik aufzuarbeiten. Gaming ist in erster Linie Unterhaltung.

Für Ihre beiden Auszeichnungen haben Sie insgesamt 140 000 Euro Preisgeld erhalten, die Verleihung haben Tausende Zuschauer im Livestream verfolgt. Ist die Spieleindustrie nach wie vor so stark am Wachsen?

Das würde ich sofort unterschreiben. Die Gaming-Branche war auch vor der Pandemie schon im Aufschwung. Durch Corona haben noch mal mehr Leute angefangen zu spielen, wenn man die ganze Zeit zu Hause sitzt, liegt das ja nahe.

Irgendwelche Vorteile muss die Krise ja haben.

Nichtsdestotrotz sind wir kein reiner Profiteur der Krise. Wir kämpfen auch damit, was die Pandemie mit unseren Leuten macht. Aber generell sehe ich das Wachstum der Branche erst mal nicht abreißen.

Die meisten Spiele werden nach wie vor in den USA entwickelt. Wie steht die deutsche Gaming-Industrie im internationalen Vergleich da?

Deutschland ist ein extrem guter Absatzmarkt. Allerdings sind die meisten Spiele, die hier verkauft werden, keine deutschen Produktionen. Ich sehe zwei Kernpunkte, weswegen Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern hinterherhinkt: Zum einen war der deutsche Markt lange Zeit so stark, dass man es sich erlauben konnte, Spiele herauszubringen, die eine rein deutschsprachige Zielgruppe hatten. Außerdem hatten wir lange keine staatlichen Förderungen. Die bundesweite Förderung ist zum Glück seit Ende vergangenen Jahres gestartet, aber natürlich ist das ein Wettbewerbsnachteil gewesen.

© SZ vom 16.04.2021/van
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