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Millionärin Böhringer: Prozess um Erbe:Die Zweifel bleiben

Fragen über Fragen bei der zivilrechtlichen Fortsetzung des Prozesses um die ermordete Millionärin Charlotte Böhringer: Die Rechtsmedizin kann nicht erklären, wie DNS-Spuren des verurteilten Neffen an die Kleidung der Toten kamen.

War Benedikt T. zweifellos der Mörder seiner reichen Erbtante Charlotte Böhringer? Und ist er deswegen erbunwürdig? Die Fragezeichen stehen mit Fug und Recht auch nach vier Prozesstagen noch hinter diesen beiden Sätzen. In der Verhandlung am Dienstag wurde deutlich, dass die zivilrechtliche "Fortsetzung" des spektakulären Mordprozesses noch geraume Zeit andauern dürfte.

Beisetzung von Charlotte Böhringer, 2006

Im Penthouse über der Parkgarage von Charlotte Böhringer wurde das Opfer gefunden. Eine Zeugin will sich nun nicht so recht erinnern.

(Foto: Robert Haas)

Denn auch diesmal wurden dem Gericht keine Fakten geliefert, die eindeutig in die eine oder andere Richtung weisen. Vielmehr mag sich eine als Zeugin angehörte prominente Freundin der Ermordeten partout an nichts mehr erinnern. Und die danach befragte Expertin der Münchner Gerichtsmedizin kann nicht eindeutig sagen, wie und wann DNS-Spuren von Benedikt T. an die Kleidung der Toten gelangt war.

Marianna S., aus Klatschkolumnen bekannte Honorarkonsulin von Venezuela, ließ sich aus Sorge vor Pressefotografen quasi durch den Hintereingang, nämlich durch das sonst strikt vor der Öffentlichkeit abgeschottete richterliche Beratungszimmer in den Sitzungssaal im Justizpalast bringen. Sie war in den letzten Lebensstunden von Charlotte Böhringer im Mai 2006 mit ihr zusammen gewesen.

Die hatte sie wegen Handwerkern zu sich in das Penthouse über der Parkgarage gebeten, deren Arbeit sie gemeinsam begutachten wollten. Sie wisse von dem "Schockerlebnis" nichts mehr, ließ die Konsulin das Gericht wissen, kaum dass sie auf dem Zeugenstuhl Platz genommen hatte. "Ich habe alles verdrängt."

Nachdem sie diverse Fragen mehr oder weniger abgewimmelt hatte, wurde Benedikt T.s Anwalt Peter Witting nachdrücklich: "Sind Sie verärgert, heute hier aussagen zu müssen? Ich habe den Eindruck, dass Sie sich sperren." Sie sei doch die letzte Kontaktperson gewesen. "Und es geht um so viel." Marianna S.: "Ich habe es schon dreizehn Mal zu Protokoll gegeben, bitte lesen Sie es nach - das ist hier keine Dampfplauderstunde."