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Milbertshofen:Galaktische Geldspirale

Michael Lapper Cash-Galaxy No2-E

"Cash-Galaxy No2-E": Die Milchstraße aus 1500 Neon-Etiketten.

(Foto: Michael Lapper/oh)

Michael Lappers Kapitalismuskritik im Kunstschaufenster

Die Erde dreht sich um die Sonne, wirklich, auch wenn es sich nicht so anfühlt, als seien wir ständig am Rotieren. Doch noch immer singen wir "Der Mond ist aufgegangen" und betrachten versonnen den "Sonnenuntergang", als hätte es die Herren Kopernikus, Kepler und Galilei nie gegeben. Und tun weiterhin munter so, als wären wir das Zentrum des Universums. "...und die Welt ist eine Scheibe" ist der Titel einer Ausstellung, die im Kunstschaufenster des Café Ludwig im Petuelpark zu sehen ist. Der Riemer Künstler und Kunstpädagoge Michael Lapper hat den kleinen Schauraum auf Einladung des Künstlernetzwerks Milbertshofen gestaltet. Es lohnt sich, nach Sonnenuntergang dort vorbeizukommen.

Dann nämlich wird Lappers Arbeit "Cash-Galaxy No2-E" mit UV-Licht beleuchtet und entfaltet ihre ganze dynamische, perfide Schönheit. Der Künstler rät, sich vorübergehend in einen Besucher aus den fernen Tiefen des Alls hineinzufühlen, der auf diese Lichtspirale zusteuert. Voller Bewunderung nähert er sich der strahlenden Sternenmasse, welche die Erdlinge "Milchstraße" nennen. "Dann kommen Sie noch näher und Sie sehen, ach, da dreht sich alles nur ums Geld." Lapper hat die Heimatgalaxie der Menschen aus 1500 neongelben Etiketten (99 Cent) auf schwarzer Plastikfolie erschaffen. Im UV-Licht formieren sie sich zum Sinnbild des "schönen Scheins eines billigen Geschäftsmodells von Profit und Verbrauch". Und wer in diesem ökonomischen Wirbel nicht mithalten könne, der werde durch die Zentrifugalkräfte des Markts herausgeschleudert. Oder fällt, so ist auf einem weiteren Spiralbild zu sehen, über den Rand der Scheibe jäh ins Nichts.

Das kapitalistische System sei in eine gefährliche Schieflage geraten, sagt Lapper. Das spüre in einer vom Investorengeld hyperbeschleunigten Stadt wie München mittlerweile auch der Mittelstand. "Warum kommt das Kapital nicht in der Breite an?" Michael Lapper ist ein Künstler, der Fragen stellt und auch andere dazu einlädt, Beiträge an der Glasscheibe des Schaufensters zu hinterlassen, selbst wenn dadurch die Werke wie etwa eine großformatige Fotografie nach und nach verdeckt werden. Es zeigt die Momentaufnahme einer Wasserfläche, in der Gold zu schmelzen scheint. Sie entstand Ende der Nullerjahre bei einem Besuch der Art Basel, als der Kunstmarkt trotz oder gerade wegen der internationalen Finanzkrise heiß zu laufen begann. Leuchtstofflampen der Messe spiegeln sich ebenso im Wasser wie die historische Silhouette der Baseler Altstadt. Der Kunstmarkt ist für Lapper Beispiel für ein außer Kontrolle geratenes System: Extrem viel Geld fließt in die Städte und verändert ihr soziales Gefüge und ihre Identität, es gibt Gewinner und noch viel mehr Verlierer.

Die Schau "... und die Welt ist eine Scheibe" läuft bis Mitte März und ist im Kunstschaufenster des Café Ludwig, Klopstockstraße 10, einsehbar.