Mexikanisches Restaurant in der Altstadt "Milagros" Kein bisschen pöbelhaft

Küche einer Hochkultur: Das Milagros ist ein mexikanisches Restaurant - ganz ohne Mariachi-Kapellen, derbe Kost, Tequila und anschließendem Sodbrennen.

Von Matthias Weitz

Dieser Text ist leider veraltet, das Restaurant gibt es inzwischen nicht mehr.

Kostprobe Milagros am Viktualienmarkt Foto:catherina Hess

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Man ahnt es vielleicht nicht, wenn man am unprätentiösen Restaurant Milagros am südöstlichen Eck des Viktualienmarktes vorbeiläuft, aber das Lokal ist streng genommen das Konsulat für eine Küchenkultur-Nation, die auf dem europäischen Festland bisher eher zu den Schurkenstaaten gezählt wurde.

Dabei gehört die mexikanische Küche zum Besten, was der amerikanische Kontinent zu bieten hat. Was nicht zuletzt damit zu tun hat, dass es auf der mexikanischen Halbinsel schon Hochkulturen gab, als man im Rest der Welt noch gar nicht wusste, dass hinter der portugiesischen Küste gar nicht Indien liegt.

Für das pöbelhafte Image der mexikanischen Küche gibt es einen Grund, und da verhält es sich ungefähr so wie bei der deutschen Küche, die im Ausland als eine Mischung aus Schweinefleischbarbarei und Bierhumpenkult angesehen wird. Man reduziert beide Küchen gerne auf einen einzigen Ort, an dem sich vor langer Zeit einmal die Grundlagen der jeweiligen Esskultur formierten, der aber heute längst zum folkloristischen Wahnbild verkommen ist. Für die deutsche Küche ist es das Hofbräuhaus. Für die mexikanische Küche ist das die Plaza Garibaldi in der mexikanischen Hauptstadt.

Dort kann man in der Kakophonie konkurrierender Mariachi-Kapellen einen herrlichen Abend mit derber Kost, zu viel Tequila und anschließendem Sodbrennen verbringen. An diesem Vorbild orientieren sich vor allem im Ausland unzählige mexikanische Lokale, die auf eine Kundschaft abzielen, die nicht nur etwas essen, sondern auch etwas erleben will.

Welche Qualität im Milagros angestrebt wird, ahnt man eigentlich nicht einmal, wenn man in dem L-förmigen Lokal schon an seinem Tisch sitzt. Vielleicht sollte man der deutschen Gastgewerbe-Innung doch mal den Hinweis geben, dass Keramikkacheln und Fliesenböden in unseren Breitengraden weder elegant noch freundlich wirken. Was in mediterranen oder tropischen Ländern den verschwitzten Gast mit gastlicher Kühle empfängt, wirkt bei uns so kalt und unbelebt wie der "Fasan" aus der Vorabendserie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Auch wenn die Kacheln direkt aus Mexiko importiert wurden, wie im Milagros.

Das aber tut dem Versuch keinen Abbruch, eine mexikanische Küche in die Münchner Innenstadt zu bringen, die im Zusammenspiel zwischen dem mexikanischen Mutterland und den Grenzstaaten der südlichen USA eine Raffinesse und geschmackliche Eigenständigkeit entwickelt hat, die einer Kulturnation wie Mexiko gerecht wird. Denn zwischen den beruhigenden Stärke-Qualitäten von Mais, Bohnen und Avocado und dem Feuerwerk der Aromen von Koriander, Zitrus und Chilipfeffern entsteht eine Spannung, die man in Europa nicht findet.

Das beginnt schon bei den Vorspeisen. Es mag einen Alpenländer beunruhigen, rohe Schalentiere nur mit ein paar Spritzern Limettensaft zu garen, doch das Ceviche de Camarónes (9,90 Euro) kann es im Milagros trotz der großen Distanz zum Meer in seiner Balance aus Frische und Aroma durchaus mit Küstenstädten aufnehmen. Von bester Konsistenz und Frische ist auch die obligatorische Guacamole mit den geschmacklich perfekt neutralen Maistortillachips (7,90 Euro).

Bei den Hauptspeisen sollte man sich beim ersten Besuch durchaus an die Klassiker der mexikanischen Volksküche halten, also an die Teigfladen, egal ob Taco, Enchilada oder Burrito. Die drei Tacos mit Steak Arrachera, das 24 Stunden in Limettensaft und Kreuzkümmel mariniert wurde (9,90 Euro), ließen sich mit den Beilagen zu einem authentischen Gericht kombinieren. Die Enchiladas Verde, die Maistortillas, die mit Hähnchen, Krautsalat, Käse und grüner Soße gefüllt sind (9,90 Euro), stehen allerdings exemplarisch für ein Problem, das sich auf Anfrage beim äußerst freundlichen und kundigen Personal beheben lässt.

Das Feuerwerk der Aromen wird im Milagros eben doch für die empfindlichen Gaumen gedämpft, die in einem Land sozialisiert wurden, in dem man Salz und Maggie noch bis vor wenigen Jahrzehnten als essenzielle Würzmethoden betrachtete. Wer aber rechtzeitig darum bittet, Schärfe und Würze doch bitte etwas aufzudrehen, der bekommt im Milagros Einblick in eine Küchenhochkultur, die in unseren Breiten bisher zu Unrecht zu kurz kam.

Impressionen aus dem Milagros

Küche einer Hochkultur

Milagros, Frauenstraße 9, 80469 München, Telefon 23 23 87 29 29, www.milagros-restaurant.de, geöffnet Sonntag bis Mittwoch von 11 bis 23 Uhr, Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 1 Uhr