Naturschutz Verschmutzt der Abrieb von Autoreifen die Isar?

Von den Straßen nahe der Isar soll Mikroplastik aus Autoreifen das Gewässer verschmutzen.

(Foto: Florian Peljak)
  • ​Autoreifen seien wahre Mikroplastikschleudern, teilt die Stadtratsfraktion der Grünen mit.
  • Sie fordert deswegen Untersuchungen, inwieweit der Reifenabrieb von Autos Schuld an der hohen Konzentration von Mikroplastik in der Isar ist.
  • Laut einer Studie steigt die Menge um das Zehnfache an, sobald der Fluss durch München fließt.
Von Thomas Anlauf

Der hohe Anteil an Mikroplastik in der Isar flussabwärts von München ruft nun den Stadtrat auf den Plan. Die Stadtratsfraktion der Grünen fordert Untersuchungen, in wie weit der Reifenabrieb von Autos insbesondere auf den Isarbrücken Schuld an den zahlreichen Kleinstpartikeln im Fluss ist.

Denn "Autoreifen sind wahre Mikroplastikschleudern", heißt es in der Anfrage vom Mittwoch. Eine der Ursachen für den massiven Anstieg der Konzentration von Mikroplastik in der Isar sei deshalb im Straßenverkehr zu suchen. Laut einer Studie der Universität Bayreuth verzehnfacht sich die Menge an Mikroplastik zwischen den zwei Messstellen in Baierbrunn und Moosburg flussabwärts.

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Die Grünen fragen deshalb, ob der Reifenabrieb in den Kläranlagen herausgefiltert werden könnte und bei wie vielen Isarbrücken in München das Abwasser der Straßen direkt in die Isar oder ihre Nebenarme fließt. Zudem gebe es mittlerweile Filtersysteme, die den Reifenabrieb bereits in den Gullys vom Schmutzwasser trennen.

Die Grünen fragen deshalb die Stadtverwaltung, ob das System in München bereits geprüft wurde. Das Mikroplastik habe schließlich "weitreichende Folgen für Mensch und Umwelt", so Grünen-Stadtrat Hep Monatzeder.

Tiere im Fluss schlucken die Kleinstpartikel und können ihre Organismen schwer schädigen, zudem gelangen die Partikel über gefangene Fische auch in die menschliche Nahrungskette und können Krankheiten auslösen, haben Wissenschaftler bereits nachgewiesen. "Es ist daher sinnvoll und notwendig, größere Anstrengungen zur Filterung unserer Straßenabwässer von Mikroplastikpartikeln zu unternehmen", sagt Stadtrat Monatzeder.

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