bedeckt München 13°

Mietschulden:Fitness-Club "Balance" ist insolvent - Kundinnen haben Angst um ihr Geld

Die Generation Streaming und der Sport

Noch im Oktober zahlten Mitglieder ihren Jahresbeitrag von etwa 800 Euro - jetzt ist das Fitnessstudio "Balance" insolvent.

(Foto: dpa)
  • Das Frauen-Fitnessstudio "Balance" in Neuhausen ist insolvent.
  • Viele der etwa 1000 Kundinnen hatten noch im Oktober teils Jahresbeiträge bis zu 800 Euro überwiesen und fühlen sich betrogen.
  • Der Betreiber wollte mit einem Verkauf des Studios Mietschulden begleichen. Einer der Vermieter habe jedoch dann die Geduld verloren.

Von Tom Soyer

Nach 23 Jahren Betrieb hat das Frauen-Fitness-Studio "Balance" in Neuhausen ein abruptes Ende gefunden: Betreiber Ralf Eisenbarth bleibt nur der Gang in die Insolvenz.

Viele der etwa 1000 Kundinnen hatten noch im Oktober teils Jahresbeiträge bis zu 800 Euro überwiesen, sprechen offen von Betrug auf der Facebook-Seite des Studios und stehen seit Tagen vor verschlossenen Türen in der Thorwaldsenstraße 31: "Aufgrund einer aktuellen Krisensituation bleibt das Studio vorübergehend geschlossen", heißt es auf der Homepage, ähnlich steht es auf dem Zettel an der Türe.

Nur wurde aus einer "vorübergehenden" Krise inzwischen ein definitives Aus, wie Eisenbarth der SZ im Gespräch am Sonntag erläuterte: Er sieht im Ausscheren eines seiner zwei Vermieter aus einer Krisenvereinbarung den Auslöser für das Ende, an das er auch aufgrund anwaltlicher Verabredungen mit seinen Vermietern bis vor wenigen Tagen noch fest geglaubt hatte.

"Ich verstehe, dass ich in die Schusslinie gerate, die Mitglieder brauchen einen Schuldigen", sagt Eisenbarth, und auch seine Mitarbeiter seien natürlich tief enttäuscht und teils schwer getroffen. Dennoch sieht er sich auch selbst als Opfer: Er wollte sein Studio zum 31. Januar verkaufen, hatte nach eigenen Angaben vier konkrete Interessenten, auch bereits ein Maklergutachten fürs "Balance" - und ein Stillhalte-Abkommen mit den Vermietern, denen er offenbar sehr viel Geld für die Miete schuldet.

Es habe gut ausgesehen, diese Schulden mit dem Verkaufserlös zu begleichen, für den der Kundinnenstamm das Wertvolle gewesen wäre, nicht der Gerätepark. Das Maklergutachten zugrunde gelegt, hätte Eisenbarth nach seiner Rechnung etwa die Hälfte des Verkaufserlöses aufwenden müssen, um seine Mietschulden zu tilgen. Einer der zwei Vermieter, so schildert Eisenbarth weiter, habe plötzlich nicht mehr mitgemacht und bei Eisenbarths Bank "interveniert", also: den Mietrückstand gemeldet. Die Bank habe ihm daraufhin seine Kreditlinie per sofort gekündigt und ihm überraschend jeglichen Geschäftsbetrieb unmöglich gemacht.

"Balance" wurde geschlossen, ebenso ein integrierter Kinderhort dort, den zuletzt rund 30 Kinder besucht hatten, Kundinnen machten die Situation publik und wechselten zu anderen Fitnessklubs - und Eisenbarth sieht sich um die Chance auf einen Studio-Verkauf gebracht. Und um die Chance, seine Mietschulden und ausstehende Gehälter bei drei fest angestellten Mitarbeitern und rund 40 freiberuflichen Trainern zu begleichen. Er will eine Schadenersatzklage anstrengen.

© SZ vom 12.12.2016 / soy/ebri/bhi

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite