Mietmarkt Wohnen ist in München mittlerweile doppelt so teuer wie vor 20 Jahren

SZ-Grafik; Quellen: Stadtwerke München,Referat für Stadtplanung und Bauordnung.

  • Während die Mieten in München sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt haben, blieben die Nebenkosten zuletzt stabil.
  • Gegen die Preisexplosion bei den Kalt-Mieten gibt es bisher kein wirksames Mittel.
Von Heiner Effern

Die Mieten in München haben sich in den vergangenen 20 Jahren nahezu verdoppelt. Für eine Drei-Zimmer-Wohnung mit einer Größe von 70 Quadratmetern zahlte man 1996 in einem Altbau ohne Nebenkosten durchschnittlich 608 Euro. Aktuell verlangen Eigentümer dafür kalt 1113 Euro. Das geht aus einem Bericht der Münchner Stadtverwaltung hervor, der am Mittwoch in der Vollversammlung des Stadtrats vorgelegt wird.

Beim Abwasser zahlen Mieter seit 1997 den gleichen Preis

Bei den Nebenkosten gibt es zwei Trends: Im Vergleich zu den vergangenen Jahren stagnieren die Kosten mehr oder weniger. Geht man bis 1996 zurück, sind auch hier enorme Anstiege zu verzeichnen: Mieter zahlen momentan zum Beispiel für Wasser 72 Prozent mehr als noch vor 20 Jahren. Beim Strom muss ein Drei-Personen-Haushalt laut den Tarifen der Stadtwerke heute die Hälfte mehr drauflegen im Vergleich zu 1996.

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Gerade die jüngst stabilen Preise für die Nebenkosten bewertet CSU-Stadtrat Marian Offman aber als "erfreuliche Botschaft" des städtischen Berichts, der auf seine Initiative hin jährlich erstellt wird. Ziel der Übersicht sei möglichst hohe Transparenz bei den Nebenkosten, sagt Offman. Diese solle dafür sorgen, dass die Kosten tendenziell eher sänken oder stagnierten anstatt unkontrolliert weiter zu wachsen. Das gelte insbesondere für die Bereiche, die in der Hoheit der Stadt lägen.

Das beste Beispiel für eine mieterfreundliche Preisgestaltung sind die Abwasser-Gebühren. Mieter zahlen in München seit 1997 den gleichen Preis, obwohl die Stadt in dieser Zeit etwa eine Milliarde Euro in ihr Kanalsystem investiert hat. Die Gebühren für den Hausmüll verdoppelten sich zwar im schlechtesten Fall zwischen 1992 und 2006. Für eine 120 Liter-Tonne etwa zahlte ein Haushalt zu Beginn dieser Periode 188 Euro, am Ende dann 387 Euro.

In den vergangenen zehn Jahren wurde die Müllentsorgung aber in vielen Bereichen sogar wieder günstiger. Für die 120-Liter-Tonne zahlen Mieter bei wöchentlicher Leerung heute 298 Euro. Darin eingerechnet ist schon die Gebührenerhöhung um gut vier Prozent vom Jahr 2016 an.

SZ-Grafik; Quellen: Stadtwerke München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung.

(Foto: )

Die Grundsteuer des Eigentümers, die in der Regel auf die Mieter umgelegt wird, stieg von 1993 bis 2010 um ein Drittel. Seit sechs Jahren ist der Hebesatz nicht mehr angehoben worden. Damit liege München im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten immer noch "unter dem Durchschnitt", heißt es im Bericht.

Hoffnung auf ein neues Bundesgesetz gegen Preisexplosion

Eine Verdoppelung der Kosten ist dagegen bei der Fernwärme zu verzeichnen. Im Jahr 1996 betrug der Preis für eine Megawattstunde noch 43 Euro. Zum Jahresende 2015 wurden dafür 90 Euro berechnet. Allerdings mussten Mieter auch dafür schon einmal mehr bezahlen. Im Jahr 2008 betrug der Preis bereits einmal 97 Euro.

Kein wirksames Mittel gibt es bisher für die Preisexplosion bei den Kalt-Mieten. Deren knappe Verdoppelung in den vergangenen 20 Jahren gilt für neue Wohnungen ebenso wie für Nachkriegsgebäude und Altbauten. Offman und seine Stadtratskollegin Beatrix Zurek (SPD), zugleich auch Vorsitzende des Münchner Mietervereins, hoffen nun auf ein neues Bundesgesetz.

Das soll die Preise begrenzen, indem der für Erhöhungen relevante Mietspiegel anders berechnet wird. Die Richtung passe grundsätzlich, sagt Zurek, auch wenn der bisherige Entwurf nur "ein kleiner Schritt" sei.

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