MietenDie ungewöhnlichsten Dienstwohnungen Münchens

Die einen Münchner wohnen im Tierpark, andere direkt neben dem Olympiaturm - und eine Wohnung im fünften Stock des Rathauses wollte einfach niemand haben.

Mit Löwen als Nachbarn

Den schönsten Garten Münchens hat Sabine Eitel - zumindest sagt sie das selbst über ihr Zuhause. Seit 22 Jahren lebt Eitel, eine schlanke Frau Ende 40, im Tierpark Hellabrunn - mit Löwen, Giraffen, einigen Kollegen und ihrem Chef als Nachbarn. Geplant war das nie. Eigentlich hatte sie eine Lehre in einer Bank gemacht. Aber den ganzen Tag im Büro sitzen - auf Dauer konnte sich Eitel damit nicht so recht anfreunden und begann eine neue Ausbildung als Zootierpflegerin. Um Löwen und Elefanten kümmert sie sich aber nicht, Eitel ist für die Haustiere zuständig, also Pony, Ziege, Kaninchen, oder Schwein.

1994 zog sie mit Mitte 20 in den Tierpark. Damals lag ihre Wohnung in einem kleinen Häuschen, mitten im Zoo zwischen Antilopen- und Giraffengehege, in der Nähe der Isar. Aber irgendwann wurde das Gebäude zu alt und zu baufällig - Eitel musste umziehen. Und zwar "zurück in die Zivilisation", wie sie sagt. Ihre Wohnung befindet sich in der Nähe des Flamingo-Eingangs, dort wo auch die Zooverwaltung ist. "Jetzt sehe ich leider deutlich mehr Zweibeiner", meint Eitel. Es klingt nicht so, als würde sie sich sonderlich darüber freuen.

Die Tiere liegen ihr ehrlich am Herzen, das merkt man gleich. Im Sommer, nach Feierabend, wenn schon längst alle Besucher draußen sind, spaziert sie immer noch einmal durch den Zoo und schaut nach dem Rechten. Wenn die Nacht lau und alles ruhig ist, genießt die 48-Jährige diese Rundgänge. Aber natürlich ist ein Leben im Zoo nicht immer so angenehm. Eitel ist auch zur Stelle, wenn es draußen stürmt, wenn die Tiere eine Kolik haben oder Junge gebären. Dafür steht sie manchmal mitten in der Nacht auf. Verpflichtet wäre Eitel dazu eigentlich nicht. "Aber ich fühle mich eben für meine Tiere verantwortlich", sagt sie.

Bis zur Rente möchte Eitel auf jeden Fall in Hellabrunn wohnen. "Wichtig ist nur, dass man sich nach Feierabend auch um sein eigenes Leben kümmert." In ihrem Fall heißt das aber wieder Stall ausmisten - von ihrem Pferd.

Bild: Catherina Hess 9. Januar 2017, 13:532017-01-09 13:53:21 © SZ.de/jey