Miete in München:Es gibt in München aber auch immer wieder Wohnungssuchen mit gutem Ende

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Wer den Zetteln nachspürt, die in ganz München, vor allem aber in der Innenstadt hängen, stellt fest, dass vor allem junge Leute per Aushang suchen. Dass sie eher gewisse Ansprüche haben als eine akute Not. Dass sie eher gut verdienen. Oft sucht da ein "solides Akademikerehepaar", häufig versprechen die Suchenden eine Belohnung; wie auf einem Kopfgeld-Plakat locken 300 Euro, 1000 Euro oder sogar 2000 Euro. So weit ist es schon gekommen.

Da ist aber auch der junge Vater, der für sich und seinen Sohn sucht, in Schwabing oder der Maxvorstadt, "um weiterhin den Alltag mit der Mutter gestalten zu können". Eine Kinderzeichnung auf dem Zettel zeigt, wie das künftige Heim aussehen könnte: grün, mit einer blauen Tür. Da ist der Mann, dessen Gesuch in der Nähe der Kammerspiele hängt, mit Bild sogar: "Schauspieler sucht Zimmer zwecks Rückkehr nach München." Hier habe er vor vielen Jahren studiert und am Residenztheater seinen ersten Job gehabt, erfährt man von ihm. Er ist jetzt Mitte 50, will seiner Karriere noch mal einen Schub geben, weiß aber nicht, ob er sich München leisten kann. Auf den Zettel hat sich niemand gemeldet.

Und da ist noch das Paar um die 60. "Ruhig, fleißig, kinderlos, Nichtraucher, diskret, seit Jahren im sozialen Bereich engagiert, sucht kleines Haus zum Kauf oder Wohnung. Bei gegenseitiger Sympathie gerne mit Familienanschluss und Unterstützung." Sie könnten sich für die Zukunft ein alternatives Wohnmodell vorstellen, erklärt die Frau am Telefon, auch weil sie etwas Barrierefreies suchten. Vielleicht gebe es ja eine ältere Dame oder einen älteren Herrn, die gerne ihr Haus teilen wollten und im Gegenzug über Hilfe im Alltag dankbar wären. Sie hofft.

Neben all den Geschichten von Menschen, die hoffen, die umziehen wegen der hohen Miete, die trotz Anspruchs keine Sozialwohnung bekommen, gibt es in München aber auch immer noch die Geschichten mit gutem Ende. Und wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass die Geschichte in diesem Fall nicht in Haidhausen spielt. Sondern in Sendling. Leonie Schwaiger, 26, hat sich von ihrem Freund getrennt und eine neue Bleibe gesucht. Auf ihrem Zettel stand: "Gesichertes Einkommen, Festanstellung, spiele keine Instrumente."

Leonie Schwaiger arbeitet im Marketing; sie begann im Dezember zu suchen, "Hobbys braucht man dann keine mehr". Sie stand in sehr kleinen Wohnungen und in sehr teuren, manchmal ging die Schlange bis auf die Straße, manchmal war sie die einzige im Raum. Sie wurde oft eingeladen, bekam die Wohnung aber nie. Bis zum Februar. Schwaiger zieht gerade in die neue Wohnung ein, sie hat sie nicht über ihre Zettel gefunden, sondern über Ebay-Kleinanzeigen. 50 Quadratmeter, bezahlbar, mit Balkon und Keller. Die Vormieter hatten keine Lust auf ein großes Casting, es gab nur wenige Interessenten. Warum sie ausgerechnet diesmal die Wohnung bekommen habe? "Vielleicht", sagt Schwaiger, "hatte ich endlich mal Glück". Das nämlich gibt es auch noch in München.

Wohnen in München
Online-/Digital-Grafik

In keiner anderen deutschen Stadt sind die Preise auf dem Wohnungsmarkt so expoldiert wie in München. Allein in den vergangenen zehn Jahren gab es einen Anstieg um etwa 40 Prozent.

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