Ein introvertierter Virtuose scheint ein Widerspruch in sich selbst zu sein. Doch Michiaki Ueno, Jahrgang 1995, Schüler von grandiosen Cellomeistern wie etwa Pieter Wispelwey in Düsseldorf und Gary Hoffman in Brüssel ist ein imponierender, technisch brillanter Cellist mit Sonorität in den tiefen Registern, einer beredten Mittellage und Möglichkeiten in der Höhe, die vom zartesten Hauch bis zu gellender Expression reichen.
Wahrlich ein furioser Cellovirtuose, den man im kleinen, doch nicht ausverkauften Johannissaal in Schloss Nymphenburg mit zwei Suiten von Johann Sebastian Bach und drei Stücken neuer japanischer Komponisten erleben konnte. Ueno hat unter anderem den renommierten ersten Preis beim internationalen Wettbewerb in Genf gewonnen. Dennoch wirkt Ueno beim Spiel manchmal so, als verstecke er sich hinter seinem dichten Lockenschopf und tauche in die Musik so ein, als sei er allein mit sich und seinem Instrument.
Ein Wort zu dem außergewöhnlichen Violoncello, das Antonio Stradivari um 1730 fertigstellte und das den wohl erlauchtesten Namen der Cellowelt trägt: Emanuel Feuermann, der es in den letzten vier Jahren seines Lebens spielte. Heute gehört es der Nippon Foundation, die es immer wieder Hochbegabungen zur Verfügung stellt, darunter Steven Isserlis. Nun darf Ueno für drei Jahre darauf spielen.
Die erste und dritte Bach-Suite gelangen in beweglicher Klangrede, insgesamt ein wenig beiläufig vorüberziehend. Dafür zeigte Ueno bei Toshiro Mayuzumis „Bunraku“, Teizo Matsumuras „Air of Prayers“ und bei Madoka Moris „Phoenix“, welche Lust und Neugier er für Klangsensationen entwickeln kann vom zarten Naturbild bis zu heftigen Ausbrüchen. „Bunraku“ verlangt ausgesuchte Pizzikato-Künste, „Air of Prayers“ entfaltet sich von einer kurzen, immer wiederkehrenden Grundfigur zu intensiven Expressionen, „Phoenix“ beginnt mit Fußaufstampfen und wird zum Drama in allen Cellolagen und -techniken bis zur Herabstimmung der C-Saite am Schluss. Als stille Zugabe ein japanisches Lied. Übrigens ist gerade eine CD mit Solocellomusik aus Japan mit Ueno erschienen (ladolcevolta).

