Nach mehr als 40 Jahren mit Vorträgen, Filmen und Bild-Bänden für Erwachsene hielt der Reise-Fotograf und „Fernwehmacher“ Michael Martin, 61, die Zeit gekommen für sein erstes Kinder-Sachbuch. „Meine Enkelkinder sind jetzt drei und ein Jahr alt, da dachte ich mir, das ist der richtige Moment, die Erde auch für Kinder zu erklären“.
In „Unsere wundervolle Erde“ nimmt er die jungen Leser und Leserinnen ab neun Jahren mit auf eine Weltreise vom Nordpol zum Südpol. Das Abenteuer beginnt in der Arktis, führt nach Sibirien, in die Mongolei, wird fortgesetzt im Himalaya, auf der Arabischen Halbinsel und in Afrika. Er selbst ist gerade aus dem Pantanal zurückgekehrt, dem größten Feuchtgebiet der Erde im Süden Brasiliens.
Genau rechtzeitig, um sein neues Buch in einer kostenfreien, kindgerechten Veranstaltung im Staatlichen Museum für Ägyptische Kunst vorzustellen: Das Publikum wird von ihm erfahren, was es mit den mongolischen Ziegen, dem Vulkan in der Wüste Äthiopiens, im großen afrikanischen Grabenbruch und dem Eisbär auf sich hat. „Anhand dieser Beispiele erläutere ich Themen wie Klimawandel und Nachhaltigkeit, im Grunde hängt da ja alles mit allem zusammen“, sagt Martin, der ursprünglich in München Geografie studiert hat.
Wie veranschaulicht er diese komplexen Zusammenhänge? „Ich erzähle beispielsweise von einem mongolischen Ziegenhirten, der für ein Kilo Kaschmirhaare 30 Euro bekommt. Auf der Maximilianstraße in München zahlen dann Mama oder Papa 800 Euro für einen Kaschmirpullover – ist das gerecht?“, führt Martin sich und den kindlichen Lesern vor Augen. „Vor allem, wenn man bedenkt, dass eine Ziege im Jahr 150 Gramm Haare gibt, also alleine sieben Ziegen vonnöten sind, um auf ein Kilo Haare zu kommen“, sagt Martin. Wo das Geld dazwischen „hängen bleibt“ sei die Frage, ergänzt der Natur-Fotograf. Denn der Hirte erhalte keine Rentenzahlung und habe auch keine Absicherung für den Fall, dass er oder seine Tiere krank würden.

Auch die Eisbären sind für Martin „alles andere als niedlich“, wie er sagt. Anhand der Veränderung ihrer Lebensumstände erläutert er, was aktuell in der Arktis passiert: „Der Lebensraum der Eisbären ist das Treibeis, denn hier tauchen in den Rissen und Atemlöchern in der Eisdecke immer wieder Robben, ihre Leibspeise, zum Luftholen auf. Doch das Treibeis wird in den vergangenen Jahren immer kürzer und dünner“.
Warum es in der Arktis so kalt ist, kommt natürlich auch zur Sprache: „Dort schlug vor mehr als vier Milliarden Jahren der Asteroid „Theia“ ein und ließ unseren noch jungen Planeten kippen“. Die so entstandene Neigung der Erdachse um 23,5 Grad führte zu extremen Lichtverhältnissen in den beiden Polarregionen, „deshalb gibt es den Polartag und die Polarnacht“, sagt Martin.
Die Erde sei „einzigartig und fragil“, konstatiert Martin. Deshalb wolle er dieses „Erdsystem unbedingt auch für Kinder begreiflich machen“. Um dieses Ziel zu erreichen, kann er auf reichhaltiges Material zugreifen: Von seinen Reisen lägen ihm hunderttausende Bilder vor, dazu schöpfe er aus einem Riesen-Fundus an Geschichten, sagt Martin. Auf den ersten Band mit 400 Bildern sowie Illustrationen von Kurz Shortriver, der am 9. Oktober im Loewe-Verlag erscheint, soll im nächsten Jahr ein zweiter folgen.
Für alle Erwachsenen schon jetzt der Hinweis: Am 6. Januar wird Martin mit seinen Multivisionsvorträgen in der Alten Kongresshalle zu Gast sein.
Unsere wundervolle Erde, Buchvorstellung mit Michael Martin, Mittwoch, 11. September, 16 Uhr, Staatliches Museum für Ägyptische Kunst, Eintritt frei mit Ticket

