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Michael Herbig: Neues Museum:Bully in der Badewanne

Michael Herbig hat, was nicht einmal Charlie Chaplin vergönnt war: schon zu Lebzeiten ein Museum über sich selbst. Am Dienstag öffnet das "Bullyversum" - doch es gibt Exponate, die will der Komiker seinen Fans nicht zeigen.

Alles nur Unterhaltung, sagt Michael "Bully" Herbig, und so hat er sich auch gekleidet. Es ist Samstag, gerade eröffnet er ein Museum über sich selbst, aber Herbig trägt nur Jeans, ein weiß und blau kariertes Hemd und auf dem Kopf eine Schiebermütze. Ein eigenes Museum zu Lebzeiten, das haben weder Stan Laurel und Oliver Hardy geschafft noch Charlie Chaplin. Karl Valentin war bereits elf Jahre tot, als 1959 das "Musäum" im Isartor öffnete. Vicco von Bülow ist 87, und ein Loriot-Museum gibt es immer noch nicht. Michael Bully Herbig ist 43, nicht einmal halb so alt, doch sein "Bullyversum" steht in der Bavaria Filmstadt, und er hat es auch noch selbst gestaltet.

Viele technische Spielereien, Reminiszenzen an "Der Schuh des Manitu", den erfolgreichsten Film der deutschen Kinogeschichte, und ein Nachbau von Herbigs Kinderzimmer: Das "Bullyversum" bietet einen umfassenden Überblick über das Schaffen des Komikers, der per Wachsfigur verewigt ist.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Das alles ist erst einmal ein Kompliment", sagt Herbig, dann macht er ein paar Witze. Im Grunde sei doch alles ein Riesenspaß. Schon die Idee zum "Bullyversum" sei eher beiläufig entstanden, beim Ausmisten alter Requisiten, er könne ja nichts wegwerfen, und das Lager sei zu klein geworden. Deswegen gibt es jetzt auf 1500 Quadratmetern und zwei Etagen zu sehen, was Herbig alles aufgehoben hat: etwa den Cordanzug, den er als "Bayern Cop" trug, die Strahlenschutz-Unterhose aus dem Film "(T)Raumschiff Surprise" oder den Klappstuhl der Schoschonen aus "Der Schuh des Manitu", dazu Kostüme, Drehbücher, Modelle, seine Auszeichnungen - und viele private Erinnerungsstücke, allerdings nur, wenn sie ihm nicht zu peinlich sind.

Zu peinlich ist ihm etwa eine alte Tonbandaufnahme, auf der man den kleinen Bully hört, bevor er in den Stimmbruch kommt. Die gebe es vielleicht in zehn Jahren zu hören, sagt Herbig. Jetzt schon zu sehen sind dagegen seine sehr unvollständige Sammlung von Schlumpf-Figuren aus Überraschungseiern sowie alte Schulhefte, Fußball-Trikots und Fotografien: Bully in der Badewanne, mit Paul-Breitner-Perücke oder mit Zahnspange.

Insgesamt rund 300 Exponate hat er zusammengetragen. Und doch sind sie nur Beiwerk: Die Hauptattraktionen sind fünf Themeninseln wie die "Apachen Arena" oder das "Hui Buh Showkino": große, abgetrennte Räume in der von der Innenarchitektin Ushi Tamborriello gestalteten, mit rotem Samt ausgekleideten Halle. Sie sind Herbigs größten Erfolgen gewidmet und vollgestopft mit Unterhaltungselektronik.

Zur Eröffnung war zwar noch nicht alles funktionstüchtig, doch wenn an diesem Dienstag die ersten zahlenden Gäste ins "Bullyversum" kommen, sollen sie sich während einer 3D-Filmvorführung mit dem virtuellen Gespenst "Hui Buh" unterhalten können, sie sollen Filmszenen nachspielen oder neu synchronisieren können, mit einer interaktiven Geisterbahn fahren oder auch zu Filmmusik um die Wette tanzen.

Die Zielgruppe ist jung, die Mikrofone für die Synchronisation hängen auf Hüfthöhe, gemessen an Erwachsenenkörpern. Aber selbst die Exponate in den Schaukästen werden auf Knopfdruck von einem 3D-Bully auf Monitoren erklärt. So erzählt Herbig zum Beispiel, wie ihm zufällig die Idee zum Schoschonen-Klappstuhl kam, wie bequem die Strahlenschutz-Unterhose tatsächlich ist oder dass der alte Cordanzug so schmutzig war, dass er binnen Sekunden das Wasser eines Whirlpools braun färben konnte.

Wer das "Bullyversum" besuchen will, muss die große Tour durch die Bavaria Filmstadt buchen. Jene setzt große Hoffnungen auf Herbig. Die Halle fasst bis zu 3000 Besucher am Tag - zuletzt kamen während der Hochsaison im Durchschnitt rund 2000. Und die mehrere Millionen Euro teure Bully-Erlebniswelt ersetzt nach 22 Jahren eine der bekanntesten Attraktionen: die Stuntshow. Der Platz sei eben begrenzt, sagt Nico Rössler, der Leiter der Filmstadt. "Für jede neue Attraktion muss eine alte gehen."

Rössler und Michael Bully Herbig arbeiten schon seit Jahren zusammen. 2004 ließen sie "(T)Raumschiff Surprise"-Kulissen in die Filmstadt bringen, drei Jahre später eröffneten sie ein 4D-Rüttel-Kino zu Herbigs "Lissi und der wilde Kaiser". 2009 kamen Hütten und Drachenboot aus "Wickie und die starken Männer" - und jetzt, zum 30-jährigen Jubiläum der Filmstadt, das "Bullyversum". Und doch soll die Bavaria Filmstadt keineswegs zur Bully-Filmstadt werden, sagt Rössler. "Wir sind nicht nur an Bully interessiert."

Es führt aber auch kein Weg an ihm vorbei. 30 Millionen Menschen sahen Herbigs Filme im Kino. 2001 brachte es allein "Der Schuh des Manitu" auf 11,7 Millionen Zuschauer, er ist der erfolgreichste deutsche Film überhaupt. Die Wiege dieses Erfolgs lässt sich nun ebenfalls besichtigen. Hier steht ein Nachbau von Herbigs Kinderzimmer: mit Orgel, Fußball, Elvis-Postern und einer Autogrammkarte von "Winnetou" Pierre Brice im Regal. "Das zeigt, dass Träume in Erfüllung gehen können", sagt Herbig, der einst an der Filmhochschule abgelehnt wurde und sich dann mühsam hocharbeitete.

Im Kinderzimmer hängt auch ein Poster von Superman, es stammt aus der allerersten Bravo-Zeitschrift, die sich Herbig als Kind kaufte. Vor dem Zimmer hängt jetzt ein Poster von 2004. Er zeigt Michael "Bully" Herbig.