Im Triumvirat der seit Jahren sehr populären deutschen Puppenspieler-Comedians hat jeder seine Nische gefunden: René Marik ist der Unkonventionelle und Sprachspielerischste. Sascha Grammel ist der familienfreundliche Mann fürs Herz. Und Michael Hatzius ist der Böseste und Kabarettistischste von ihnen, wie er nun bei der München-Premiere seines neuen Programms „Echsklusiv“ im Lustspielhaus wieder bewies.
Seine Titel- und Leitfigur ist auch hier „Die Echse“ geblieben, wie er sie am Anfang seiner Karriere ausschließlich nannte. Ein präpotenter, großspuriger, Zigarre-rauchender, mitunter zynischer Charakter. Sozusagen ein alter, weißer Dinosaurier. Eine Antihelden-Rolle, die zwar sehr komisch, aber auch eingeschränkt ist. Hatzius ist klug genug, Gegengewichte zur Echse zu schaffen, und hat deshalb sein Figurenspektrum stets erweitert.
Die meisten kannte man schon aus den drei früheren Programmen. Die schnoddrige, sehr berlinerische Zecke etwa. Die Möhre, ein aggressiver Security-Mann. Das schüchterne Huhn, das sich erdreistet, mit einer eigenen Mini-Echse Witze zu erzählen und dafür von der Echse verspeist wird. Das Schweinepärchen Thorsten und Steffi, deren Szene einer toxischen Beziehung lustig, aber eigentlich auch sehr düster war.

Neu dazugekommen ist diesmal ein wokes Einhorn, das größten Wert aufs Gendern legt und sich deshalb natürlich mit der Zecke in die Haare bekommt. Und dann sind da noch die vielen gelben Entchen, die Hatzius zu Repräsentanten des Weltgeschehens umgestaltet hat, von Trump und Putin bis zum Reichsbürger, dem Bayer oder der Deutschen Bahn. Die Echse lässt sie dann wie im Kinderspiel aufeinander los – ein ebenso lustiger wie treffender Kommentar der anderen Art zur politischen Lage.
Es ist aber noch eine andere Qualität als die des virtuosen Puppenspielers, mit der Hatzius in diesem Programm zu bislang höchster Form aufläuft: die des interaktiven Improvisators mit dem Publikum. Mal geht er mit der Echse in den Saal hinunter, um „mein Publikum kennenzulernen“, mal holt er sich jemanden auf die Bühne. Und eine Tarot-Fragerunde – „bitte nur, was euch privat oder beruflich umtreibt“ – mit echter Seelsorge-Qualität schließt sich auch noch an. Selbst wenn die Echse dabei ein idealer Filter ist, weil sie aussprechen kann, was der Mensch Michael Hatzius nur schlecht könnte, ist es doch ein großes Risiko. Freilich waren nicht nur die Menschen und Fragen im Lustspielhaus ausnehmend interessant, Hatzius erwies sich auch als extrem schlagfertig. So gut, dass er damit wohl auch ein Programm ganz ohne Puppen machen könnte.

