Noch denken die meisten Kulturstätten darüber nach, wie sie die am vergangenen Freitag verkündeten neuen Corona-Regelungen umsetzen sollen. Neben der Einhaltung der 2-G-plus-Regel, die nur mehr Geimpften und Genesenen mit einem Test den Zugang erlaubt, dürfen nämlich von diesem Mittwoch an Kulturveranstaltungen nur mehr mit einer Auslastung von maximal 25 Prozent an Zuschauern stattfinden. Das Münchner Metropoltheater hat sich allerdings bereits entschlossen, den Spielbetrieb bis einschließlich 15.Dezember komplett einzustellen.
Die von der Staatsregierung verkündeten Maßnahmen habe man "mit einem gewissen Unverständnis bezüglich ihrer Zögerlichkeit" zur Kenntnis genommen, teilt das Theater mit. "Wir möchten auf Grund der dramatischen Zahlen und der nicht minder dramatischen und zugespitzten Lage in den Kliniken unserer Verantwortung und Pflicht als Bürger:innen sowie als Kulturstätte nachkommen und schnell und umfassend alles tun, um diese vierte Welle zu brechen." Jede Menschenversammlung, die nicht stattfinde, sei helfe, dieses Ziel ein bisschen schneller zu erreichen, Infektionen zu vermeiden und das Ärzte- und Pflegepersonal zu entlasten. "Es steht deshalb für uns außer Frage, dass wir bis 15.Dezember nicht spielen werden." Im Vertrauen auf das Verständnis des Publikums freue man sich auf eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs, sobald die Zahlen, die Situation in den Krankenhäusern und die allgemeine Pandemielage diese wieder guten Gewissens zuließen.
Ein Ensemble-Mitglied ist positiv auf das Corona-Virus getestet worden
Abgesagt worden ist auch die "Matthäus-Passion", die unter der Leitung von Sir Simon Rattle am Montag (22. November, 18 Uhr) in der Isarphilharmonie über die Bühne hätte gehen sollen. Allerdings nicht wegen der neuen Vorgaben, sondern weil ein Ensemble-Mitglied positiv auf das Corona-Virus getestet worden ist. Daher hat sich der Bayerische Rundfunk als Veranstalter entschlossen, das Konzert kurzfristig abzusagen. Kartenkäufer erhalten den Wert der ausgefallenen Konzerte zurück und werden darüber so bald wie möglich informiert.
Die neuen Corona-Verordnungen träfen die ohnehin schon angeschlagenen Theater und Veranstaltungsorte neuerlich hart, stellt der Verband Freie Darstellende Künste (Vfdkb) in einer Pressemitteilung fest. Eine Beschränkung auf 25 Prozent Auslastung der Theaterhäuser sei für die kleineren Veranstalter wirtschaftlich nicht tragbar. Das komme einer faktischen Schließung aller freien Theater- und Kulturorte gleich. "Eine solche Regelung darf nicht pauschal für alle Kulturveranstaltungen unabhängig von der Raumgröße gesetzt werden", fordert der Vfdkb und plädiert für spezielle Sitzordnungen wie zum Beispiel des Schachbrettmusters und sinnvolle Abstandsregeln. Dafür müsse aber eine mindestens 50-prozentige Auslastung möglich sein, schreibt der Verband, bekundet aber auch sein Verständnis für die Notwendigkeit, die Corona-Regeln zu verschärfen.
So wie es im Moment aussieht, klettern die Infektionszahlen ohnehin weiter. Dann erübrigt sich bald alles weitere Nachdenken. Denn bei einer Inzidenz von über 1000 wird alles zurückgefahren und die Kulturstätten wieder geschlossen.