Heavy-Metal-Stars in MünchenErste Eindrücke vom Metallica-Konzert im Olympiastadion

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Metallica-Mitglied James Hetfield rockt das Olympiastadion.
Metallica-Mitglied James Hetfield rockt das Olympiastadion. (Foto: Leonhard Simon)

Die kalifornischen Heavy-Metal-Schwergewichtsweltmeister „Metallica“ holen zum ersten Schlag ihres Doppel-Gastspiels mit zwei völlig verschiedenen Auftritten aus. Es sind die einzigen beiden Konzerte 2024 in Deutschland.

Kritik von Michael Zirnstein, Dirk Wagner

Schon die Essens- und Getränke-Stände samt Biergarten vor dem Olympiastadion geben dem ersten von zwei Metallica-Konzerten eine regelrechte Festival-Atmosphäre. Während im Stadion schon die zweite Band Architecs das Arena Publikum zu kleinen Moshpits animieren könnte, wo Fans in wachsenden Kreisen rennen, genießen draußen auf dem Olympiaberg die Schaulustigen die Münchner Abendsonne.

Das Publikum im Stadion erfreut sich derweil an der im Stadion mittig positionierten kreisrunden Bühne, die nicht nur einen größeren Snakepit in deren Mitte ermöglicht, sondern überhaupt alle Besucher ungewöhnlich nah der Bühne stehen und sitzen lässt. Trotzdem wird das Bühnengeschehen zusätzlich auf acht als Wassertürme gestalteten LED-Wänden gezeigt, die die Bühne rahmen.

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Dann endlich, kurz nach halb neun, erklingt AC/DCs „It s a long way to the top“. Die Stadionbesucher jubeln. Auf den Wasserturm-Leinwänden erscheint anschließend die für Metallica-Fans bekannteste Filmsequenz eines Western. Mit dieser Szene und dem dazugehörigen Filmscore aus „The Good, the Bad and the Ugly“ startet nämlich jedes Metallica-Konzert. Und auch heute singen Fans die berühmte Melodie von Ennio Morricone mit, als Metallica endlich die Bühne betritt.

Mit „Whiplash“ vom ersten Album „Kill ’Em All“ von 1983 tauchen sie gleich in die Anfänge ihrer persönlichen Rockgeschichte ein, zu der das neue aktuelle Album so gut passt wie schon lange keines ihrer späteren Alben mehr. Einem Wolfsrudel gleich umlaufen die Musiker ihre Fans im Snakepit. Weil sie aber das Spiel in ausverkauften Stadien gewöhnt sind, halten James Hetfield, Kirk Hammett und Robert Trujillo stets auch Blickkontakt zum restlichen Publikum im Stadion.

„For Whom The Bell Tolls“ gleich an zweiter Stelle gespielt, lässt alle Fans im Stadion euphorisch aufjubeln. Wem halt die Stunde schlägt - sollte diese es sein, es wäre eine der schönsten Stunden im Leben eines Rockfans. Lars Ulrich gibt am Schlagzeug dazu den Rhythmus, wobei auch das Drumkit über die Bühne wandert. So kommt auch jeder und jede in die Nähe des Drummers.

Sodann ist von Wölfen und Menschen („Of Wolf and man“) die Rede, und davon, dass die Erinnerung wiederkehrt („The memory Remains“). Mit „Lux aeterna“ kommt schließlich auch ein Song vom neuen Album. Und dann zählt Hetfield „Too far gone“ ein. Auf Deutsch: Eins, zwei, drei, vier. „Welcome to the Party“, sagt Robert, und spielt den Fans einen neuen Song namens „Hofbräuhaus Fuck Jam“. Oder war es doch nur „Fun Jam“? Ach nein, „Funk“ ist es! So klingt es auch, dieses gekonnte Duett von Gitarre und Bass eigens für München.

Es ist der erste Schlag vom Doppelwumms der Heavy-Metal-Stars aus San Francisco in München vor jeweils etwa 70000 Gästen. Metallica wollen auf ihrer „72 Seasons“-Welttour in 22 Städten jeweils zwei Konzerte mit völlig verschiedenen Songlisten und jeweils zwei frischen Vorgruppen spielen. Das hat Festival-Charakter. Viele der treuen Rock-Fans wollen an diesem Freitag und noch einmal am Sonntag ins Olympiastadion pilgern, zumal niemand weiß, an welchem Abend die großen Klassiker wie „Enter Sandman“, „Master of Puppets“ oder „Nothing Else Matter“ aus der 43-jährigen Band-Geschichte gespielt werden, wann der Titelsong des neue Albums „72 Seasons“ – und wann der eigene Lieblingssong.

Den Fans geht es um weit mehr als nur um die Konzerte. Die beiden einzigen Konzerte in Metallica-Konzerte in Deutschland in diesem Jahr bilden vielmehr den Rahmen für ein Klassen- oder Familientreffen der Superfans aus vielen Ländern in München. Schon seit Mittwoch gibt es einen Pop-up-Laden mit exklusivem Metallica-Devotionalien vom speziellen München-Shirt bis zur Germany-Edition der neuen Platte. Am Donnerstag starteten viele Rocker mit einem „Bierathlon“ – eine Mischung aus Dauerlaufen und -saufen – durch den Hirschgarten.

Am Ruhetag zwischen den Konzerten wird es auch nicht leise: Nachdem der Fan Club St. Germany Chapter am Samstagmorgen bei der Essensausgabe der Münchner Tafel an Bedürftige geholfen hat, trifft man sich zum großen „Metallica Weekend Bash“ mit Grillen, Party, Tribute-Konzert und Ehrengästen im Backstage-Club, in der ALten Kongresshalle gibt es eine Lesung mit Ross Halfin, Weggefährte und Fotograf der Band, und ein Metallica-Filmfest.

Am Sonntag können sich die von Nackenschmerzen geplagten Rockhörer bei einem „Headbanger-Workout“ auf die zweite Show vorbereiten.

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SZ PlusVon Bernd Kastner

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