Süddeutsche Zeitung

Messestadt Riem:Umstrittene Busspuren

An der Straße durch den fünften Bauabschnitt des neuen Quartiers sind Fahrstreifen für den Nahverkehr geplant. Den Grundstückseigentümern gefällt das gar nicht

Von Ilona Gerdom, Messestadt

"Jede Meinung ist willkommen", hieß es am Anfang der Bürgerveranstaltung zum fünften Bauabschnitt der Messestadt. Knapp zwei Stunden waren trotzdem nicht genug Zeit, um auf alle Anregungen einzugehen. Weil der städtebauliche und landschaftsplanerische Wettbewerb noch aussteht, gab es nur wenig Detailinformation. Deutlich wurde dennoch, dass es zwischen Grundstückseigentümern und Stadtverwaltung noch einiges auszuhandeln gibt. Beim Thema Mobilität sorgten zum Beispiel die geplante vierspurige Entlastungsstraße durch das Gebiet und mögliche Quartiersgaragen für Diskussionsstoff.

Bis zu 2500 Wohnungen sollen auf der Fläche zwischen Kirchtrudering und Messestadt entstehen. "Da wird für jeden Geldbeutel etwas dabei sein. Nur Luxuswohnungen werden da draußen garantiert nicht entstehen", versprach Reinhold Raster, einer der privaten Eigentümer und Geschäftsführer der Pandion Real Estate GmbH. Dass man zusammen ein "möglichst attraktives Quartier" schaffen wolle, da waren sich die anwesenden Vertreter aus Planungs- sowie Mobilitätsreferat (MOR) und der sechsköpfigen Eigentümergemeinschaft einig.

Anders sah es zum Beispiel bei der geplanten - und 2014 vom Stadtrat beschlossenen - Entlastungsstraße aus. Sie soll von der Straße Am Mitterfeld bis zum Rappenweg durch das Gebiet führen. Aktuell plant man mit einer Busspur pro Richtung. Dazu je eine Fahrbahn für den Individualverkehr plus Fahrrad- und Fußwege. Hier gab es Zweifel vonseiten der Eigentümer: Ob eine Straße, die breiter als eine Autobahn sei, wohl die Attraktivität steigere? Stephan Rosteck vom Mobilitätsreferat verwies "auf den klaren Auftrag, die Verkehrswende einzuleiten". Entsprechend müssten alle Möglichkeiten, den öffentlichen Nahverkehr zu stärken, geprüft werden.

Auch wie und wo man Parkplätze schaffen will, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geklärt. Die Verwaltung spricht sich für die Prüfung von Quartiersgaragen aus. Raster hingegen kritisierte: "Es soll eine Straße mit überregionalem Verkehr durch das Quartier führen, aber Eigentümer sollen nicht zu ihrem eigenen Haus fahren dürfen?" Auf den Verweis, dass man solche Parkhäuser vielleicht irgendwann zu Büros oder Wohnungen umbauen könnte, entgegnete er: "Reißen Sie's ab, bauen Sie's neu. Das ist billiger." Klimaneutral allerdings ist dieser Ansatz nicht.

Von den rund 70 Bürgerinnen und Bürgern, die den Livestream verfolgten, stellten einige Fragen im Chat. Die Antworten fielen aber meist vage aus. Im Moment sei "alles noch recht allgemein", so Rosteck. Ins Detail könne man erst später gehen. Zum Beispiel beim städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerb, der im Herbst beginnen soll. Danach wird das Bebauungsplanverfahren laut Planungsreferat wohl bis Mitte 2025 dauern. Form nehme das Quartier frühestens 2027 an.

Für die Bürger war die von der Eigentümergemeinschaft organisierte Veranstaltung nicht die letzte Möglichkeit, sich zu Wort zu melden. Bis Sonntag, 19. September, kann man unter www.ba5-im-dialog.de am Online-Dialog teilnehmen. Am Samstag, 25. September, soll ein Bürger-Workshop stattfinden.

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Quelle:
SZ vom 05.08.2021
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