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Messestadt Riem:Der Licht-Maler

Bei Kameramann-Legenden wie Jürgen Jürges und Regisseuren wie Wim Wenders hat der Fotograf Hugo Kroiss viel gelernt. Jetzt sind seine Arbeiten in der Kultur-Etage der Messestadt zu sehen

Volltreffer. Da hat die Lotterie des Lebens jemandem genau das richtige Los zugespielt: Schon als junger Mensch gewann der Schwabinger Kameramann, Filmemacher und Fotograf Hugo Kroiss auf einem Volksfest beim "Glückshafen" des Bayerischen Roten Kreuzes in seinem niederbayerischen Heimatort Garching an der Alz eine Kodak Instamatic. Er freut sich heute noch sichtlich über diesen besonderen Auftakt seiner Künstlerkarriere. Bilder machen, in Bildern denken, das wurde damals seine Leidenschaft. Wie man Fotos mit Menschen inszeniert, hatte Kroiss schon früh bei Familienfesten einer kreativen Tante abgeschaut: "Das hat mich inspiriert", sagt er lächelnd. Heute ist der stille 54-Jährige ein mit Kameratechnik versierter Fachmann mit einem geschulten Auge für Motive, der schon mit großen Regisseuren gearbeitet hat, und ein guter Beobachter mit einem Sinn für tiefgründige Themen und Geschichten.

In die Wiege gelegt war ihm das nicht: Hugo Kroiss hatte nach der Realschule eine Ausbildung zum Schmelzschweißer gemacht. Mit 18 aber reiste er mit einem Freund nach New York, "eigentlich nur, um Urlaub zu machen". Doch er blieb, baute Bilderrahmen für die Künstlerin Marian Nowak. Bald hatte er das Geld zusammen für eine Canon-Kamera, "damals natürlich noch analog. Gekauft an der Lower East Side": Er strahlt. Ein ganzes Jahr stromerte er durch die Stadt, fotografierte auf den Straßen, am liebsten "maßlose Leere", Szenen ohne Menschen. Die Abzüge machte er bald selbst im eigenen Labor: "Das war super, viel organischer als heute."

Hugo Kroiss

Spielende Kinder in Tijuana, Mexiko.

(Foto: Hugo Kroiss/oh)

Das Medium hatte ihn gepackt, er wollte lernen, alles gleich anwenden. Berlin, London, München, überall fand er Assistentenstellen oder Praktika, bei Modefotografen oder einem Kameraverleih, mit 22 wurde er Kameraassistent beim Spielfilm: "Berlin. Ein Film mit Mike Krüger und Didi Hallervorden", erinnert er sich an seine Anfänge am Set. In Jugoslawien ("Das hieß damals noch so.") macht er mit Igor Luther, dem Mann, der auch bei der "Blechtrommel" hinter der Kamera stand, einen Film über Franz Ferdinand, den ermordeten österreichischen Erzherzog. "Ich habe viele Kameraleute kennengelernt", sagt Kroiss. Und von jedem hat er gelernt, von Jürgen Jürges etwa, der mit Wim Wenders arbeitete. Kroiss fasst Fuß in dem Metier, immer mehr wird ihm zugetraut. "Die unendliche Geschichte 2" etwa steht auf seiner Liste, auch arbeitet er mit Schlöndorff und Wenders. Dank eines Empfehlungsschreibens des amerikanischen Fotografen und Kameramanns Ed Lachman bekommt er nach der Assistentenzeit ein Stipendium des AFI (American Film Institute), lernt in Los Angeles alles über Cinematografie, über Kameratechnik und Kameraführung.

Große Namen gehören auch weiterhin zu seiner Biografie, er macht etwa mit Jeff Wall einen Film über Mode in Mailand. Hugo Kroiss zählt das alles eher auf, als dass er es begeistert und effekthascherisch ausschmückt. "Vieles hat sich halt ergeben", sagt er bescheiden. Und das Filmbusiness habe neben den Licht- auch viele Schattenseiten, Konkurrenzkampf etwa, oder alles, was man heute mit "Me too" assoziiere.

Der Fotografie ist er immer treu geblieben, immer öfter rutschten dem scheu wirkenden Beobachter, der von sich sagt, ihn interessiere der Moment, den er konservieren wolle, auch Menschen vor die Linse. "Ich mag Menschen, beobachte sie gerne." Er kehrt zurück nach München, wo er sich sehr wohlfühlt: "Ich brauche die Welt von Glitzer und Glamour nicht." Er wohnt in Schwabing, macht eigene Aufnahmen, Projekte in der Natur, im Botanischen Garten, aber auch Auftragsarbeiten für Modeschöpfer und Designer und einen ambitionierten Floristen. Er kann, wenn er nicht auf zu großem Fuße lebt, mit seinem Verdienst auskommen. Und Hugo Kroiss wird der Autor und Regisseur eigener Dokumentarfilme. Das begann in einem Urlaub in Südtirol, wo ihn das Leben einer Bergbauernfamilie faszinierte, er hielt es fest. Sein späterer Kurzfilm "Wahnsinnige Schönheit" handelt von der Kunst psychisch kranker Frauen um 1900 - eine Auftragsarbeit, die ihn aber sensibilisierte für diesen gesellschaftlichen Randbereich. Es folgt "Liebe, Gurus, Phantasie", über den Alltag von Psychiatrie-Patienten. "Das hat mich immer schon interessiert." Warum, erklärt er nicht näher. Kroiss plant bereits ein neues Projekt mit dem Kleinen Theater Haar: "Das ist aber noch nicht spruchreif", erzählt er.

Hugo Kroiss, 2017

Stiller Beobachter: Hugo Kroiss.

(Foto: Catherina Hess)

Mehr ist Hugo Kroiss nicht zu entlocken, der ruhige Mann mit den blauen Augen, die so tief zu blicken scheinen, geizt mit Worten. Fragt man ihn, was sein Traum für die Zukunft wäre, denkt er erst einmal nach, erzählt ein wenig und relativiert es sofort wieder: "Ein Traum nicht. Eher eine schöne Aufgabe." Hugo Kroiss ist definitiv kein Mann der Superlative und er ist auch kein Selbstvermarktungsgenie. Kroiss lässt einfach seine Bilder und Filmszenen für sich sprechen. "Als ob die Kamera ein Bewusstsein hätte", sagt er zum Schluss.

"Painting with Light" heißt Hugo Kroiss' aktuelle Ausstellung in der Kultur-Etage der Messestadt an der Erika-Cremer-Straße 8. Sie ist zu sehen bis zum 16. Februar, montags bis freitags von 9 bis 12, 13 bis 16 und 18 bis 21 Uhr, dienstags und donnerstags auch 16 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.