Der globale Handel scheint gerade auf dem Rückzug zu sein. Viel wird über die Kräfte gesprochen, die die Weltwirtschaft auseinandertreiben. Doch womöglich ist manches davon übertrieben. Hört man den beiden Chefs der Messe München zu, wie die Geschäfte im vergangenen Jahr gelaufen sind, ist die Botschaft jedenfalls eine andere: Rekord bei Umsatz und Ergebnis trotz geopolitischer Spannungen.
Dazu beigetragen hat ganz besonders das Ausland – auf verschiedenen Wegen: Das Münchner Unternehmen ist längst international aktiv und zählt zu den zehn größten Messebetrieben weltweit, derzeit auf Platz sechs. Der Anteil des Auslandsumsatzes liegt mittlerweile bei 34 Prozent. Aber auch für das Geschäft auf dem Münchner Messegelände in Riem spielen Ausländer eine große Rolle: Sie stellen 60 Prozent der Aussteller und 36 Prozent der Besucherinnen und Besucher. „Unsere Kunden treffen hier die Welt“, sagt Reinhard Pfeiffer bei der Vorstellung der Bilanz. Und Stefan Rummel sagt: „Viele internationale Besucher lernen unsere Messen im Ausland kennen und kommen dann zur Weltleitmesse in München.“ So erklären die beiden Messechefs, die das Unternehmen gemeinsam führen, die guten Zahlen.
2024 erwirtschaftete die Messe München konzernweit einen Umsatz von 488 Millionen Euro und ein Jahresergebnis von 70 Millionen Euro, beides Höchstwerte. Die Hälfte des Ergebnisses wird – wie bereits in früheren Jahren – an die Hauptgesellschafter ausgeschüttet: den Freistaat Bayern und die Landeshauptstadt München.
337 Millionen Euro Umsatz erzielte 2024 allein das Geschäft in München. 16 Eigenveranstaltungen und 93 Gastveranstaltungen brachten rund 1,3 Millionen Besucher auf das Messegelände nach München-Riem. Sie lösten einen Kaufkrafteffekt von 3,4 Milliarden Euro aus, von dem insbesondere Hotellerie, Gastronomie und Taxigewerbe profitierten; im Jargon der Messechefs ist von „Umwegrentabilität“ die Rede. Hinzu kamen rund 730 000 Adele-Fans, die im August 2024 an insgesamt zehn Abenden die Konzerte des britischen Superstars verfolgten.
Zu den insgesamt 47 Veranstaltungen im Ausland kamen rund 1,2 Millionen Gäste. Besondere Bedeutung kommt dabei dem chinesischen Markt zu: Knapp eine Million Menschen besuchten Veranstaltungen der Messe Muenchen Shanghai. Die deutlich kleinere Tochter in Indien konnte ihren Umsatz 2024 im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln. Das Augenmerk der Messechefs liegt auf Asien. „Wir werden versuchen, in China weiter zu wachsen. Das Geschäft dort ist für uns entscheidend“, sagt Pfeiffer.
Auch das aktuelle Geschäftsjahr läuft für die Messe München erfreulich
Auch andere Auslandsmärkte möchte die Messe München angehen: Noch in diesem Jahr ist der Markteintritt in den USA geplant, wo man erstmals die Analytica USA in Columbus organisiert; hier dreht sich alles um Labortechnik, Analytik und Biotechnologie. Dazu kommt die Transport Logistic Americas in Miami. Mit der Ifat, deren Schwerpunkt auf Umwelttechnologien liegt, geht das Münchner Unternehmen im Januar 2026 erstmals nach Saudi-Arabien. Und im Juni 2026 soll die Immobilienmesse Expo Real in Singapur ihre Premiere feiern. Das viel beschworene Ende der Globalisierung muss also noch ein wenig warten, wenn es nach den Münchner Messemachern geht.
Erfreulich ist auch der Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr 2025. Acht von zwölf Leitmessen sowie die IAA Mobility sollen rund 2,5 Millionen Besucher an den Standort München locken. Das Unternehmen erwartet einen Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro und eine Rekord-Umwegrentabilität in Höhe von fünf Milliarden Euro, 80 Prozent davon in München und der Region.

