Genau fünf vor zwölf ist es, als Staatsministerin und Schirmherrin Michaela Kaniber die Messe Food & Life eröffnet, nicht ohne die Zuhörer daran zu erinnern, was es geschlagen hat: „Helfen Sie mit, die bayerische Vielfalt zu bewahren. Mit jedem Einkauf können Sie Politik machen.“ Ihr Beispiel: Sechs von zehn in Deutschland gekauften Weinflaschen kommen aus dem Ausland, was die Frage hervorruft: Muss das sein? Kanibers Rat: „Kaufen Sie Regionalität! Achten Sie auf Gütesiegel.“ Schließlich könne man „stolz sein auf das bayerische Ernährungshandwerk“. Als wenig später die bayerische Bierkönigin Anna Winkler mit sechs Schlägen das erste Fass anzapft und „O‘zapft is!“ ruft, kann es auch offiziell losgehen mit den fünf Messetagen zu Food & Life sowie Heim+Handwerk.
Im Vorjahr kamen 80 000 Besucher, um sich in fünf Hallen einem vorweihnachtlichen Einkaufserlebnis zu den Themen Wohnen, Lifestyle und Handwerk hinzugeben. Wer rechtzeitig mit dem Weihnachtsgeschenke-Besorgen dran sein will, findet hier viele Ideen, persönliche Beratung und handwerkliche Qualität für das traute Heim.
Allerdings kann einen das Angebot auch ein wenig erschlagen, nicht nur optisch, auch akustisch. Denn kommt man mit dem ein oder anderen Standbetreiber ins Gespräch, tun sich oft spannende Lebensgeschichten auf. Zum Beispiel bei Florian Blickenberger. Eigentlich war man ja zur neuen „I mog di“-Fläche in Halle B6 getigert, um sich in einer kleinen Sonderausstellung die Original-Requisiten des Pumuckl-Films anzuschauen, als der Blick auf den Nachbarstand fällt: „Mamma Bavaria“ steht da – wird doch nicht die Kinseherin … Nein, die Kabarettistin steht nicht am Messestand, dafür aber Lederhosenträger Blickenberger, der über einen maximal kernigen Händedruck verfügt.

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Mit 16 wanderte er von Riedering im Chiemgau aus nach Mallorca, später nach New York, „und als ich zehn Jahre später zurückkam, hab' ich mich nicht mehr zu Hause gefühlt“, erzählt Blickenberger. Was tut man da als gelernter Goldschmied? Sich die Heimat in die Werkstatt holen. Seine Idee: Gipfelkreuz-Anhänger. Kaum zu glauben, wie unterschiedlich die auf Hochries, Wallberg oder Wendelstein aussehen. Lederhosen hat er auch im Angebot, designt nach dem Schnitt einer 120 Jahre alten Krachledernen des Urgroßvaters. Auch schön: das als Deko-Stück montierte Horn eines Steinbocks, „ein Lawinenopfer“, sagt der Künstler, der stolz berichtet, dass er vom Tourismusverband zu einem von 80 Bayern-Botschaftern berufen wurde. Und Luise Kinseher? „Der habe ich mal mit schönen Grüßen eine Dirndl-Tasche geschickt, aber nix g'hört.“

Sei's drum. Umso mehr Text bekommt, wer ein paar Meter weiter bei Küchen Kempfle fragt, wie denn dieser Backofen mit Gerichtserkennung funktioniert. Ja, nicht Gesicht, sondern Gericht. Mehr als hundert Mahlzeiten vermag die Siemens-Technik zu erkennen und angemessen mit Backofenwärme zu versehen. Und so geht automatisiertes Backen: Zum Beispiel geschnittenen Kürbis in den Ofen schieben, fertig. Den Rest besorgt die Technik: optimale Zeit, Temperatur und falls nötig Dampf. Für überbackene Aufläufe gibt es sogar einen Bräunungssensor. Wer wissen will, wie braun der Käse schon ist, kann auf dem Sofa liegen bleiben und per Handy in den Ofen schauen. Schöne neue Welt.
Ähnlich bequem machen es einem die „Smartthings“ von Samsung in Halle A5. Wer unterwegs ist und nicht weiß, was noch zu essen daheim ist, schaut einfach per Handy in den Kühlschrank. Der wiederum schlägt dank KI ein paar Rezepte vor, die aus dem Vorhandenen zuzubereiten wären. Und da der Herd nebenan natürlich mithört, heizt er sich bei Bedarf schon mal auf. Logisch, dass da auch die Waschmaschine mitspielt: Sie erkennt den Inhalt ihrer Trommel, wählt das passende Programm aus, dosiert die Waschmittelmenge und spart auch noch Energie, angeblich bis zu zehn Prozent. Hashtag DasbisschenHaushalt.

Nach all der Technik wohltuend analog kommen dagegen die Schreiner-Wettbewerbe „Die gute Form“ und „Holz aus Bayern“ daher, mit formschönen Gesellenstücken wie einem Puzzle-Tisch oder einer schwebenden Kinderwiege, der einer Besucherin ein „Isch des nett!“ entlockt. Nebenan, auf der neuen Werkfläche in Halle A6, lockt die Vielfalt des Handwerks mit Kreativ-Workshops zu Textilfarben, Linolschnitt und dem Flechten von Adventskränzen.
Im Planwerk geben derweil Studierende der Hochschule Coburg individuelle Einrichtungsberatung, kostenlos. In Halle A5 dreht sich alles um das große Thema Bauen, Sanieren, Modernisieren und die Frage: Wie wird das eigene Haus autark? Energieeffizienz, nachhaltiges Bauen, ganzheitliche Energiekonzepte und erneuerbare Energien sind auch die Themen beim Forum „Das Haus“. Erstmals bietet zudem eine Jobbörse Einblicke in den Arbeitsmarkt Handwerk.

Nach all den Eindrücken ist es dann Zeit für etwas Nahrungsaufnahme: auf zur Food & Life in den Hallen B5 und C6! Mit 27 Ausstellern ist die Food-Truck-Area diesmal so groß wie nie zuvor und lockt mit Kulinarik aus aller Welt, sogar aus dem Himalaja. Außerdem im Angebot: Alpentapas, Lieblingsspeisen aus Westafrika, Vanille aus Madagaskar, Weinbergschnecken, Mais im Glas, zuckerfreies Baklava und vieles mehr.
Etwa Öle aus dem Startup dreier junger Burschen, die sich „aus dem Schützengraben der Sterne-Küchen“ kennen, wie es einer ausdrückt. Ihre Idee: viel Geschmack auf wenig Raum, in Form von Ölen in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. So schmecke das Basilikum-Öl nach Urlaub, die Variante Schnittlauch eher nach Frühling. Ob's stimmt? Geschmackssache. Lange suchten die drei einen Firmennamen, bis Oma Rosa ihren Kräutergarten mal als „Kraidlzeig“ bezeichnete – passt!

