Meisterfeier des FC Bayern:"Wir kommen wieder!"

FC Bayern Muenchen Celebrate Winning The Bundesliga

Pep Guardiola und Matthias Sammer feiern die 25. Meisterschaft des FC Bayern auf dem Münchner Rathausbalkon.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Beim gemischten Double, der gemeinsamen Meisterfeier der Männer und Frauen des FC Bayern, verspricht Pep Guardiola eine starke Mannschaft für 2016. Wie Klubchef Rummenigge den Animateur gibt und Ribéry der Feier Schwung verleiht.

Von Filippo Cataldo, München

Seit 2007 ist Franck Ribéry schon beim FC Bayern München, er hat den Klub und seine Fans in diesen Jahren lieben gelernt, vielleicht mehr als jeder andere Spieler ohne deutschen Pass, der je das Trikot der Bayern übergezogen hat. Und er hat sehr feine Antennen entwickelt für die Stimmung beim Anhang; er weiß, was das Volk fühlt, was es hören will.

Als Ribéry sich also am Sonntag gegen 15.20 Uhr auf dem Rathausbalkon das Mikrofon reichen ließ, wusste er, dass etwas passieren musste, um der Meisterfeier ein wenig Schwung zu verleihen. Der Stern des Südens war schon gesungen, "We are the Champions" verklungen, Thomas Müller hatte schon das Humba-Tätärä mit den Fans dirigiert. Aber es musste noch etwas passieren, um dieser Meisterfeier noch ein wenig Schwung zu geben.

"Ich bin noch zehn Jahre in München", sagte Ribéry also. Und siehe da: Viele der 15 000 oder 20 000 Menschen unten am Marienplatz lachten. Er lachte auch. Vielleicht war es ein Witz gewesen, vielleicht hatte er es wirklich so gemeint, aber letztlich war das unerheblich. Es ging um den Spaß, darum, die Menschen, seine Kameraden und vielleicht auch sich selbst nochmal daran zu erinnern, wo - und wieso - man gerade war.

Vor fünf Jahren hatte Ribéry an selber Stelle in damals noch putzig gebrochenem und unsicherem Deutsch verkündet: "Isch abe gemacht funf Jahre mehr". Es war der Höhepunkt der Doublefeierlichkeiten 2010 gewesen. Bayern hatte gerade verdient das Champions-League-Finale gegen Inter Mailand verloren, Ribéry war gesperrt gewesen und galt in der öffentlichen Wahrnehmung auch sonst nicht ausschließlich glücklich in München, beim FC Bayern unter Louis van Gaal. Real Madrid wollte ihn, Manchester United wollte ihn, dazu kam noch eine unschöne Affäre. Sein Treuebekenntnis zum FC Bayern ließ die Fans damals grenzenlos jubeln.

Sein Treuebekenntnis damals war aber auch der Beginn des neuen FC Bayern. Damals vollzog der Klub gerade den Wandel zur Weltmarke. Nach Ribérys Treueschwur folgten das verlorene Champions-League-Finale 2012, der Triumph 2013, das souveräne Double 2014, der souveräne Meistertitel 2015, aber eben auch das Auscheiden im Halbfinale von DFB-Pokal und Champions-League, folgte das etwas unglückliche Einzel 2015.

"Das ist das Schwierigste: Wieder gewinnen."

Ribéry hatte natürlich gemerkt, dass die Stimmung bei den Leuten auf dem Marienplatz und auf dem Balkon, bei seinen Kollegen und den Fußballerinnen des FC Bayern, ganz gut war. Überbordend war sie aber nicht. Er sagte also noch: "Wir werden immer versuchen." Er meinte, die Champions League zu gewinnen, den Pott wieder nach München zu holen. Auch Pep Guardiola, der Trainer, sagte ein paar Minuten später ins Mikro des BR-Reporters. "Wenn du ein Mal gewonnen hast im Fußball, dann willst du immer gewinnen. Das ist das Schwierigste: Wieder gewinnen." Er verstehe die Erwartungshaltung der Menschen. "Wir werden wieder stark sein. Nächste Saison kommen wir wieder." Um dann möglichst nicht nur die 26. Meisterschaft, sondern auch ein, zwei Pokale mehr zu präsentieren.

Am Sonntag hatten sie ehrlicherweise ja auch zwei Pokale dabei, genauer: zwei Schalen. Zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Fußballs sind die Männer und Frauen desselben Klubs Meister geworden. Neben Ribéry, Müller, Lahm, Schweinsteiger und Co. präsentierten also auch Lena Lotzen, Manuela Zinsberger und ihre Mannschaftskolleginnen ihre Meisterschale, die ebenso wie das Pendant der Männer an eine juwelenversehene Salatschüssel erinnert. "Gemischtes Double" hatte der Klub die Meisterfeier genannt, in Ermangelung eines echten Doubles, immerhin ein gemischtes.

Eine schöne Sache. Stadionsprecher Stephan Lehmann rief auch immer ein, zwei Frauen und ein, zwei Männer gemeinsam hinaus. Doch dann bewiesen sie alle ein mangelhaftes Zweikampfverhalten, auf dem Balkon standen Männer und Frauen dann bei sich, die Männer feierten ihre Schale, die Frauen ihre. Auf Weißbierduschen verzichteten beide. "Davon hatten wir gestern genug", sagte Jerome Boateng, der am Vortag in der Arena nach dem 2:0 gegen Mainz den Trainer erwischt hatte.

Achter Meistertitel

Schweinsteiger holt Kahn und Scholl ein

Oliver Kahn, 8 Meistertitel, 20 Spielzeiten

Mehmet Scholl, 8, 18

Bastian Schweinsteiger, 8, 12

Klaus Augenthaler, 7, 14

Lothar Matthäus, 7, 17

Alexander Zickler, 7, 12

Jens Jeremies, 6, 12

Samuel Kuffour, 6, 10

Ludwig Kögl, 6, 14

Bixente Lizarazu, 6, 9

Hasan Salihamidzic, 6, 13

Philipp Lahm, 6, 12

Claudio Pizarro, 6, 15

Rummenigge feiert bis 5.15 Uhr in der Früh

Ebenfalls am Samstag hatte Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende, die Seinen zum Feiern animieren müssen. Erst im Stadion, dann im Postpalast bei der internen Feier. Immer wieder betonte er, dass es eine gute Saison gewesen sei. Gerade angekommen am Marienplatz, betonte er am Sonntag, dass er erst um viertel nach fünf Uhr in der Früh den Postpalast verlassen habe. Als Letzter. Rummenigge als Feierbiest, das ist auch neu. Rummenigge als Animateur erst recht. "Viele Klubs in Deutschland behaupten, sie hätten die besten Fans. Ich sage: Wir haben die besten Fans. Ihr seid die Besten. So eine Stimmung wie gegen Barcelona, wie gegen Porto, das habe ich noch nie erlebt. Macht weiter so!", rief er dem Anhang vom Balkon zu.

Feierbiest Rummenigge kritisierte zudem mehrfach die Erwartungshaltung an den FC Bayern. Erst beim Empfang von OB Dieter Reiter, immer wieder unterbrochen von Tonproblemen, dann auf dem Balkon, schon etwas deutlicher, später auch im BR-Interview, für alle verständlich, sagte er immer wieder ungefähr dieselben Sätze. "Unser Ziel ist es jedes Jahr, deutscher Meister zu werden. Das haben wir geschafft", sagte er. Oder auch: "Wenn man im Pokal und in der Champions League das Halbfinale erreicht und gegen Barcelona ausscheidet, muss man nicht enttäuscht sein. Klar hätten wir gerne das ein oder andere Finale rangerhängt, aber man muss auch Respekt vor der Mannschaft und dem Trainer und den anderen Mannschaften haben". Und schließlich: "Ich glaube die meisten verstehen einfach nicht, was es bedeutet, deutscher Meister zu werden."

Bastian Schweinsteiger weiß das natürlich genau. Die 25. Meisterschaft des FC Bayern ist seine achte. Gerade von ihm hatten sich nicht wenige an diesem Sonntag auch ein paar Sätze erwartet. Die Zukunft des Vize-Kapitäns bei seinem Herzensklub schien zuletzt ein wenig offen, Manchester United wird ein gesteigertes Interesse an Schweinsteiger nachgesagt. Doch als er sich am Sonntag das Mikrofon schnappte, stimmte er nur dieses an: "Wer nicht hüpft, der ist kein Roter!"

Das mit dem Treuebekenntnis übernahm dann Ribéry.

© SZ vom 24.05.2015/bica
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