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Meine Woche:Zeit des Übergangs

Pfarrer Bernhard Liess

Als Pfarrer war Bernhard Liess bisher in der beschaulichen Waldkirchengemeinde in Planegg zu Hause.

(Foto: Privat)

Der Stadtdekan Bernhard Liess will München besser kennenlernen

Von Annette Jäger

Als "Wanderer zwischen zwei Welten" begreift sich Pfarrer Bernhard Liess in seiner momentanen Situation. Zum 1. Juni endete sein Dienst in der evangelischen Waldkirchengemeinde Planegg-Krailling, in der er mehr als acht Jahre lang Pfarrer war, am 1. September beginnt seine neue Tätigkeit als Stadtdekan in München. Es ist eine Übergangsphase zwischen Abschied und Ankunft, die Liess derzeit im Planegger Pfarrhaus verbringt. Die Phase hat auch einen Namen: Studienurlaub. Bis Ende Juli hat er Zeit, sich auf sein neues Amt vorzubereiten. Ende August zieht die Familie dann nach München.

"Der Abschied fällt schwer, es war eine wunderbare Zeit", sagt Liess . Viele Emotionen haben den Abschied begleitet, auch weil er nicht so gefeiert werden konnte, wie er es sich gewünscht hätte, mit einem Festgottesdienst. "Ein Abschiedsgottesdienst mit Mundschutz - das schmerzt." Ein Nachfolger wird erst im Frühjahr 2021 seinen Dienst antreten. "Die Kirchengemeinde muss sich entwöhnen, das ist die Idee der Vakanz", erklärt Liess.

Als Pfarrer war der 50-Jährige bisher in der beschaulichen Waldkirchengemeinde in Planegg zu Hause, einem Umfeld mit fast "dörflichem Charakter". Jetzt wartet die Großstadt. Im Dekanatsbezirk München leben rund 240 0000 evangelische Kirchenmitglieder, es ist der größte Dekanatsbezirk der bayerischen Landeskirche. Mit dem Amt als Stadtdekan wird Liess zugleich Dekan im Prodekanatsbezirk München-Mitte und Pfarrer in der Kirchengemeinde St. Markus.

München hat andere gesellschaftspolitische Themen auf der Agenda als die Vorortgemeinde. Liess will seinen Studienurlaub dazu nutzen, ein Netzwerk zu knüpfen, um die Stadt mit all ihren Chancen und Risiken kennenzulernen. Für die nächsten Wochen ist sein Kalender gut gefüllt, "ich werde mit vielen Menschen ins Gespräch kommen": mit Vertretern der Kirchengremien, der multireligiösen Bereiche, von Wirtschaft, Kultur und Politik, um herauszufinden, was die Menschen brauchen. Schließlich solle Kirche die Sprache der Menschen sprechen und nicht Antworten auf Fragen geben, die keiner gestellt habe, sagt Liess. An mancher Stelle müsse Kirche auch eine klare Position beziehen, etwa bei Themen wie Antisemitismus und Rassismus.

Als "spannende Zeit" empfindet Liess die Übergangsphase, die vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie besondere Bedeutung erhält. "Wie läuft künftig Konfirmation ab? Wie feiern wir Weihnachten?" Auch hier Antworten zu finden wird eine seiner Aufgaben sein. Denn eines bleibt, wie es ist: Auch als Stadtdekan wird er Seelsorger sein.

© SZ vom 29.06.2020

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