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Meine Woche:Vom Handbike zum Hilfe-Telefon

Lieve Leirs.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Lieve Leirs ist behindert und kümmert sich um Behinderte

Von Gözde Celik

Leve Leirs' Woche beginnt mit Planung. Wie soll der Einkauf organisiert werden? Wie der Haushalt? Und wie die Fortbewegung ohne öffentliche Verkehrsmittel? Denn Leirs (Foto: Alessandra Schellnegger) ist Rollstuhlfahrerin und gehört während der Pandemie zu einer der Risikogruppen. Auch ist sie ehrenamtliche Sprecherin für das "Netzwerk von und für Frauen und Mädchen mit Behinderung in Bayern", Leiterin des Arbeitskreises "Frauen und Mädchen mit Behinderung" im Behindertenbeirat München sowie Peer-Beraterin beim Club Behinderter und ihrer Freunde (CBF). "Peer Beratung - das heißt von Betroffenen für Betroffene", erklärt sie.

So beginnt ihre Woche mit einem nicht ganz so freien Montag. Die eigene Wochenplanung, Physiotherapie und ihre Ehrenämter stehen auf dem Plan. In der übrigen Woche kümmert sie sich im Büro an der Johann-Fichte-Straße 12 um die Belange von Menschen mit Behinderung. Momentan, aufgrund der aktuellen Situation, hauptsächlich über Telefon und mit Hilfe von E-Mails. "Es ist nicht das Gleiche wie bei einem persönlichen Gespräch, da ist noch ein anderer Kontakt da", gibt Leirs zu. "Ich hoffe, dass wir bald wieder das Okay für persönliche Treffen kriegen." So steige während der Pandemie auch der Bedarf an Beratung bei Personen mit Behinderung. "Diese Menschen brauchen mehr Unterstützung", stellt sie fest, "sie sind ein bisschen vergessen worden".

So stellten sich einige Probleme, von der Frage der Organisation von persönlichen Assistenzen bis hin zum Zugang zu Versorgung und Therapie. Aber auch der Umgang mit anderen Menschen verlaufe anders: So nehme die Bereitschaft, zu helfen, beispielsweise beim Ein- und Aussteigen aus öffentlichen Verkehrsmitteln ab, da die Leute wegen der Abstandsregelungen gehemmter seien. Leirs selbst verzichtet derzeit aufgrund der Empfehlungen zum Infektionsschutz darauf, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren und schränkt auch ihr soziales Leben ein.

"Normalerweise bin ich ein sehr kontaktfreudiger Mensch", beschreibt sie sich. Aber zum Glück gebe es auch die Möglichkeit, virtuell in Kontakt zu treten. Und sollte doch mal Langeweile aufkommen, pflegt sie ihr Hochbeet oder macht Spaziergänge mit dem Handbike, einem mit den Armen betriebenen Fahrrad. So vergeht die Woche zwischen Arbeit, Ehrenämtern und Freizeit damit, für sich und auch für andere Lösungen zu finden. Denn diese braucht es auf jeden Fall noch. "Mir ist wichtig, dass Menschen mit Behinderung nicht vergessen werden."

© SZ vom 08.06.2020

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