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Meine Woche:Virtueller Kindergarten

Maria-Luisa Puttich.

(Foto: Katrin Spanke)

Maria-Luisa Puttich hilft Eltern im Home-Office mit Spielangeboten. Die Resonanz für ihre Plattform Kita-to-go ist enorm. In der ersten Woche hatten sich 5000 Eltern für das kostenlose Angebot registriert, zwei Wochen später waren es mehr als 14000 Teilnehmer

So richtig fassen kann die Erziehungswissenschaftlerin Maria-Luisa Puttich ihren plötzlichen Ruhm noch nicht. Etwa drei Wochen ist es her, dass der Gründerin des Münchner Startups Hooray-Box die Idee kam, Eltern im Home-Office mit Spiel- und Bastelangeboten bei der Kinderbetreuung zu unterstützen. Als Bayern die Ausgangsbeschränkungen einführte, ging sie mit dem virtuellen Kindergarten, der so genannten Kita-to-go, online. "Eine Strategie dahinter gab es nicht. Es ist aus der Dynamik heraus entstanden", berichtet die 30-Jährige.

Als die Ausgangsbeschränkungen in Kraft traten, hatte Maria-Luisa Puttich, die mit ihrem Unternehmen Kinderunterhaltung konzipiert, "auf einen Schlag nichts mehr zu tun". Also entwickelte die ehemalige Erzieherin ein Online-Programm für Kinder von drei bis sechs Jahren. Die Resonanz war enorm. In der ersten Woche hatten sich 5000 Eltern für das kostenlose Angebot registriert, zwei Wochen später waren es mehr als 14 000 Teilnehmer. "Das Wachstum ist unfassbar", sagt die 30-Jährige ungläubig. Virtuell leitet sie jetzt die größte Kita Deutschlands.

So außergewöhnlich sie diese Zeit auch empfindet: "Es ist sehr arbeitsintensiv", gibt Puttich zu. Viel Zeit verbringe sie damit, die E-Mails von Eltern zu beantworten. Jeden Abend um 20 Uhr verschickt die 30-Jährige das Programm für den nächsten Tag. Dann beginnt die zweite Schicht: die Vorbereitung der Inhalte. "Ich nehme mir jeden Tag vor, um 22 Uhr ins Bett zu gehen. Das funktioniert momentan nicht."

In dieser Woche wird sich alles um das Thema Ostern drehen. Erfundene Figuren wie Danielo el Delfino leiten die Spiele an. Vor Ostern wird ein Hase dabei sein. Zu viel möchte die Kita-to-go-Gründerin nicht verraten, aber eines steht jetzt schon fest: "Es soll diese Woche heimeliger, familiärer und kuscheliger zugehen." Jeden Montag muss Puttich erst einmal die zahlreichen neuen Abonnenten einweisen. In Zusammenarbeit mit einer Grafikerin entwickelt sie am Dienstag das Konzept und die Figuren für die Osterferien. Die positive Resonanz treibt sie an: "Das Feedback der Eltern ist für mich die Bezahlung." Damit sie das Programm weiterhin kostenlos anbieten und trotzdem laufende Kosten abdecken kann, hat Puttich nun eine Bezahlung auf freiwilliger Basis eingeführt.

Was nach Corona aus "Kita-to-go" wird, ist offen. Puttich kann sich vorstellen, eine Version für Krippenkinder zu entwickeln oder Charaktere auszuarbeiten, die wie Daniel el Delfino schon Fans gefunden haben. Fest steht: "So lange die Kitas geschlossen haben, machen wir weiter."

© SZ vom 06.04.2020

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