Meine Woche:Vielfalt im Dienst der Natur

Meine Woche: Thomas Mayr.

Thomas Mayr.

(Foto: Robert Haas)

Revierförster Thomas Mayr hält städtische Wälder in Schuss

Von Jürgen Wolfram

Was macht ein städtischer Revierförster eigentlich im Sommer? Zum Beispiel in den Pausen zwischen den immer häufiger auftretenden Phänomenen Hitze, Sturm und Starkregen? Ein Anflug von Stirnrunzeln lässt erkennen, dass Thomas Mayr () die Frage für bedenklich unkonkret hält. Da hilft nur eine zweistündige Exkursion in den Großhaderner Wald. In diesem Gelände blüht ein ungeahnter Facettenreichtum, botanisch sowieso, aber auch was die Tätigkeit eines Försters angeht.

Rasch stellt sich die Frage, in welcher Reihenfolge die Aufgabenvielfalt abgehandelt werden soll. Fängt man an bei der Koordination von Einsätzen der Waldarbeiter oder, nicht minder wichtig, der Planung von Maßnahmen zur Verkehrssicherung? Oder müsste man vorrangig schildern, wie Thomas Mayr unrettbar kranke Eschen markiert, den Holzeinschlag des nächsten Winters vorbereitet, Borkenkäfer-Monitoring betreibt, Pflanzaktionen mit Schülern veranstaltet, Grenzmarkierungen zu Privatwäldern erneuert, gegen die Ablagerung von Gartenabfällen ankämpft, die Bestandschronik im Revierbuch aktualisiert? Des Försters Beruf - spielt zwar im Wald, ist aber ein weites Feld.

Mayr wuchs in Großhadern auf, besuchte einst das Ludwigsgymnasium. Er studierte in Weihenstephan und verbrachte ein Jahr im südamerikanischen Regenwald. Heute liebt er mehr das Heimspiel und die damit verbundenen Erinnerungen. Als Kind hat er sich in Münchens südwestlichem Wald mal ein Baumhaus gebaut. Solche Konstrukte darf er heute nicht mal mehr dulden.

2001 fing der 51-Jährige bei der städtischen Forstverwaltung an; diese ist dem Kommunalreferat angegliedert. Seit 2006 fungiert Mayr als Revierförster, zuständig für ein ganzes Konglomerat verstreuter Waldgebiete unterschiedlichster Größe. Die liegen an der Isar und am Starnberger See, oder auch im Mangfalltal sowie rings um den Hochzonenbehälter im Forstenrieder Park. Außerdem, und das wissen selbst viele Münchner nicht: mitten in der Stadt. Wie etwa der Südpark.

"Zu unseren Hauptaufgaben gehören Grundstücksverwaltung und Dokumentation", berichtet Mayr über sich und seine fünf städtischen Försterkollegen. Weshalb sich auch niemand über ihre wichtigsten Arbeitsgeräte wundern sollte: "Auto, Computer, Handy." 70 Prozent der Arbeit finde im Büro statt. Stolz ist Mayr auf den geglückten Umbau des Großhaderner Waldes zum Laubmischwald. Doch längst nicht alle Bürger hätten die Abkehr vom einstigen Fichtenbestand schon verstanden, ebenso wenig wie die Notwendigkeit einer gezielten Bewirtschaftung. "Waldästhetik entsteht nicht von allein, strukturreiche Wälder muss man gestalten", lautet daher die Botschaft an eine leicht erregbare Stadtgesellschaft, die bei Baumfällungen gern zum Telefonhörer greift.

Mit gewissen Unwägbarkeiten müssen die Experten selbst fertig werden. Auch sie wissen nicht mit letzter Gewissheit, welcher Mix an Bäumen dem Klimawandel mit seiner zunehmenden Trockenheit am besten widersteht. Packen's Eiche und Buche noch, oder wäre die Elsbeere besser geeignet? Ein umweltsensibler, verantwortungsbewusster "Flächenverantwortlicher" wie Mayr spürt die Tragweite solcher Entscheidungen: "Wir müssen gründlich nachdenken, was wir pflanzen, denn alles hat unwiderruflich Folgen für Generationen. Da darf nichts schiefgehen."

© SZ vom 30.08.2021
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