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Meine Woche:Stunden der Geborgenheit

Antonia Fundulus.

(Foto: Wilhelm Horlemann/oh)

Antonia Fundulus leitet einen Kinder- und Jugendhospizdienst

Von Kilian Beck

Bei einem Hospiz denkt man sofort an Tod", sagt Antonia Fundulus. Die gelernte Kinderkrankenschwester leitet eines, bei dem diese Assoziation aber nicht ganz richtig ist. Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser in Gräfelfing kümmert sich - teils über Jahre - um schwer kranke Kinder und deren Geschwister. Die kranken Kinder seien meist bereits sehr gut medizinisch betreut. Aber: "Es ist wichtig, dass die Geschwister auch jemanden haben." Oft ziehen sich Geschwisterkinder zurück, da sie keine zusätzliche Belastung sein wollen. "Dann braucht es jemanden, der für sie da ist", sagt Fundulus. Als Koordinatorin führt sie die Erstgespräche mit den Familien. "Da ist es wichtig zu erfühlen, welche Ehrenamtlichen am besten zur Familie passen." Einer könne gut zuhören, andere seien sehr kreativ oder redeten wie ein Wasserfall und seien daher eine gute Ablenkung. In dieser Woche wird Fundulus () einen Kurs für neue Ehrenamtliche vorbereiten. Um die Teilnehmer möglichst ausführlich auf die Situationen ihrer Arbeit vorzubereiten, zieht sich der Kurs über mehrere Monate. So könne sie die Ehrenamtlichen auch kennenlernen und einschätzen, in welche Familie sie gut passen würden. "Die persönliche Verbindung zum Kind steht in der Arbeit mit ihm an erster Stelle."

Dass die Ehrenamtlichen "bewundernswert viel Herzblut in die Sache" stecken, kann Fundulus bei den Gruppentreffen beobachten. Dort sprechen sie über das in den Familien Erlebte, um es zu verarbeiten, zu verstehen und ihre Arbeit zu verbessern. "Oft findet sich für konkrete Probleme in der Gruppe eine Lösung", erzählt Fundulus. Genauso wichtig sei es aber, aufeinander aufzupassen, da die Helfenden sehr viel Zeit opferten und eine Beziehung zu den Kindern aufbauten. "Ihnen muss klar sein, dass sie nur unterstützen können." Nach ihrer Ausbildung zur Kinderkrankenschwester habe sie selbst oft das mit nach Hause genommen, was sie in der ambulanten Pflege erlebt habe. "Ich dachte manchmal, es gibt keine gesunden Kinder." Man müsse sich dann ein Umfeld schaffen, das einem zeigt, dass es nicht so ist. Für sie sei das ihre Familie.

Neben der Koordination der Ehrenamtlichen plant sie für die kommende Woche einen Ausflug mit Kindern der Familien, die sie betreut. Am Samstag fährt sie mit ihnen auf einen Gutshof: "Damit sie mal raus kommen - und Kind sein können." Pferde und andere Tiere, die sie streicheln können, sollen den Kindern ein Stück Normalität schenken. Fundulus plant noch diesen Monat einen Natur-Tag. "Denn an erster Stelle stehen immer die Kinder."

© SZ vom 07.09.2020

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