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Meine Woche:Pizza und Projektarbeit

(Foto: Privat)

Bärbel Harju bereitet sich auf eine ganz besondere Nacht vor

Pizza und Mehrfachsteckdosen muss Bärbel Harju noch im Laufe der Woche organisieren. Denn am Donnerstag, 1. März, ist die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten. Laptops und Studenten wollen da mit der passenden Energiequelle versorgt sein.

Harju ist die Leiterin des Schreibzentrums der Ludwig-Maximilians-Universität. Im Laufe der Woche verteilt sie öfter gute Tipps als Pizza, denn mit dem Schreiben kennt sich die promovierte Amerikanistin aus. Die letzte Vorlesung des Semesters ist seit zwei Wochen Vergangenheit, und so langsam lässt sich die Hausarbeit über indigene Ökologien in Lateinamerika oder die Krise des europäischen Wohlfahrtstaates nicht mehr ignorieren. Im Postkorb von Harju häufen sich die E-Mails von Studenten, die Unterstützung beim Schreibprozess brauchen. "Viele kommen erst kurz vor der Abgabe", sagt Harju. Die späten Schreiber werden ebenso beraten wie die Vorausschauenden, die gleich zu Beginn eines Projekts mit den Schreib-Tutoren der Universität Kontakt aufnehmen.

Harju weiß selbst, wie gerne man sich ablenkt, je näher die Frist rückt. Die eigenen Tipps versucht sie gerade deswegen gewissenhaft umzusetzen. "Meine Schreibzeit muss ich eisern verteidigen", gibt Harju die Losung der Woche vor. Denn die Arbeit am Schreibzentrum lenkt sie manchmal von den eigenen wissenschaftlichen Projekten ab. Deshalb hat sie sich den Montag und Mittwochnachmittag geblockt, um ihre Präsentation für eine Lehrerfortbildung am Freitag vorzubereiten.

An der Langen Nacht gefällt Harju, wie offen sie das Problem der Aufschieberitis im Namen führt. Am Donnerstag packen die Studenten gemeinsam in Schreibcafés ihr Thema bei den Hörnern oder holen sich Impulse in einem Workshop. Dieses Mal hat Harju am Professor-Huber-Platz in Raum W 401 einen Konzentrationsworkshop organisiert, in dem Studenten Techniken der Zen-Meditation zur Fokussierung lernen. "Fehlende Konzentration und Ablenkung sind mit die größten Probleme", meint sie.

Schreiben könne jeder, ist sich Harju sicher. Vor allem aber kann sich jeder verbessern. Auch Doktoranden brauchen hin und wieder Feedback, um ihre Argumente zu schärfen. Das Schreibzentrum ist deshalb aber kein Nachhilfezentrum. Die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten am Donnerstag endet für die Studenten um 23 Uhr. Harju wird dann noch aufräumen. Die Pizzakartons werden sich leer neben dem Mülleimer türmen. Aber die Notebooks der Studenten werden hoffentlich mit ein paar guten Ideen gefüllt sein.

© SZ vom 26.02.2018
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