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Meine Woche:Musik der Emigranten

Christoph Wagner
(Foto: Privat)

Zum Gejodel von Cowboys legen Stan Laurel und Oliver Hardy ein bezauberndes Pas de deux hin. Zu sehen ist dieses Juwel bei der Jodel-Filmmatinee im KiM-Kino, die Christoph Wagner vorbereitet

Eigentlich müsse er nur noch die letzten Filmsequenzen zusammenstellen, dann stehe sein Vortrag, erzählt Christoph Wagner (). Die Recherchen seien ja längst gemacht, schließlich ist daraus sein Buch "Jodelmania - Von den Alpen nach Amerika und darüber hinaus" entstanden, welches im Frühjahr 2019 erschienen ist. Die kleinen, immer wieder eingestreuten Filmsequenzen nehmen die Zuschauer mit auf eine Reise zu den Klassikern des "American Yodelings". Lacher sind vor allem beim Jodel-Tanz von "Laurel and Hardy", hierzulande auch besser bekannt unter den Namen "Dick und Doof", garantiert, wenn sie bei einer Jodel-Filmmatinee am Sonntag, 22. September, 11 Uhr, zusammen im KiM-Kino, Einstein-Kultur, Einsteinstraße 42, gezeigt werden.

Fast 20 Jahre lang hat sich Wagner mit dem Jodeln beschäftigt. Er sei in dem Thema so drin, erzählt er, dass er, sollte man ihn nachts um drei Uhr wecken und bitten, etwas über das Jodeln zu erzählen, alles automatisch abspielen könnte. Doch wie kommt man überhaupt dazu, sich so intensiv mit dieser Art des Singens zu beschäftigen? Die Idee ist dem 63-Jährigen eher zufällig gekommen. Seit 1992 lebt der gebürtige Schwabe in Hebden Bridge, West-Yorkshire, England und hat dort, nachdem er seinen Beruf als Lehrer nicht mehr ausüben konnte, sein Hobby zum Beruf gemacht: den Musikjournalismus. "Ich habe von England aus eine andere Sichtweise auf die Dinge bekommen. Besonders Themen, die in der Heimat ganz selbstverständlich sind, wie etwa die Volksmusik, werden erst aus der Distanz heraus interessant, so bin ich auf das Jodel-Thema gestoßen", erzählt er. Ihn habe schon immer die Musik-Emigration interessiert, und die Frage, wie das Jodeln überhaupt von den Alpen nach Amerika kam, sei seiner Meinung nach bisher nur unbefriedigend beantwortet worden.

Diese Woche kümmert er sich neben den letzten Vorbereitungen zu seinem Vortrag dann doch schon eher darum, neue Dinge anzugehen; Rundfunkmanuskripte zu verfassen und sich mit neuen Ideen zu beschäftigen. Bei einem seiner demnächst anstehenden Projekte mit dem SWR2 untersucht er, wie die amerikanische Musik ihren Weg nach Südwestdeutschland gefunden hat. Damit kehrt er der Musik-Emigration also zunächst noch nicht ganz den Rücken zu, verabschiedet sich aber entschieden von der Jodlerei. Mit dem Ende seiner "Jodelmania"-Ausstellung am 15. Oktober sei auch definitiv Schluss mit Jodeln. "Wenn man zu viel Jodel hört, hat man irgendwann dann doch den Rand voll", erzählt er und lacht.