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Meine Woche:Moskitonetz und A-cappella-Songs

Alexandra Junginger singt seit dreieinhalb Jahren als Sopran im Chor.

(Foto: Robert Haas)

Alexandra Junginger reist mit dem Gospelchor St. Lukas nach Ruanda

Von Annette Jäger

Dass Chöre auf Reisen gehen, ist nicht ungewöhnlich. Münchens ältester Gospelchor St. Lukas war schon in den USA, in Israel und 2017 auf dem Berliner Kirchentag. Dort hat die Gruppe eine Einladung nach Ruanda erhalten - und so fliegen an diesem Dienstag, 6. August, 45 Chormitglieder in das ostafrikanische Land, um mit Gesang Brücken zu bauen. Mit dabei ist Alexandra Junginger. Die 33 Jahre alte Juniorproducerin in einer Werbeagentur singt seit dreieinhalb Jahren als Sopran im Chor. Ruanda wäre ihr als Reiseziel nie eingefallen, gesteht sie.

Gespannt und etwas nervös blickt sie dem Abreisetag entgegen und vor allem: ohne jede Vorstellung, was sie erwartet. "Ich lasse mich überraschen und freue mich auf das Ungewisse." Die ungewöhnliche Chorreise ist auf Einladung des Präsidenten der presbyterianischen Kirche in Ruanda erfolgt und hat eine intensive Vorbereitung erfordert. So gab es etwa einen Gruppentermin für die Sänger im Münchner Tropeninstitut, um sich über nötige Impfungen und Malariaprophylaxe aufklären zu lassen, erzählt Junginger. Auf der Packliste wurde zur Mitnahme eines Moskitonetzes geraten und zu einem Klebeband - um undichte Stellen zu flicken. Und bloß nichts in Plastiktüten mitnehmen, lautet ein Appell, diese sind in Ruanda verboten.

Ein straffer Terminplan wird den Takt der zweiwöchigen Reise vorgeben, in deren Mittelpunkt der vier Tage dauernde Kirchentag in Rwamagana, 50 Kilometer östlich von Kigali, steht, den der Chor mitgestalten und mitfeiern wird. Die gesamte Reise wird von Heinrich Bedform-Strohm, dem Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche, privat begleitet. Aus seiner Familie singen drei Mitglieder im Chor. Einer der ersten Termine gleich nach Ankunft in Ruanda wird ein Auftritt in der Deutschen Botschaft in Kigali sein, berichtet Junginger. Auch ein Besuch des Frauenprojekts Tubahumurize in Kigali ist geplant. Die Frauen der wohltätigen Initiative haben bunte Schals gefertigt, die die Chormitglieder bei ihren Auftritten tragen werden. Auf der Liste steht auch, einige Percussion-Instrumente zu kaufen, etwa eine Cajón, eine Kistentrommel. Sie sei zu sperrig, um sie aus Deutschland mitzunehmen, so Junginger.

In den vergangenen Wochen hat der Chor, der von Bastian Pusch geleitet wird, viele afrikanische Gospels einstudiert und A-capella-Lieder ins Repertoire aufgenommen. Junginger erhofft sich einen lebendigen musikalischen Austausch, "gemeinsam zu singen, neue Lieder zu erlernen und diese nach Deutschland zu bringen".

© SZ vom 05.08.2019
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