Meine Woche Malen mit Salatschleuder

(Foto: Kinderkunsthaus)

Amelie Martin gestaltet das Programm im Kinderkunsthaus

Von Nicole Graner

Eine Salatschleuder ist dazu da, dass man die grünen Blättchen von Wasser befreit. Das weiß doch jedes Kind. Von wegen. Denn im Kinderkunsthaus München ist das ganz anders. Da malt man mit der Schleuder Bilder. Aha, und wie das geht? "Ganz einfach", sagt Amelie Martin (). Man betropfe ein Papier mit Farbe, lege es in die Schleuder, betätige die Hebel, schleudere die Farbe heraus ... und fertig ist ein experimentelles Bild. Schleuderbilder sind nicht die einzige Idee, die die Programmleiterin, Kunst- und Sozialpädagogin hat, wenn es darum geht, Kinder in den Ferienprogrammen der Schwabinger Kreativwerkstatt für Kunst, das freie Experimentieren mit Farbe und Material zu begeistern. Die Betonung liegt für die 27-Jährige auf dem Wörtchen "frei". "Kinder können von Natur aus wunderbar abstrahieren. In der Schule dann muss jedes Bild etwas bedeuten", sagt Martin. "Hier dürfen sie experimentieren - ohne dass am Ende etwas Bestimmtes herauskommen soll."

Die Woche beginnt für die Kunstpädagogin auch in den Ferien mit vielen Gedanken. Was man im offenen Programm mit den kleinen Kindern machen könnte. Und den Großen. Die Kleinen könnten zum Beispiel Monotypien herstellen - da werde nämlich jedes "Kritzi-Kratzi" toll. Und die Großen zeichnen Selbstporträts mit Tuschefedern. "Das ist für viele oft eine Überwindung, weil sie glauben, keine Gesichter zeichnen zu können", sagt Martin. Aber dann beschäftigten sich die Zwölfjährigen plötzlich in Ruhe mit ihren Ohren, Augen und Nasenlöchern - und seien dann total stolz auf ihre Werke.

Mit den Kindern zu arbeiten liebt Martin. Die Zeit verfliege dann immer. Aber "Orga" muss eben auch sein. Den Überblick haben, was fehlt, ob genügend Farben da sind, genügend Holz - ein Materialplan hilft dabei. Einmal, so erinnert sich die Programmleiterin, ging tatsächlich doch mal die Knete aus. Jeden Tag aktualisiert sie auch die Webseite. Sie kümmert sich um das Team, den Hausmeister, der manchmal Dinge reparieren muss. Und bei allem geht es um Motivation: Das Team für ihre Arbeit zu begeistern, die Kinder, ja, und auch sich selbst. Aber wer Amelie Martin zuhört, spürt, dass sie eine innere Freude ausstrahlt, dass ihre Arbeit sie trägt. Genau das scheint sie auch an alle im Kinderkunsthaus weiterzugeben.

Kraft tankt sie beim Joggen. Mit einer anderen Amelie. Und sie läuft garantiert ohne Musik. Ein bisschen Ruhe tue gut, ein bisschen Stille. Und wenn es nur ein ruhiges Abendessen bei sich zu Hause ist. Denn leise ist es nicht im Kinderkunsthaus. Aber voller Kreativität - einer freien.