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Meine Woche:Hoffentlich ansteckend

Christian Herrig, Sozialpädagoge und Yogalehrer

Christian Herrig unterrichtet Lachyoga.

(Foto: Florian Peljak)

Christian Herrig unterrichtet jetzt Lachyoga per Video-Chat

Ich lache nicht, weil ich glücklich bin, sondern ich bin glücklich, weil ich lache." Christian Herrig () beschreibt mit diesem Satz kurz und bündig die Funktionsweise und das Wesen des Lachyoga. Dabei will sich der 41-jährige gebürtige Trierer nicht mit fremden Federn schmücken: Der Ausspruch stamme von Madan Kataria, der die mittlerweile weltweit aktive Lachyoga-Bewegung in den 1990er-Jahren ins Leben gerufen hat. Der Arzt aus dem indischen Mumbai wollte wissen, wie sich Lachen auf die Gesundheit auswirkt. Er soll sich seinem Forschungsgegenstand genähert haben, indem er und seine ersten Schüler sich Witze erzählten - man braucht ja, zumindest glauben das die meisten Erwachsenen, einen Grund dafür. Doch irgendwann ist selbst das Repertoire des größten Witzbolds erschöpft und auch der beste Gag zündet nicht mehr. Jedenfalls sei Kataria auf die Idee des simulierten Lachens, des Lachens ohne äußeren Anlass, gekommen, erzählt Herrig. Das Erstaunliche daran: Dieses "künstliche" Lachen wirkte sich genau so positiv wie das "natürliche" Lachen auf das körperliche und geistige Wohlbefinden aus. Kataria verband klassische Atem- und Entspannungstechniken des Yoga mit speziellen Lachübungen - fertig war das Lachyoga.

Und Christian Herrig lehrt es. Damit in Berührung kam er vor rund zehn Jahren, als ihn ein Freund zu einer Übungsstunde in den Westpark mitnahm. "Das hat mir gleich gefallen und gutgetan." Und zwar so sehr, dass er später beim Europäischen Berufsverband für Lachyoga und Humortraining eine Ausbildung als Lachtrainer absolvierte. Dieses Wissen gab er bis vor Kurzem jeden Montagabend beim Lachtreff in der früheren Post an der Bad-Schachener-Straße 2 a an jeweils rund 15 bis 20 Teilnehmer weiter. Coronabedingt muss Herrig mit seinem Angebot derzeit ins Internet ausweichen. Jeden Montag von 18 bis 18.30 Uhr kann man sich bei einem Video-Chat kurzschließen und gemeinsam üben. Wer teilnehmen will, muss sich an Christian Herrig (E-Mail: herrig@aka-muenchen.de; Telefon: 189 49 57-10) wenden.

Für den Sozialpädagogen ist der Lachtreff Teil der Gemeinwesenarbeit, die er in den Stadtbezirken Ramersdorf und Berg am Laim leistet. Dazu gehört auch, für die Menschen einen Ort der Begegnung zu schaffen, vorhandene Ressourcen zu nutzen oder Ausstellungen zu ermöglichen. Zweimal im Jahr organisiert Herrig zudem den Flohmarkt auf dem Karl-Preis-Platz. Zweiter Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Berufsorientierung für Geflüchtete. Und irgendwie passt Lachyoga auch dazu gut: "Unser Lachen schließt niemanden aus", sagt Herrig, "im Gegenteil, es stiftet Gemeinschaft." An diesem Montagabend kann man sich von dieser Stimmung anstecken lassen, Corona zum Trotz.

© SZ vom 20.04.2020

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