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Meine Woche:Ein Akt zum Verzweifeln

Peter Fischer

Der Promoter und "Pressewart" der Obersendlinger Theatertruppe "s'Bredl" Peter Fischer.

(Foto: Sonja Pöhlmann/oh)

Peter Fischer macht Theater - und ist verdammt zur Untätigkeit

Von Jürgen Wolfram

Im Theater sind Pausen eine feine Sache. Man kann sich bei einem Glas Sekt gleich mal austauschen über die Qualität einer Inszenierung oder über die Tagesform der Darsteller. In Zwangspausen für Ensembles und Publikum, wie gegenwärtig wegen der Corona-Pandemie, erstirbt dagegen jede Kommunikation. Über kurz oder lang gerät eine Schauspielgruppe auf diese Weise selbst zum Mittelpunkt eines Dramas, eines der existenziellen Art. So wie das Laientheater "s'Bredl" aus Obersendling. Gerade 40 Jahre alt geworden, hatten die Brettl-Amateure ihre vielen Freunde im Viertel mit dem Stück "Der Brandner Kasper und das ewige Leben" jubiläumsreif überraschen wollen. Doch dann trat das Virus aus dem Off und stoppte die Proben. Inzwischen wären die 60 Mitglieder des "Bredl"-Trägervereins schon froh, wenn sie ihre Vorstellung im Herbst 2021 nachholen könnten.

Dem Promoter und "Pressewart" der Theatertruppe, Peter Fischer , kommt bis dahin vor allem eine Aufgabe zu: um Verständnis für die "Entscheidung zur Spielunterbrechung" zu werben. Eine ganz neue Rolle also, der Peter Fischer jedoch ebenso gerecht wird wie vor Jahren seinem Part in einem Kinderstück. Dazu muss man wissen: Die Aufführung eines Stücks für Erwachsene im Frühjahr und eines für Buben und Mädchen im Herbst bilden feste Bestandteile des "Bredl"-Programms. Kein Wunder, dass Nachwuchsprobleme eigentlich nicht das Thema sind hinter den Kulissen der Theatergruppe.

Von Beruf Geschäftsführer in einer Paletten-Firma, hat Peter Fischer seine Theaterleidenschaft vor zwanzig Jahren entdeckt. Andere Eltern hatten ihn auf die künstlerische Spielfreude aufmerksam gemacht, die regelmäßig den Saal der Pfarrei Sankt Joachim erfasst. Dort bringen die Amateur-Mimen von der Boulevard-Komödie bis zum Drama so ziemlich alles auf die Bühne, was die Theaterliteratur so hergibt. Das Anforderungsprofil für das Obersendlinger Ensemble steht dabei fest: Es braucht mindestens zehn Personen, um ein Stück zu stemmen. Denn Regie, Bühnenaufbau, Requisitenbeschaffung, Maske - so etwas macht man beim "Bredl" alles selbst.

Das war schon zu den Zeiten so, als Waltraud und Horst Nowack sowie Ernst Zimmermann das kleine Theater vor vier Jahrzehnten aus der Taufe hoben. Alle drei Gründungsmitglieder sollten die aktuelle Brandner-Kasper-Inszenierung jetzt "ergänzen". Das war als integraler Teil der Jubiläumsüberraschung gedacht. "Ist nun leider vertagt", bedauert Promotor Peter Fischer.

© SZ vom 09.11.2020
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