bedeckt München 15°

Meine Woche:Drei Mal Wasserschaden

Katharina Neujean.

(Foto: Stephan Rumpf)

Katharina Neujean samt Team öffnen die Bibliothek Ramersdorf wieder

Von Hubert Grundner

Alles Gute kommt von oben, aber beileibe nicht alles, was von oben kommt, ist auch gut. Diese Erfahrung haben Katharina Neujean und ihre Kolleginnen und Kollegen von der Stadtbibliothek Ramersdorf auf ziemlich nachdrückliche Weise gemacht: Insgesamt drei Wasserschäden haben die Einrichtung an der Führichstraße 43 seit Februar 2019 heimgesucht. Los ging's ziemlich unappetitlich mit einem Rohrbruch in Toilette und Bad der darüberliegenden Wohnung, danach weichte Regen eine falsch verputzte Außenmauer bis zur Innenseite auf, und vor etwa zwei, drei Monaten setzte massiver Starkregen erneut der Bibliothek zu, als Wasser durch die Fenster drückte, weil diese keine Ablaufrinnen hatten.

Eigentlicher Auslöser für die Renovierung der Bibliothek, die in den vergangenen Monaten stattgefunden hat und die an diesem Dienstag mit der Wiedereröffnung des Hauses abgeschlossen wird, war aber der erste Wasserschaden, erzählt Katharina Neujean. Wobei zunächst nur ein kleiner Teil des Bodenbelags ausgetauscht werden sollte. Als dann aber im vergangenen März das Coronavirus die Schließung erzwang, bekam das Bücherei-Team von der Geschäftsleitung im Gasteig ein Angebot: Wenn ihr viel mit anpackt, dann kriegt ihr einen komplett neuen Boden, und auch sonst wird das kleine Leseparadies wieder aufgepeppt. "Da fing dann das große Regalerutschen an", erzählt Neujean. Wobei die Fachangestellte für Medien und Informationsdienste mehr oder weniger offiziell zur Sanierungs-Beauftragten avancierte. Vielleicht lag es auch daran, dass die 27-Jährige bereits die Stelle der technischen Leitung innehatte. Sie selbst erklärt es einfacher: "Ich war halt die, die da war."

Und zu tun gab es genug. Der Schreiner baute eine neue Empfangstheke, der Elektriker installierte den Rückgabe-Automaten, Maler strichen die Wände. "Das Schwierigste war die Koordination der Handwerker", erinnert sie sich. Das siebenköpfige Bücherei-Team hingegen kümmerte sich währenddessen um die Möblierung, neue Arbeitsplätze und die gemütliche Leseecke mit den Zeitschriften. Außerdem musterte es alte Bücher, CDs, DVDs und Zeitschriften aus und pflegte neue ein - jetzt umfasst der Bestand rund 18 500 Medien. Vielleicht tröstet das ja die Kunden über die ungeplante und lange Zeit der Sanierung hinweg. "Die nächsten Tage werden noch sportlich", sagt Neujean, Hauptsache, sie schaffen den Eröffnungstermin am 1. September: "Dann können wir auch noch den Sommerferien-Lesseclub machen", freut sie sich schon.

© SZ vom 31.08.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite