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Meine Woche:Die Freiheit ruft

Stufensprecherin Marie Lagally.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Marie Lagally organisiert den Abiball am Luisengymnasium

Jahrelang die Schulbank drücken, Lehrer ertragen und zum Schluss noch eine Orgie an Klausuren, Aufsätzen und mündlichen Prüfungen über sich ergehen lassen. Für Abiturienten in ganz München naht der Tag der Erlösung. In den letzten Junitagen gibt es endlich das weiße Stück Papier, das die zwölfjährigen Qualen amtlich bescheinigt und die gepeinigte Existenz ins freie Leben entlässt. Und das soll gebührend begossen werden.

Auch am Luisengymnasium naht die große Feier. "Erst wenn die vorbei ist, kann ich wirklich entspannen", sagt Marie Lagally, die zusammen mit drei anderen Stufensprechern den Abiball plant. Der findet am Samstagabend statt, nachdem die Zeugnisse überreicht, die Reden geschwungen und die Tränen auf den Wangen der Väter getrocknet sind.

"Es war ein Riesenaufwand", erzählt die 19-jährige Abiturientin. Schon in der elften Klasse ging die Planung los. Ziemlich schnell glich die Abikasse einer Textaufgabe in Mathe: Dafür haben die Planer so etwas wie eine kleine Bank gegründet. In monatlichen Raten von fünf Euro zahlte jeder Schüler, jede Schülerin im Vorjahr des Abiturs über zwölf Monate seine Eintrittskarten ab. Dieses Stammkapital wurde in Brote, Lachs und Aufstriche mit 40-prozentiger Gewinnmarge investiert und bei Abendveranstaltungen verkauft. "Berücksichtigen Sie folgende Rahmenbedingungen", sagt Marie Lagally und zitiert: (Miete + Catering + x) ÷ (100 Abiturienten + Lehrer + y). Für x und y gilt: Element aus R, wobei Begleitpersonen und Lehrer nach drei Sekt nicht notwendig durch eine rationale Funktion darstellbar sind. "Wie viel kostet eine Eintrittskarte?"

Am Ende war alles wie in der Matheprüfung. 35 Euro, die Rechnung ging glatt auf - war aber falsch. Marie Lagally hatte bei x die Mehrwertsteuer und die Gema vergessen. Fünf Euro hin oder her, die Mitschüler sind zum Glück nachsichtiger als ihre Lehrer. Unter dem Strich waren 20 000 Euro in der Kasse, wer soll da den Überblick behalten?

"Jetzt ist fast alles fertig, aber ich bin trotzdem total aufgeregt", sagt die Abiturientin. Mittwoch macht sie noch die letzten Einkäufe: Teelichter, Merci-Schokolade für die anderen Helfer, Luftballons und Paketschnur - alles wenig kompliziert. Am Freitag wird die Aula bestuhlt und am Samstag vor der Feier holen Freunde frische Blumen ab. Am meisten freut sich Marie Lagally darauf, dass alle schick sein werden und in Kleidern und Anzügen kommen. Der Anlass ist schließlich groß genug, denn solch eine Freiheit bekommt man nur einmal geschenkt.