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Meine Woche:Ausgezeichnete Arbeit

Eduard Wagner Nachbarschaftshilfe Moosach

Eduard Wagner.

(Foto: Privat/oh)

Eduard Wagner engagiert sich für das Projekt "Nachbarn in Moosach"

Von mira Brünner

Mehr als ein Dutzend Bären schauen Eduard Wagner über die Schulter, während er die Nachbarschaftshilfe Moosach koordiniert. Eisbären sind seine Lieblingstiere. Anstelle von Kolleginnen und Kollegen sind die Figuren die Einzigen, die ihm aktuell im Home-Office Gesellschaft leisten.

Vor Kurzem wurde das Projekt "Nachbarn in Moosach" zum Ehrenamt der Woche gekürt, ausgezeichnet von der Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für das Ehrenamt. Wagner macht diese Würdigung stolz, denn die Initiative komme im Viertel gut an: "Die Leute sagen oft, dass wir die Moosacher Engel sind. Und wir machen das ja auch wirklich gerne."

Egal ob beim Glühlampe wechseln oder beim Einkaufen - mit der Nachbarschaftshilfe geht es ihm vor allem darum, Einsamkeit vorzubeugen. "Die Kinder kümmern sich nicht mehr um die Eltern. Das ist leider so. Die schwirren irgendwo in der Weltgeschichte herum, und wir sind dann diejenigen, die sagen, ja natürlich machen wir das." Damit Klienten und Freiwillige auch gut zusammenpassen, wählt Wagner jedes Tandem sehr sorgfältig aus. Das sei gar nicht so einfach, denn durch Corona sei die Nachfrage um 40 Prozent gestiegen. Mehrere ältere Helfer haben aber wegen der Pandemie aufhören müssen.

Nicht nur personell ist das Vorbeugen von Einsamkeit seit dem vergangenen Jahr schwierig. Aktuell kann die Nachbarschaftshilfe zudem kaum mehr anbieten als gemeinsame Spaziergänge. Digitale Alternativen gibt es bisher nicht, was vor allem am Alter vieler Klienten liegt. Um das zu ändern, steht für Wagner diese Woche eine Konferenz vom Facharbeitskreis "Alte Menschen Moosach" an. Dort arbeitet er zurzeit daran, ältere Menschen in die digitale Welt zu bringen. Außerdem müsse er nun planen, ob und wie die für Mai angesetzte Fortbildung für die Freiwilligen corona-konform stattfinden kann. Seine freie Zeit nutzt er, um ein Netzwerk für Nachbarschaftshilfen in ganz München aufzubauen. "Ja, das wär's eigentlich", sagt er und lacht. "Reicht ja auch."

Da er selbst Hochrisikopatient ist, hat er fürs Wochenende keine großen Pläne. Manchmal fährt er sonntags mit dem Fahrrad ins Büro, wenn außer ihm keiner da ist. Ansonsten geht er spazieren. Corona belastet ihn inzwischen sehr. "So langsam steht's mir einfach hier, muss ich ganz ehrlich sagen." Er deutet auf seinen Hals. "Es ist schon verdammt schwer." Denn seine Eisbären hat Wagner zwar gern, aber den spontanen Austausch mit den Kollegen im Büro können sie nicht ersetzen.

© SZ vom 22.03.2021
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