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Meine Woche:Auge in Auge mit der Königstochter

(Foto: Robert Haas)

Charoula Papadopoulou führt die Aufsicht im Ägyptischen Museum

Von Veronika Ebner

Um 1575 vor Christus schmückte der vergoldete Kopf den Sarg der ägyptischen Königstochter Sat-Djehuti in Theben - nun zieht er, zentral platziert im Raum des Jenseitsglaubens, in München die Blicke der Besucher auf sich. Das wertvolle Exponat ist das Lieblingsstück von Charoula Papadopoulou , der Oberaufsicht im Staatlichen Museum für Ägyptische Kunst. "Wenn man der Maske in die Augen sieht, spricht sie regelrecht mit den Besuchern. Sie erweckt den Raum zum Leben", sagt die 43-Jährige, die jede Woche 40 Stunden im Museum verbringt.

Die gebürtige Griechin hatte zunächst nichts mit ägyptischer Geschichte zu tun, stattdessen arbeitete sie 20 Jahre lang als Arzthelferin. Irgendwann wurde ihr der Beruf zu viel. Sie habe dann etwas ganz anderes ausprobieren wollen, erinnert sich Papadopoulou. Weil ihre Eltern beide für die ägyptische Sammlung arbeiteten, die sich damals noch in den Räumen der Münchner Residenz befand, nahm auch sie dort eine Stelle als Aufsicht an. Im Juni 2013 übersiedelte das Museum in den Neubau gegenüber der Alten Pinakothek. Seit zwei Jahren ist Papadopoulou nun Oberaufsicht, koordiniert Dienstpläne, überprüft auf ihren Rundgängen, ob bei den Aufsichten alles in Ordnung ist - sind noch alle wach? - und springt auch schon mal an der Kasse ein. "Durch die Kombination aus Büroarbeit und Besucherkontakt wird es nie langweilig", sagt Papadopoulou.

In den langen Monaten der coronabedingten Museumsschließungen hatte sie als festangestellte Oberaufsicht Glück im Unglück. Während die meisten Aufsichten, die über eine Vermittlungsfirma angestellt sind, in Testzentren oder Krankenhäuser wechselten, konnte sie sich mit Inventurarbeiten, Updates der Audio-Guides oder Vorbereitungen für die Wiedereröffnung die Zeit im Museum vertreiben. "Es war sehr traurig, das Haus war so leer." Denn am liebsten sind ihr die Sonntage, wenn es richtig voll ist. Vor der Pandemie lockte der Ein-Euro-Eintritt dann um die 1000 Besucher zu den jahrtausendealten Exponaten.

Montag ist Ruhetag. Und auch von Dienstag bis Freitag ist es momentan eher ruhig, denn Führungen, Schulklassenbesuche und Sonderveranstaltungen fehlen. Studenten oder Künstler kommen dann, um zu zeichnen und die Ausstellungsstücke in Ruhe zu betrachten. "Manchmal stehen Besucher eine halbe Stunde vor der Statue des Gottes Horus, man könnte meinen, sie beten", erzählt Papadopoulou. An den Samstagen kommen viele Touristen und Familien. Eine Schnitzeljagd durch das 1800 Quadratmeter große Museum macht den Besuch für die Kinder unterhaltsam, für Erwachsene gibt es verschiedene Audio-Guide-Touren durch die 13 Ausstellungsräume. Charoula Papadopoulou freut sich, wenn das Haus mit Leben gefüllt ist. "Ich denke immer positiv und glaube, dass unser normaler Tagesablauf bald wieder da sein wird."

© SZ vom 14.06.2021
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