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Meine  Woche:Aber bitte ohne Plastik

Charlotte Schüler

Charlotte Schüler, die versucht, plastikfrei zu leben und darüber bloggt.

(Foto: privat)

Die Bloggerin Charlotte Schüler hat sich dem Umweltschutz verschrieben

Man muss schon gut vorbereitet sein, wenn man plastikfrei leben will, so wie das Charlotte Schüler tut. Seit vergangenem Oktober betreibt die 22-Jährige den Blog "Plastikfrei leben" und gibt Tipps, wie man seinen Plastikverbrauch reduzieren kann. Das Wichtigste ist die Planung des Alltags.

Bevor Schüler das Haus verlässt, überlegt sie sich, was sie an diesem Tag unternehmen will. Eine Trinkflasche, einen Jutebeutel und eine Gabel hat die gebürtige Münchnerin immer dabei. Statt in einen Supermarkt geht sie jeden Mittwoch in den Laden "Plastikfreie Zone", den ihre Mutter Katrin Schüler in Haidhausen betreibt, nur mit Produkten ohne Kunststoff. Dort füllt sie ihre Einweckgläser mit Bohnen und Linsen. Gemüse und Obst kauft sie bei Händlern am Hauptbahnhof oder auf dem Viktualienmarkt. Andere Sachen, wie Schafskäse, lässt sie sich in eine mitgebrachte Edelstahlbox einpacken. Lassen sich Verpackungen nicht umgehen, dann verzichtet Schüler lieber auf die Produkte.

Eine Herausforderung für sie ist die Modeindustrie. "Viele Labels verpacken ihre Kleidung in Plastik, deswegen habe ich fast keine Klamotten mehr", sagt Charlotte Schüler. An diesem Montag bekommt sie wie jeden Monat ein Päckchen von der "Kleiderei" mit vier neuen Kleidungsstücken. Auf deren Website hat sie ihre Konfektionsgröße, Lieblingsfarbe und Stilrichtung angegeben. Die behält und trägt sie vier Wochen, dann schickt sie die Teile wieder zurück. Nächste Woche will sie zusammen mit anderen "grünen" Bloggerinnen einen Pop-up-Secondhandladen für faire Mode in der Reichenbachstraße eröffnen.

Diesen Monat nimmt Schüler am "Plastic Free July" teil. Einen ganzen Monat lang wird dabei versucht, so wenig Plastik wie möglich zu verbrauchen. Müll, der sich nicht vermeiden ließ, wird bis zum Monatsende gesammelt. "Ich sammele auch für meinen Freund, sonst wird das schnell langweilig", sagt sie. Seit zwei Jahren ist die Reduzierung von Kunststoff ihr Alltag geworden. Etwa 35 000 Leuten gefällt ihr Blog auf Facebook. Sie bekommt Anfragen von Firmen, hält Vorträge und erläutert in Workshops, wie man Plastik vermeidet.

Gerade renoviert Charlotte Schüler ihre Wohnung, selbstverständlich plastikfrei. Gestrichen hat sie mit Kreidefarbe, die mit Farbpigmenten und Wasser angerührt wird. Ein paar Ausbesserungen will die Münchnerin machen, bevor sie mit ihren Freunden am Freitag feiern geht. Aber auch ein Discobesuch birgt Tücken. Ihre Bitte, das Getränk ohne Strohhalm zu servieren, wird von den Barkeepern oft einfach überhört.

Zum Blog: http://plastikfreileben.de/author/charlotte/

© SZ vom 03.07.2017
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