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Meine Krippe:"Bin Zigaretten holen. Josef"

Krippe in Obermenzing

Bis 2. Februar ist die Krippe noch zu sehen.

(Foto: Catherina Hess)

Auf dem Eberl-Hof steht eine Obermenzinger Institution: Ganz am Anfang gab es von den lebensgroßen Figuren nur Maria und das Jesuskind. Doch dann machte sich Ulrich Grams daran, immer mehr Figuren zu schnitzen

Von Simon Garschhammer

Sonntagnachmittag geht's hier zu wie am Stachus", sagt Ulrich Grams. Weil die Obermenzinger Krippenausstellung dieses Jahr ausfiel, wollen doppelt so viele Menschen wie sonst wenigstens diese eine Krippe mit ihren lebensgroßen Figuren sehen, die - wie üblich - vom ersten Advent bis zu Lichtmess am 2. Februar auf dem "Eberl-Hof" vor Grams' Werkstatt steht. Mit ihrem Bau hat der Bildhauer und Restaurator vor knapp 20 Jahren begonnen. Anfangs gab es nur Maria und das Jesuskind. Eines Tages entdeckte Grams einen Zettel an der Krippe: "Bin nur schnell Zigaretten holen. Josef." Also machte er sich ans Schnitzen von Josef. Jedes Jahr sei dann "ein Trumm" dazugekommen. Das Wort "Trumm" trifft es ganz gut, schließlich braucht man drei Personen, um eine der Figuren aus Massivholz zu bewegen. Jede der Skulpturen wurde aus einem eigenen Stamm geschnitzt, mehrere Monate arbeitet Gram an einer Figur.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Weihnachtskrippe zu einer beliebten Attraktion in Obermenzing. "Früher bin ich mit meinen Kindern hergekommen, mittlerweile komme ich mit meinen Enkelkindern", erzählt Willi Franz, Vorsitzender des Vereins "D'Blutenburger". Für ihn ist die Krippe eine "Obermenzinger Institution". Doch der Auf- und Abbau der mehr als zwei Tonnen schweren Krippe machte dem heute 72-jährigen Grams immer mehr zu schaffen. So entschied er sich 2015, sie zu verkaufen. Es gab private Interessenten, doch viele Obermenzinger wollten nicht auf ihre Krippe verzichten. Und so sammelte der Verein "D'Blutenburger", der sich für den Erhalt bayerischer Brauchtümer einsetzt, zahlreiche Spenden.

Einer der "Großspender" war Josef Kinast, ein Urgestein des Ortes. Weihnachtskrippen begleiten ihn, seit er denken kann.

Schon sein Großvater hatte eine riesige Krippe das ganze Jahr über im Haus, mit dem Schnitzen der Figuren ist er aufgewachsen. Franz und Kinast bewirkten schließlich, dass die Krippe 2015 dem Verein "D'Blutenburger" überstellt wurde, für einen "Freundschaftspreis", und so der Öffentlichkeit erhalten blieb. Der Standort der Krippe hat sich seitdem nicht geändert, nur um die Lagerung des Kolosses nach den Wintermonaten kümmert sich nun Kinast.

Der Verein ist froh, dass die Weihnachtskrippe, an der eine Spendenbox hängt, noch bis Februar auf dem Hof steht. So bleibt Zeit, um Spenden zu sammeln. Denn damit den Obermenzingern weiterhin ihre "Institution" erhalten bleibt, müssen die Figuren im Sommer restauriert werden.

© SZ vom 18.01.2021
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