Kolumne "Das ist schön":Wenn Kunst Couture küsst

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Kolumne "Das ist schön": Zwei Gondoliere in Pink. Das passt auch zur Pride-Week.

Zwei Gondoliere in Pink. Das passt auch zur Pride-Week.

(Foto: @talbotrunhof)

Mehmet & Kazim treffen auf Talbot & Runhof. Das Ergebnis sind sehr lässige Leinwände, die man am Körper trägt.

Von Susanne Hermanski, München

Die Mischung ist schon mal heiß: Münchens Johnny Talbot und Adrian Runhof machen gemeinsame Sache mit dem Münchner Künstler-Duo Mehmet & Kazim. Die einen, bekannt auch als die "Kissing Cousins" sind seit 2010 als Team unterwegs und haben an der Akademie der Bildenden Künste München Malerei studiert. Die Farbwahl, die sich aus den türkischen Wörtern "ak" (weiß) und "al" (rot) ihres Nachnamens ergibt, sehen sie sowohl als Metapher für ihre Abstammung, als auch als selbst auferlegte Handlungsanweisung für ihr Arbeiten. Hip-Hop und Graffiti-Kunst prägte die beiden, also Strömungen der Subkultur.

Ganz anders Johnny Talbot und Adrian Runhof. Sie entwerfen seit 2000 unter dem Namen Talbot Runhof vor allem glamouröse Abendkleider und Cocktaildresses. Kostbare Stoffe, schmeichelnde Schnittführungen und extravagante Details haben sie nicht nur zu Ausstattern der Münchner Society gemacht - Landtagspräsidentin Ilse Aigner zählt ebenso zu ihren Fans wie Filmfestchefin Diana Iljine - sondern bescherten ihnen auch internationalen Erfolg.

Für diese Kleidersaison haben die Vier sich zusammengetan und das Ganze thematisch an Venedig angelehnt - nicht brokatbrav sondern krachig in Pink-Rot-Weiß. Die limitierte Capsule Collection hat nun also von Mehmet & Kazim designte Stoffe, die von der Traditions-Seidenweberei Mantero aus Como umgesetzt wurden. Die Muster und Motive zeigen einen Teil der Ikonographie von Mehmet & Kazim. Zudem haben sich die vier Männer in einer Kooperation mit der Geflüchteten-Initiative Bellevue di Monaco und dort angedockten Näherinnen zusammengeschlossen. Auf diesem Wege sind einige grandiose Einzelteile entstanden aus Stoffresten der Abendkleid-Herstellung, Mäntel wie Patchwork-Mosaike, so plastisch geschneidert, dass sie wie Skulpturen zum Anziehen wirken.

Eingefädelt hat diese verrückte Crossover-Schneider-Kunst die Münchner Kuratorin Mon Muellerschoen. Gut zu wissen auch für Menschen, die eher selten ein Abendkleid brauchen: Es gibt ebenfalls T-Shirts, die dann wie Mini-Leinwände für die typischen Kussfiguren, Knutsch-Heinis, Blitze und Farb-Donnerwetter von Mehmet und Kazim fungieren. Die kann man auch leichter bezahlen. Und das ist schön.

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