Medizintouristen in München:Leben in der Miet-Grauzone

Haus Ohlmüllerstraße 10

Das Haus in der Ohlmüllerstraße 10 stand jahrelang leer, dann wurde es aufwendig saniert. Seit einigen Monaten ist es komplett an arabische Medizintouristen vermietet.

(Foto: Sonja Marzoner)

Jahrelang stand ein Mietshaus in der Ohlmüllerstraße in München leer. Nun ist es aufwändig saniert worden - und die Wohnungen werden für viel Geld exklusiv an arabische Medizintouristen vermietet. Die Stadt prüft, ob das zulässig ist.

Von Sebastian Krass

Im Erdgeschoss hat kürzlich ein "Orient Market" aufgemacht. Er hat Lebensmittel im Angebot, die "halal" sind, also im Einklang mit islamischen Regeln produziert wurden. An den Klingelschildern des Hauses stehen lauter arabische Namen. Und auf dem Bürgersteig vor dem Haus meldet das Smartphone verfügbare Drahtlosnetzwerke mit den Namen AbuDhabi, Dubai und Emirates. Mit dem Gebäude Ohlmüllerstraße 10 hat sich einiges getan in letzter Zeit - so viel steht fest.

Gebaut wurde es als Mietshaus im 19. Jahrhundert, heute steht es unter Denkmalschutz. Bis vor ein paar Jahren war unten drin ein Lokal. Dann stand das Haus lange weitgehend leer und verfiel. In den Jahren 2012 und 2013 wurde es aufwendig saniert, und seit einigen Monaten ist das Gebäude wieder bewohnt - ausschließlich von Familien aus dem arabischen Raum. Es sind Medizintouristen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), wie die Vermieter des Hauses bestätigen. Und so steht ein Verdacht im Raum: Wird hier Wohnraum zweckentfremdet? Die Stadt sagt, sie habe entsprechende Hinweise bekommen und gehe diesen nach.

Hotels, Boardinghäuser, Mietwohnungen

München mit den vielen renommierten Kliniken in der Stadt und im Umland ist eine der Hauptanlaufstellen für Menschen aus den arabischen Golfstaaten mit größeren gesundheitlichen Problemen. Sie reisen in größeren Gruppen an und bleiben Wochen, oft Monate. Viele mieten sich in Hotels oder Boardinghäusern ein. Zunehmend aber kommen sie auch in normalen Wohnhäusern unter, weil ihnen dort Wohnungen vermietet werden - zu deutlich höheren Preisen, als sie der reguläre Münchner Mietmarkt hergibt, aber billiger als im Hotel.

In der Paul-Heyse-Straße 30 bis 34 sorgt das für Konflikte, die sogar vor Gericht ausgetragen werden. Dabei geht es um das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Kulturen. Aber auch um die Frage: Wird der Münchner Mietmarkt zusätzlich belastet, wenn Medizintouristen Wohnungen belegen und dafür Mieten von 60 Euro pro Quadratmeter zahlen? Die Zahl fiel in einer Gerichtsverhandlung zur Paul-Heyse-Straße.

Das ganze Haus ist zu mieten

Das Haus in der Ohlmüllerstraße 10 ist ein ganz besonderer Fall. Hier werden nicht einzelne Wohnungen in einer Anlage vermietet, sondern gleich das ganze Gebäude an Medizintouristen: zehn Wohnungen, im Durchschnitt etwa 82 Quadratmeter groß. Betrieben wird das Geschäft von einem erst Anfang dieses Jahres in München gegründeten Unternehmen namens Isar Apartments GmbH, das selbst Mieter des gesamten Hauses ist und dieses zur "gewerblichen Weitervermietung" nutzt. So berichten es Houcine Slimani, einer von zwei Gesellschaftern von Isar Apartments, und Kurt Klassen, Anwalt der Firma. Die aktuelle Auslastung: 100 Prozent.

Eigentümer des Gebäudes ist seit April 2012 die SSK Deutschland GmbH, ansässig in Fellbach nahe Stuttgart. Deren Gesellschafter sind ein riesiges Konsortium namens SSK Investment und ein eng damit verbundener Geschäftsmann. Sie sitzen in den VAE, genauer: in Dubai. Die Ohlmüllerstraße 10 ist also, was Eigentümer und Bewohner angeht, in arabischer Hand. Nur, wie läuft das genau mit der Vermietung des Hauses? Die Geschäftsführerin der Eigentümerfirma will sich nicht äußern. Ihr Geschäftspartner, die Firma Isar Apartments, gibt sich viel offener. Anwalt Klassen lädt zum Gespräch in seine Kanzlei.

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