Medizintechnik "Die Radiologie lebt von schönen Bildern"

Bei einem Rundgang präsentieren die städtischen Krankenhäuser stolz ihre neuen, modernen Geräte. Die München Klinik investiert 50 Millionen Euro, um die Versorgung der Patienten zu verbessern

Von Kathrin Aldenhoff

Das MRT sieht fast freundlich aus, wie es da steht. Das soll so sein, denn vor einer Untersuchung im Magnetresonanztomografen haben viele Patienten Angst. Also ist alles sehr hell: ein weißer Raum, ein weißes Gerät; die Röhre von hellem Licht umgeben, die Matte, auf der Patienten hineinfahren, ist hellblau. "Die ist komfortabel, ich hab' das ausprobiert", versichert Andrea Rieber-Brambs. Eigentlich ist ihr Platz auf der anderen Seite des Geräts, sie ist Chefärztin für Radiologie an der Klinik Neuperlach. Aber bei diesem Gerät kommt sie ins Schwärmen, und da probiert man eben auch mal aus, wie es sich so liegt im "Ingenia Ambition", dem neuen Star der Klinik.

Das Münchner Gerät ist erst das zweite weltweit, seit fünf Wochen werden damit Patienten untersucht, etwa 15 am Tag.

(Foto: Florian Peljak)

Das Münchner Gerät ist erst das zweite weltweit, seit fünf Wochen werden damit Patienten untersucht, etwa 15 am Tag. 1,2 Millionen Euro ist das Gerät wert und es steht hier, weil die städtischen Krankenhäuser im vergangenen Jahr eine Partnerschaft mit dem Unternehmen Philips geschlossen haben, eine Innovationspartnerschaft. In acht Jahren sollen mehr als 200 Klinikgeräte ausgetauscht werden, an allen fünf Standorten. Sie sollen miteinander vernetzt sein, ein einheitliches System. Außer der Klinik Neuperlach gehören noch Bogenhausen, Harlaching, Schwabing und die Hautklinik an der Thalkirchner Straße zu München Klinik.

Chefärztin Andrea Rieber-Brambs erklärt die Aufnahmen.

(Foto: Florian Peljak)

50 Millionen Euro sollen insgesamt für moderne bildgebende Geräte ausgegeben werden, für Ultraschallgeräte, MRTs, für Computertomografen und ein Gerät namens Azurion, eine Angiografie-Plattform, mit der Herzpatienten untersucht und behandelt werden. Die modernen Geräte sollen schneller und besser arbeiten, detailliertere Aufnahmen in höherer Auflösung liefern. Und sie sollen ein angenehmes Umfeld für Klinikmitarbeiter schaffen. Nicht zuletzt sollen die Patienten besser versorgt werden.

Chefarzt Stefan Sack zeigt "Azurion" im Herzkatheterlabor.

(Foto: Florian Peljak)

"Niemand geht freiwillig ins Krankenhaus", sagt Chefärztin Rieber-Brambs. "Eine Untersuchung ist immer eine Ausnahmesituation, die Patienten sind unruhig und haben oft Angst - vor der Untersuchung, der Diagnose und der Therapie." Etwas von dieser Angst könnten sie und ihre Kollegen den Patienten mit dem neuen MRT nun nehmen, hofft sie. Dadurch, dass die Röhre weniger eng ist und das Gerät freundlicher aussieht. Die Bilder aus dem MRT benötigen die Ärzte zum Beispiel, wenn Patienten unter einer Tumorerkrankung oder Entzündungen leiden.

"Herzoperationen sind jetzt schonender für Patienten", sagt Stefan Sack, Chefarzt der Kardiologie in Schwabing und Neuperlach.

(Foto: Florian Peljak)

"Die Radiologie lebt von schönen Bildern", sagt Rieber-Brambs und erklärt am Bildschirm, was sie damit meint. Sie zeigt MRT-Aufnahmen eines schlagenden Herzens, Bilder von Gefäßverschlüssen und Aufnahmen eines Tumors im Dickdarm. Bei Standarduntersuchungen arbeite das neue MRT doppelt so schnell wie das alte, statt wie früher eine halbe Stunde dauere es nun nur noch eine Viertelstunde. Und in anspruchsvollen Fällen erzeuge es detailliertere Aufnahmen, die eine bessere Diagnose ermöglichten.

Das neue MRT.

(Foto: Florian Peljak)

Bei einem Patienten mit Dickdarmkrebs zum Beispiel erkennt Rieber-Brambs anhand der Aufnahmen, ob man den Tumor operieren kann, oder ob sie ihn besser mit einer Chemotherapie behandeln sollte. Und sie sieht, ob der Patient einen künstlichen Darmausgang brauchen wird. Früher zeigte sich das oft erst im Laufe der Operation. "Wir können den Patienten jetzt ganz anders darauf vorbereiten", sagt die Chefärztin. "Er wacht nicht mit einer bösen Überraschung auf."

Seit fünf Jahren sei München Klinik dabei, sich neu auszurichten, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung Axel Fischer. Man investiere rund eine Milliarde Euro in neue Gebäude, in Technik, Technologie und Digitalisierung. Eine Kooperation sei ein Weg, zukunftsfähig zu bleiben. Heiko Borwieck von Philips erklärt, für sein Unternehmen sei die Partnerschaft zurzeit das wichtigste Projekt in Deutschland.

Die Klinikmitarbeiter aus München geben dem Hersteller Rückmeldungen zu den Geräten, um diese weiterzuentwickeln.

Auch das ist Teil der Partnerschaft In der Nähe von "Ingenia Ambition", ein paar Gänge weiter, steht Azurion, die Angiografie-Plattform. Dabei handelt es sich um eines der ersten Geräte, das im vergangenen Jahr ausgetauscht worden ist. Ein großer Bildschirm zeigt den Ärzten detaillierte Bilder des Herzens. Das neue Gerät kann auch Aufnahmen aus dem Inneren eines Gefäßes darstellen, erstaunlich kleinteilig und hoch aufgelöst. "Herzoperationen sind jetzt schonender für Patienten", sagt Stefan Sack, Chefarzt der Kardiologie in Schwabing und Neuperlach.

Die Strahlenbelastung sei geringer und die neue Anlage benötige weniger Kontrastmittel - je weniger, desto besser. Minimalinvasive Eingriffe könnten mit der neuen Technik weiterentwickelt werden. Um eine neue Herzklappe einzusetzen, reiche in vielen Fällen bereits ein ein Zentimeter langer Schnitt in der Leistengegend. Und nach der OP geben seine Kollegen und er dem Patienten einige der Aufnahmen mit: für den Vorher-Nachher-Vergleich zuhause.