Herztransplantation Es schlug nur 27 Stunden

Die Münchner Chirurgen Rudolf Zenker, Werner Rudolph und Werner Klinner (v.l.) berichten von ihrer ersten Herztransplantation.

(Foto: Klaus Heirler/dpa)

Vor 50 Jahren transplantierte ein Team um den Münchner Arzt Rudolf Zenker das erste Herz in Deutschland. Dass der Patient nicht lange überlebte, war nicht die Schuld der Mediziner.

Von Inga Rahmsdorf

Das erste in Deutschland transplantierte Herz schlug. Aber nur für 27 Stunden. Dann starb der 36-jährige Patient. Es war vor genau 50 Jahren, am 13. Februar 1969, als ein Team um den Münchner Arzt Rudolf Zenker zum ersten Mal das Herz eines hirntoten Patienten in einen anderen Körper verpflanzte. Die Operation an der Chirurgischen Universitätsklinik an der Nußbaumstraße war eine Niederlage. Und zugleich ein wichtiger Schritt für die Transplantationsmedizin.

Die Klinik hatte sich damals ein Dreivierteljahr auf die Transplantation vorbereitet, hatte eine keimfreie Station eingerichtet, und die Chirurgen hatten Tausende Eingriffe am offenen Herzen vorgenommen. Später stellte man fest, dass das Spenderherz durch eine Thrombose-Erkrankung vorgeschädigt war und daran wohl die Transplantation gescheitert war.

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Zwei Nierenspender beklagen, sie seien nicht ausreichend über den Eingriff aufgeklärt worden. Der Bundesgerichtshof gibt ihnen recht und betont den "Schutz des Spenders vor sich selbst".

Das erste Herz weltweit hatte bereits zwei Jahre zuvor der südafrikanische Chirurgen Christiaan Barnard transplantiert. Auch sein Patient überlebte die Operation nur 18 Tage. Die Transplantationen in den folgenden Jahren zeigten ebenfalls nur niederschmetternde Ergebnisse. Das lag vor allem an den Medikamenten, die vermeiden sollen, dass der Körper das fremde Organ abstößt. Erst zwölf Jahre später, 1981, wieder in München, gelang dem Arzt Fritz Sebening am Deutschen Herzzentrum die erste erfolgreiche Herztransplantation in der Bundesrepublik.

Die Transplantationsmedizin hat in den vergangenen Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Herztransplantierte Menschen habe heute gute Chancen, lange gut mit dem neuen Organ weiterzuleben. Viele von ihnen leben sogar über Jahrzehnte damit. Nach drei Jahren schlagen noch 70 Prozent der verpflanzten Herzen im Empfänger. Bis heute wurden etwa 13 000 Herzen in Deutschland transplantiert. Bei vielen schwerstkranken Patienten ist die Operation die einzige Überlebenschance. Im Jahr 2017 wurden bundesweit an 32 Kliniken 257 Herzen transplantiert.

Am Deutschen Herzzentrum in München verpflanzen die Ärzte etwa zehn bis 15 Spenderherzen pro Jahr. Im gesamten Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität wurden nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr in 263 Fällen Organe transplantiert. Während die Zahl Transplantationen von Lungen und Lebern gestiegen ist, konnten 2018 nur 15 Patienten ein neues Herz bekommen.

Die Wartelisten sind lang, denn es mangelt an Spenderorganen. Dabei werden nicht einmal alle Patienten, die ein neues Organ benötigen, auf eine Warteliste aufgenommen. Ist das Risiko der Transplantation und ihrer Nachbehandlung zu hoch und sind die Erfolgsaussichten schlecht, ziehen Ärzte den Eingriff nicht in Betracht. Nachdem es im Jahr 2012 zu einem Transplantationsskandal kam, weil Listen manipuliert worden waren, wurden die Kriterien zusätzlich verschärft. Seitdem muss in allen Transplantationszentren eine interdisziplinäre Konferenz über die Aufnahme in die Warteliste entscheiden.

Das Transplantationsgesetz gibt den rechtlichen Rahmen für die Organspende und Transplantation in Deutschland vor. Dabei trennt das Gesetz die Bereiche Organspende, Organvermittlung und Organübertragung streng organisatorisch und personell voneinander. Jeder dieser Bereiche ist bei einer anderen Einrichtung angesiedelt.

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