Münchner RadiosenderMehr Hörer ohne UKW – egoFM wächst trotz Frequenzverzicht

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egoFM gehört zu den Gewinnern der Funkanalyse Bayern in diesem Jahr. „Es ermöglicht uns ein gewisses Durchatmen“, kommentiert Geschäftsführer Stefan Finkenzeller das Ergebnis.
egoFM gehört zu den Gewinnern der Funkanalyse Bayern in diesem Jahr. „Es ermöglicht uns ein gewisses Durchatmen“, kommentiert Geschäftsführer Stefan Finkenzeller das Ergebnis. Florian Peljak

Der Münchner Radiosender egoFM hat alle UKW-Frequenzen in Bayern aufgegeben – und trotzdem 66 Prozent mehr Hörer gewonnen. Was steckt hinter dem Paradox? Und warum bleibt die finanzielle Lage trotzdem angespannt?

Von Michael Bremmer

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Der Münchner Radiosender egoFM hat seine Reichweite in Bayern stark vergrößert – und das, obwohl er seine UKW-Frequenzen in München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Würzburg im vergangenen Jahr zurückgegeben hat. Das ist das Ergebnis der aktuellen Funkanalyse Bayern, die für den Sender mit der jungen Zielgruppe eine um 66 Prozent höhere durchschnittliche Stundenreichweite ausweist.

„Es ermöglicht uns ein gewisses Durchatmen“, kommentiert egoFM-Geschäftsführer Stefan Finkenzeller das Ergebnis der Funkanalyse. Aber diese Steigerung reiche für den Radiosender weiterhin nicht. Der Sender schreibt nach wie vor keine schwarzen Zahlen – einzig Ende vergangenen Jahres gab es zwei Monate, die finanziell gesehen Mut gemacht haben. „Unser Ziel ist es, dass wir nicht abhängig sind von Werbeeinnahmen. Wir benötigen als guter Spartensender einfach weitere Standbeine, um Geld zu verdienen“, sagt Finkenzeller.

Stefan Finkenzeller hat erst vor knapp einem Jahr den Radiosender egoFM gerettet, der Insolvenz angemeldet hatte. Es gab einen großen Sparkurs innerhalb der Redaktion, außerdem hat der Sender sämtliche UKW-Frequenzen aufgegeben. Alles Faktoren, die im Normalfall dafür sorgen, dass die Reichweite sinkt und nicht steigt. Aber wie kam es dann zu dem Anstieg?

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Die Funkanalyse weist folgende Werte aus: egoFM steigerte seine durchschnittliche Stundenreichweite von 18 000 auf 30 000 Hörerinnen und Hörer. Die Tagesreichweite legte ebenfalls zu, von 74 000 auf 97 000.

Geht man ins Detail der Studie, ist zu erkennen, dass das Wachstum besonders in den Großstädten München und Nürnberg auffällig stark ist – und bei der jungen Zielgruppe. „Unsere Mischung aus neuer Musik, relevanten Themen und einer klaren Haltung erreicht die Menschen, für die wir Radio machen wollen“, erklärt Programmchef Fred Schreiber. „Die Entwicklung zeigt, dass sich Reichweiten und wirtschaftlicher Erfolg auch jenseits klassischer UKW-Verbreitung erzielen lassen“, schreibt Geschäftsführer Stefan Finkenzeller auf der egoFM-Homepage.

Der Münchner Radiosender setzt im Gegensatz zu anderen Rundfunkstationen auf Musik aus Deutschland, vorwiegend aus dem Indie- und Alternative-Bereich. Dass nun die Reichweite steigt, ist natürlich ein Grund zu feiern. Aber die Verantwortlichen wissen, dass gerade kleine Sender wie egoFM bei der Funkanalyse Schwankungen unterliegen. Hier lohnt ein Blick hinter die Zahlen. Befragt wurden für die aktuelle Hörfunk-Studie etwa 22 500 Menschen in Bayern. Geht man von etwa elf Millionen Einwohnern in Bayern aus, die mindestens 14 Jahre alt sind, wären es grob überschlagen nur an die 70 befragten Menschen, die in der relevanten Stunde egoFM gehört haben. Oder im Vergleich zum Vorjahr etwa 30 Menschen mehr.

Nachgedacht wird auch über die Zusammenarbeit mit anderen Radiosendern

Für Stefan Finkenzeller ist dieses Ergebnis eine „tolle Grundlage“, die Reichweitenmessung wird sich aber erst im kommenden Jahr in den Werbeerlösen niederschlagen. Und da der Werbemarkt immer wieder einbreche, müsse man neue Wege für die Finanzierung finden, so der egoFM-Geschäftsführer. Konkret möchte er nicht über die Pläne sprechen, aber bereits erste Versuche haben gezeigt, dass der Sender noch stärker seinen Content vermarkten will. So gab es bereits eine Zusammenarbeit mit den Ruby-Hotels, für die man Musikzusammenstellungen kuratiert hat. „Wir haben einen Radiosender für eine bestimmte Musikrichtung“, sagt Finkenzeller. Man könne daraus Streams machen und kommerziell nutzen.

Finkenzeller denkt zudem an eine Zusammenarbeit mit anderen Radiosendern, die – um Kosten zu senken – ihre Musikredaktion verkleinert haben. „Ich glaube immer noch sehr stark an den Content, den egoFM produziert“, sagt Finkenzeller. „Und ich glaube, dass wir eventuell mit unserem Content auch anderen Radiosendern helfen können.“

Noch muss Stefan Finkenzeller Geld in den Sender stecken, um die Redaktion am Laufen zu halten. Im Herbst soll ein Treffen stattfinden, bei dem geprüft werden soll, ob die erarbeiteten Konzepte auch wirklich Geld einbringen können. Eines weiß er aber schon jetzt: „Eine weitere Sparrunde bringt bei egoFM nichts mehr. Das würde nur das Programm beschädigen und den Sender kaputt machen.“

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