Maxwerk Gegenwind für "großstädtische" Pläne an der Isar

Maxwerk, Isarauen, nähe Maximiliansbrücke Bürgermeister Schmid und CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl auf der Dachterrasse

(Foto: Florian Peljak)

Seit Jahren wird darüber gestritten, ob ins Maxwerk eine Wirtschaft kommt. Jetzt trafen Befürworter und Gegner am alten Wasserkraftwerk aufeinander.

Von Dominik Hutter

Es gäbe einiges zu tun. Wo sich die Stadtwerke und die Augustiner-Brauerei einen Schankraum wünschen, stehen jetzt noch graue Schaltschränke. Nebenan summt die Turbine des Wasserkraftwerks. "Da könnte man eine Wand einziehen", sagt Manuel Mokosch von der Immobilienabteilung der Stadtwerke und zeigt auf den offenen Durchgang zu dem stählernen Trumm. Vielleicht ein paar größere Fenster noch, aber das sei letztlich Sache des Pächters. Dann könnten in dem ebenerdig gelegenen Raum mit seiner hohen Decke Bier und Schweinebraten serviert werden. Und aus dem mit Graffiti besprühten "Schlösschen" an der Isar, das eigentlich ein Wasserkraftwerk ist, wäre - nach mehr als sieben Jahren Debatte - eine Wirtschaft geworden.

Der eigentliche Clou am direkt unterhalb der Maximiliansbrücke gelegenen Maxwerk aber ist die Dachterrasse. Man erreicht sie über ein Holztreppenhaus mit verschnörkeltem Geländer, das den Eindruck eines Lustschlösschens noch verstärkt. Der Bau ist überraschend großzügig, es gibt mehrere Zimmer auf verschiedenen Etagen, der Boden ist mit altem Parkett bedeckt. Dort befinden sich derzeit die Atelierräume des Filmproduzenten Dieter Horres und der Kostümbildnerin Birgitta Lohrer-Horres. Angemietet von den Stadtwerken, ganz früher wohnte hier der Aufpasser des Kraftwerks. Jetzt liegen Filmplakate herum und zahlreiche Kostüme sind an Kleiderstangen aufgehängt.

Gebäude an der Isar

Maxwerk: Vom Wasserkraftwerk zum Lokal mit Biergarten?

Ganz oben auf der Dachterrasse, Isar und Maximilianeum im Blick, stehen die CSU-Politiker Josef Schmid und Manuel Pretzl. Sie sind an diesem Donnerstag ins Maxwerk genommen, um die umstrittenen Pläne der Stadtwerke zu unterstützen: Räume und Terrasse an die Augustiner-Brauerei zu vermieten, die dort eine Gaststätte mit Biergarten eröffnen will. "Großstädtischer" soll es an der Isar werden, findet Bürgermeister Schmid. Da könne ein Biergarten eine echte Bereicherung sein. Zumal man sich ja, anders als die Gegner der Pläne suggerierten, "nicht etwa fernab vom Schuss inmitten eines ungerodeten Waldes" befinde, sondern in den intensiv als Erholungsraum genutzten Isarauen.

Das sehen nicht alle so. Als Schmid und Pretzl das Maxwerk erreichen, müssen sie erst einmal ein Spalier von wütenden Demonstranten passieren, die mit Transparenten wie "Stop dem Kommerz an unserer Isar" und "Kein Ballermann am Maxwerk" gegen die Gastronomiepläne in den Isarauen protestieren. Einige sind Mitglieder des örtlichen Bezirksausschusses, andere wohnen in den umliegenden Straßen. Ein Mann fuchtelt den Politikern provozierend mit der Kamera vor dem Gesicht herum, auf einem Plakat ist von Vetternwirtschaft die Rede. Schmid ist empört über diese Anschuldigung und weist sie vehement zurück. Beweise dafür hat niemand parat, es sei "ein Gefühl", sagt einer der Demonstranten. Der Einsatz für die Augustiner-Brauerei sei verdächtig, und überhaupt gehe es der Politik wohl immer nur um den Ausschank von Alkohol.

Schmid und Pretzl schütteln den Kopf, während eine besonnenere Demonstrantin darauf hinweist, dass man ja auch Kaffee bestellen könne. Die erregt geführte Debatte, die die beiden CSU-Politiker schließlich entnervt abbrechen, verdeckt ein wenig, dass es auch Anwohner mit ernsthaft vorgetragenem Anliegen gibt. Jene Frau aus der Maria-Theresia-Straße etwa, die findet, dass es in der Umgebung ausreichend Gelegenheit für einen Biergartenbesuch gebe. Da müsse man doch nicht auch noch das Maxwerk okkupieren.

Es handle sich "offensichtlich um ein sehr emotionales Thema", sagt Schmid. Die Bedenken des Bezirksausschusses, der vor allem die örtlichen Interessen im Auge habe, könne man ja verstehen. Der Stadtrat aber sei für die gesamte Stadt zuständig. Und müsse berücksichtigen, dass die Innenstadtbezirke als Aufenthaltsräume für alle Münchner von Bedeutung seien. Ein Ballermann sei nicht geplant, dieses Schlagwort weisen die CSU-Politiker empört zurück. Im Idealfall könne im Sommer 2019 im Maxwerk ein gepflegtes Wirtshaus mit Biergarten eröffnen.

Dass die Augustiner-Brauerei als Betreiber im Gespräch ist, liegt laut Stadtwerke-Mann Mokosch schlicht daran, dass sie vor Jahren bei einer Ausschreibung das überzeugendste Angebot abgegeben hat. Fraglich ist allerdings, ob Augustiner tatsächlich bei der Stange bleibt. Die Brauerei erklärte am Donnerstag, wegen der Proteste das Projekt Maxwerk "aktuell" nicht weiterzuverfolgen.

Bürger und Politik sollen sich erst einig werden. Dass ein Kaufvertrag aus dem Jahr 1894 die Pläne zunichte machen könnte, glauben weder die Stadtwerke noch Schmid oder Pretzl. Das Papier, das der frühere CSU-Stadtteilpolitiker Klaus Bäumler kürzlich ausgegraben hat, regelt den Kauf des Maxwerks durch die Stadtgemeinde München und schreibt vor, dass dort außer einem Wasserkraftwerk keine andere Nutzung erlaubt ist. Ansonsten gehe das Bauwerk wieder in den Besitz des Verkäufers über, die Privat-Familienfideikommiss von König Max II. Diese Art Familienstiftung existiert allerdings schon lange nicht mehr, so dass nach Einschätzung der CSU-Politiker niemand auf der Einhaltung des Vertrags bestehen könne. Falls das Papier nach so langer Zeit überhaupt noch Gültigkeit habe. Schmid findet, dass man die Bedeutung eines solchen historischen Dokuments ein wenig relativieren müsse.

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