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Maxvorstadt:Zu viel Remmidemmi

Weil es im Viertel wenig Freiflächen gibt, möchten die Lokalpolitiker verhindern, dass auf dem Königsplatz mehr und mehr Großveranstaltungen stattfinden. Vor allem die Internationale Automobilausstellung ist ihnen ein Dorn im Auge

Von Stefan Mühleisen, Maxvorstadt

Die Lokalpolitiker im Stadtbezirk Maxvorstadt legen sich angesichts anvisierter Veranstaltungen in den nächsten Jahren dafür ins Zeug, dass auf dem Königsplatz weniger öffentliche Großspektakel stattfinden. Auf Initiative der Grünen im Gremium spricht sich eine Mehrheit im Bezirksausschuss (BA) gegen geplante Sport- und Kulturevents im innerstädtischen Ensemble zwischen Propyläen, Glyptothek, Antikensammlung und Arcisstraße aus. Das Gremium verlangt Auskunft darüber, weshalb dafür nicht andere befestigte Plätze in der Stadt genutzt werden. "Sollten diese geplanten Großveranstaltungen in diesem Maße auf dem Königsplatz umgesetzt werden, wäre dieser bedeutende Aufenthaltsraum für die Bevölkerung und Besucherinnen und Besucher der Stadt und Museen im Sommer eine unangemessen lange Zeit belegt", heißt es im Papier der Grünen.

Der Widerstand gegen große Events auf dem Königsplatz hat in der lokalen Politik schon eine gewisse Tradition. Das liegt daran, dass es in dem äußerst dicht bebauten Stadtbezirk kaum Freiflächen zur Erholung gibt. Die Maxvorstadt ist weitgehend ein steinerner Stadtraum mit urbanem Flair, mit berühmten Museen, vielen Lokalen und Läden - doch Aufenthaltsflächen, auf denen man nichts konsumieren muss und die womöglich auch noch Gras und Bäume zu bieten haben, sind rar: das Umfeld der Pinakotheken, der Maßmannpark, der Alte Nordfriedhof, der Alte Botanische Garten - und eben der Königsplatz.

Aktion Sommer in der Stadt / München in Sommerlaune

Sommer in der Stadt: Gerade ist der Königsplatz einer der Standorte für das dezentrale Programm, mit dem Schausteller und Künstler nach den Corona-Absagen Auftrittsmöglichkeiten bekommen. Nach den Richtlinien dürfen normalerweise pro Jahr drei Veranstaltungen dort stattfinden.

(Foto: Frank Stolle/München Tourismus/obs)

Der BA hält es deshalb für nötig, sich gegen zu viele kommerzielle Events auf den verfügbaren öffentlichen Flächen zu stemmen - und pocht dabei auf eine Novelle der Veranstaltungsrichtlinien für öffentliche Plätze, die der Stadtrat auf Betreiben des Kreisverwaltungsreferats 2017 beschlossen hat. In dem Regelwerk ist festgelegt, welche Veranstaltungsarten - Konzerte, Festivals, Stadtteilfeste - wie oft im Jahr auf welchen Plätzen stattfinden dürfen. Damit soll prinzipiell die City entlastet, der Rummel auf andere Stadtteile verteilt werden. Allerdings: Auf dem Königsplatz sind seitdem an drei statt zwei Wochenenden im Jahr Konzerte erlaubt, auf dem Wittelsbacherplatz allerlei andere Ereignisse. Hinzu kommt: Jene Richtlinien, so zeigen sich die Maxvorstädter Politiker empört, "werden bei den geplanten Veranstaltungen nicht beachtet", wie es im Antrag heißt.

Es geht dabei um die Internationalen Automobilausstellung (IAA), die sich 2021 nicht nur auf dem Messegelände sondern auch auf "Open Spaces" in der Innenstadt, darunter auch Wittelsbacherplatz und Königsplatz, abspielen soll. Ferner nennt das Lokalgremium Überlegungen, das Filmfest 2021 auf den Königsplatz zu verpflanzen, wobei dies dem Vernehmen nach schon wieder vom Tisch ist. Überdies wird wohl der Königsplatz im August 2022 auch einer der Schauplätze der European Championships werden.

Aufenthaltsqualität: Die Maxvorstädter Politiker wollen ihre öffentlichen Grünflächen stärker für die Erholung der Anwohner freihalten.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Maxvorstädter Grünen zählen jedoch die Rasenflächen am Königsplatz zur "grünen Infrastruktur", welche durch die vielen Großveranstaltungen geschädigt werde. "Warum müssen ausgerechnet öffentliche Grünflächen, die für das Stadtklima und die Erholung eine große Bedeutung haben, verbaut werden?", beschweren sich die Stadtviertelvertreter, verbunden mit der Aufforderung, die Stadt möge darlegen, weshalb nicht andere versiegelte Flächen für derartige Großveranstaltungen genutzt werden. Zudem sieht das Gremium das Anhörungsrecht des Bezirksausschusses verletzt, insbesondere was IAA und European Championships angeht.

Allerdings teilen nicht alle im BA die kritische Haltung zum Remmidemmi auf dem Königsplatz, vor allem wenn es um die IAA geht. Die CSU verteidigte in der Sitzung erneut die Linie ihres Parteifreundes an der Spitze des Referats für Arbeit und Wirtschaft, Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner. Dieser hatte, auch in einer Anhörung im BA Maxvorstadt, die große Bedeutung der Messe für die Stadt angesichts des Milliardeneinbruchs im städtischen Haushalt infolge der Corona-Pandemie hervorgehoben. "Es ist doch positiv, wenn sich in der Innenstadt etwas rührt", missbilligte CSU-Mann Michael Laub zum wiederholten Mal die Anti-IAA-Einstellung der Mehrheit. Zudem nannte er das Argument, die Wiesen am Königsplatz seien schützenswertes Grün, als "zu kurz gegriffen". Bei der Abstimmung blieben die Christsozialen jedoch in der Minderheit.

© SZ vom 06.08.2020

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